Treibhauseffekt und Klimakatastrophe_ Verdammt gute Propaganda

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Treibhauseffekt und Klimakatastrophe_ Verdammt gute Propaganda
Datum: 27.07.2015, 15:20

Lange Jahre dachte ich, nicht nur ich selbst, sondern auch meine Zeitgenossen wären mittlerweile klüger und gegen Propaganda immun.

Ein Irrtum.

Propaganda ist heute noch viel wirkmächtiger als damals, sie wird geschickter formuliert und es ist noch schwerer, ihr zu widerstehen. Die Nazis hatten sie nicht erfunden, sie haben sie nur besser angewendet, als manche vor ihnen. Von Perfektion aber waren sie weit entfernt, wie das schnelle Ende ihrer Ideologie nach der militärischen Niederlage und dem Tod ihres Anführers belegt. Heute könnten sie es besser. Weil ihnen ein besonders erfolgreiches Beispiel Orientierung böte.

Gute Propaganda bedarf nicht nur einer Botschaft, sondern auch einer klar definierten Zielgruppe. Man kann niemals alle Menschen dauerhaft täuschen. Die Botschaft ist zudem auf die Zielgruppe abzustimmen. Nicht jeder sollte sie verstehen. Das in Bezug auf die gewählte Thematik dümmste Mitglied der anzusprechenden Klientel bildet den Maßstab. Dem Kreis der Adressaten ist das Gefühl zu vermitteln, etwas besser begriffen zu haben als der Rest der Menschheit. Dann profitieren sie von der werbenden Weiterverbreitung eines neuen Dogmas. Denn sie können sich einbilden, ein tieferes Verständnis für Zusammenhänge und eine größere Verantwortung für aktuelle und zukünftige Entwicklungen zu haben und zu tragen. Gute Propaganda ermöglicht es dem ausgewählten Empfängerkreis, sich wichtig zu fühlen.

Gute Propaganda wird nicht gesteuert verbreitet. Sie ist daher nicht auf einzelne Personen bezogen, sondern vermittelt eine übergreifende Idee. Sonst kann sie ihre Erschaffer nicht überleben und ein Eigenleben entwickeln. Gute Propaganda erzielt ihre Wirkung durch eine sich selbst organisierende und verstärkende Kampagne. Eine Verschwörung wäre nicht hilfreich, denn sie könnte zu leicht entdeckt werden. Gute Propaganda darf nicht durch eine Diskreditierung ihrer Urheber zu entlarven sein.

Gute Propaganda ermöglicht ihren Multiplikatoren die Schaffung eines Marktes, durch den diese über Selbstbestätigung und emotionale Befriedigung hinaus handfestere Vorteile generieren können. Nicht zuletzt auch solche materieller Natur, zu denen öffentliche Aufmerksamkeit oder der Aufstieg in Ämter und Mandate ein geeigneter Weg sind.

Gute Propaganda enthält nicht, wie oft behauptet, einen wahren Kern. Gute Propaganda ist eine vollständige und umfassende Lüge. Sie ist nicht einfach zu widerlegen, weil sie einen verschleiernden Nebel über die Wahrheit legt, den zu durchdringen den meisten Menschen nicht notwendig erscheint. Wer aber doch hinterfragt, wird durch gute Propaganda auf einen scheinbar einfachen Weg gelenkt, der sich doch als Sackgasse entpuppt. Gute Propaganda bestätigt sich auf perfide Weise, indem sie ihren Gegnern das Scheitern leicht macht.

Die Gleichsetzung von Treibhauseffekt und Klimakatastrophe ist gute Propaganda. Verdammt gute Propaganda.

Man betrachte das Credo der Klimaalarmisten in folgender, beispielhafter Formulierung: „Durch den von anthropogenen Kohlendioxid-Emissionen erzeugten Treibhauseffekt erwärmt sich die Erde in katastrophaler Weise.“

Allein schon die in dieser Botschaft verwendeten Begriffe verdeutlichen den Adressatenkreis. Es werden Menschen angesprochen, deren Lebenssituation eine pessimistische Grundhaltung gestattet. Deren Zeitbudget ausreicht, sich nach der Erledigung alltäglicher und profaner Aufgaben über abstrakte Fragen Gedanken zu machen. Deren Ausbildung ihnen – mitunter durchaus zu recht – suggeriert, dies auch zu können. Von Naturwissenschaftlern ist hier nicht die Rede, denn die Zielgruppe soll das Credo nicht kritisieren, sondern aufnehmen und weitertragen.

Es sind vor allem Geisteswissenschaftler aller Fachrichtungen, auf die die Botschaft zielt. Dazu können neben Sozialwissenschaftlern, Pädagogen und Historikern auch Juristen und Ökonomen gezählt werden. Die Verknüpfung von Begriffen wie Anthropogen-Emission-Treibhauseffekt-Katastrophe in einem einfachen inhaltlichen Zusammenhang ist geeignet, bei diesem Personenkreis die Illusion zu erzeugen, ganz viel von Naturwissenschaft zu verstehen. Mehr jedenfalls als der Durchschnittsbürger. Damit will und kann man in seinem jeweiligen Beruf glänzen – ob als Wissenschaftler, als Lehrer, Politiker oder Journalist.

Die Folgen sind seit Jahrzehnten zu beobachten. Das Credo zu predigen ist ein einträgliches Geschäftsmodell geworden. Es beginnt beim Wissenschaftler, der eine Studie zu irgendeinem Thema mit der Klimakatastrophe verbindet, um Forschungsmittel besser einwerben zu können und endet beim Politiker, der Wähler ködert. Dazwischen liegen vom bücherschreibenden Umweltaktivisten bis zum Windmühlen- oder Solarzellenhersteller viele weitere Profiteure.

Es können zwar durchaus singuläre Ereignisse und einzelne Personen identifiziert werden, an denen man die Entstehung des Credos festmachen könnte. Seinen Ursprung kritisch zu hinterfragen, ist aber heute nicht mehr relevant. Die Botschaft hat sich rasant verbreitet und sich über die geschickte Wahl der Zielgruppe fest mit anderen ökologistischen Dogmen zu Themen wie Gentechnik oder Kernenergie verknüpft.

Fehlt von den oben genannten Kriterien für gute Propaganda nur noch eines: die Lüge. Was stimmt nicht an der Gleichsetzung von Treibhauseffekt und Klimakatastrophe?

Wenn anthropogene Kohlendioxid-Emissionen einen Treibhauseffekt erzeugen sollen, der zu einer katastrophalen Erderwärmung führt, scheint eine Gegenposition naheliegend, die den Treibhauseffekt zu negieren versucht. Das ist die Falle, in die allzu viele Skeptiker noch immer tappen. Denn die Naturwissenschaft kann hier einfach und fundiert kontern. Der Treibhauseffekt ist real, er folgt zwingend aus wenigen physikalischen Grundtatsachen wie dem Energieerhaltungssatz und den Eigenschaften der elektromagnetischen Strahlung. Beschrieben wurde dies hier bei Science Skeptical schon in einer ganzen Reihe von Beiträgen.

Wer auch immer den Treibhauseffekt in Frage stellt, um die Propaganda als solche zu entlarven, erreicht also das genaue Gegenteil. Denn leicht kann er eines Irrtums überführt und als „Leugner“ verunglimpft werden. Wer das Dogma mit unzureichenden und fehlerhaften Argumenten attackiert, stärkt es nur noch weiter. Unkundige und unentschlossene Zeitgenossen erkennen in der Schwäche einer Gegenposition leider allzu gerne einen Beleg für den Wahrheitsgehalt der in Rede stehenden Behauptung.

Was aber ist nun die Wahrheit, zu der die Propaganda den Zugang versperrt? Als Antwort möchte ich eine physikalische Definition des Treibhauseffektes formulieren: Der Treibhauseffekt erklärt die Beobachtungstatsache, daß die mittlere Temperatur der bodennahen Luftschichten höher ist als die effektive Strahlungstemperatur der Erde.

Das ist alles. Mehr steckt nicht dahinter. Man beachte: Weder kommen hier anthropogene Kohlendioxid-Emissionen vor, noch Begriffe wie „Erwärmung“ oder gar „Klimakatastrophe“. Zwischen dem Treibhauseffekt als natürlicher Gegebenheit und der Klimakatastrophe als politischer Dystopie gibt es keinen Zusammenhang. Wer das Gegenteil behauptet, engagiert sich für verdammt gute Propaganda. Wer das Gegenteil behauptet, lügt oder irrt umfassend und tiefgreifend.

Ausgehend von meiner Definition kann man den Treibhauseffekt phänomenologisch entschlüsseln. Die Konzentration an Treibhausgasen wie Kohlendioxid in der Atmosphäre spielt natürlich für seine Stärke eine Rolle. Der Zusammenhang ist aber nicht linear, wie die oft gehörte und gelesene Unterscheidung zwischen einem „natürlichem“ Treibhauseffekt und einem „anthropogenen“ suggeriert. Es gibt nur einen Treibhauseffekt und nicht etwa zwei, die sich überlagern oder gar addieren. Der Treibhauseffekt ist keine Energiequelle. Durch ihn wird die Energie in der Atmosphäre nur anders verteilt. Je mehr Kohlendioxid in der Atmosphäre bereits vorhanden ist, desto geringer sind die Effekte einer zusätzlichen Erhöhung der Konzentration.

Selbst wenn die Menschheit durch ihre Emissionen die Menge an Kohlendioxid gegenüber der vorindustriellen Zeit verdoppeln würde, wäre der Temperaturanstieg gering. Etwa ein Grad würde die zusätzliche Erwärmung im globalen Mittel ausmachen. Kaum spürbar, insbesondere vor dem Hintergrund der natürlichen Variabilität. Man beachte, wie groß die Temperaturschwankungen beispielsweise in unseren Breiten zwischen Sommer und Winter oder auch zwischen Tag und Nacht sind.

Das Credo „Durch den von anthropogenen Kohlendioxid-Emissionen erzeugten Treibhauseffekt erwärmt sich die Erde in katastrophaler Weise“ verschleiert in Wahrheit eine ganze Kette entscheidender und zwingend notwendiger Annahmen, die die Brücke vom Treibhauseffekt zur Klimakatastrophe stützen.

Da wäre beispielsweise die Idee, eine geringe zusätzliche durch das Kohlendioxid hervorgerufene Erwärmung könne, würde oder müsse zwingend zusätzliche Prozesse induzieren, die dann die Temperatur in relevante Höhen treiben. Der Treibhauseffekt ist ja bei weitem nicht der einzige Vorgang, der in unserer Atmosphäre abläuft und diese prägt. Hinter der Vorstellung einer kommenden Klimakatastrophe steckt also nichts anderes als die anmaßende Auffassung einiger Klimaforscher, alle diese Prozesse und ihre gegenseitige Wechselwirkung ausreichend verstanden zu haben, um zukünftige Entwicklungen vorhersagen zu können.

Das ist vergleichbar mit der Behauptung, man verfüge über ein umfassendes Modell der Ziehungsmaschine, das die Vorausberechnung der Lottozahlen gestatte. Oder zumindest den Nachweis ermögliche, bei Änderungen bestimmter Parameter (beispielsweise der Geschwindigkeit der Rotation oder der Größe der Kugeln) würden bestimmte Reihen (die „Extremwetterereignisse“) häufiger gezogen als andere.

In Bezug auf die Lottozahlen würde das zu Recht niemand glauben und den, der solches äußert, als Scharlatan wahrnehmen. In Bezug auf das weit komplexere Klimasystem aber akzeptieren fast alle Zeitgenossen die Ergebnisse der Klimamodellierer. Ohne sich zu schämen, ohne zu hinterfragen, ohne skeptisch zu werden. Verdammt gute Propaganda.

Ein weiterer Fehler der Apokalyptiker ist die Projektion hypothetischer klimatischer Veränderungen, die sich über viele Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte erstrecken, auf eine Gesellschaft, die sich von der heutigen nicht unterscheidet. Unsere zunehmende Resilienz gegen destruktive natürliche Einflüsse und unsere zunehmende Fähigkeit, Veränderungen zu unserem Vorteil zu nutzen, werden ausgeblendet. Zu einer Katastrophe gehören immer zwei. Im vorliegenden Fall das besonders schlechte Wetter und diejenigen, die es auch als besonders schlecht wahrnehmen. Die Behauptung, unsere Nachkommen wären in hundert Jahren von einer Erwärmung im niedrigen einstelligen Gradbereich betroffen, ist ignorant und beleidigend zugleich. Wer sich an dieser Propaganda beteiligt, entlarvt sich als Menschenfeind. Sich darüber nicht im Klaren zu sein entschuldigt nichts.

Der Katalog der Unklarheiten ist damit noch lange nicht vollständig beschrieben. So ist vielleicht die gegenwärtige politische Reaktion auf das Credo überhaupt nicht geeignet, hypothetische Zukunftsrisiken zu reduzieren oder gar zu vermeiden. Vielleicht richtet Klimaschutz mehr Schaden an, als ein Klimawandel es jemals könnte. Vielleicht verbessert ja der Klimawandel die Lebensumstände ganz vieler Menschen ganz erheblich.

Die Lüge in der Gleichsetzung von Treibhauseffekt und Klimakatastrophe besteht in einer unzulässigen Simplifizierung. Man kann und darf dem nicht mit anderen unzulässigen Vereinfachungen entgegentreten. Der Kampf gegen Propaganda wird nicht durch Gegenpropaganda gewonnen. Das eine Dogma durch ein anderes zu ersetzen, beinhaltet keinen Erkenntnisgewinn.

Der einzige Weg zur Überwindung von Propaganda führt über die Darstellung der von dieser in irreführender Weise reduzierten Komplexität. Das ist mühsam und langwierig, keine Frage. Aber gegen eine Lüge helfen keine Notlügen, sondern nur Wahrheiten. Und die Zeit arbeitet immer für letztere. Mit jedem Tag, an dem die Klimakatastrophe nicht eintritt, verliert das alarmistische Credo an Kraft und Glaubwürdigkeit.

Ja, wir sind noch immer für Propaganda empfänglich, wir sind noch immer manipulierbar und verführbar. Aber niemals für immer.

Beitrag erschien auch auf: science-skeptikal.de 

Sven von Storch

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