Durchbruch bei der Fusion_

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Durchbruch bei der Fusion_
Datum: 29.10.2014, 15:57

Obwohl für eine Bewertung mitentscheidend, werden zwei Aspekte im Zusammenhang mit der Energiewende nur selten diskutiert. Auf der einen Seite steht die prinzipielle Unfähigkeit der Politik, langfristig robuste Pläne zu gestalten. Dies ist weniger in der Länge von Legislaturperioden oder auch in mangelnder Sachkunde begründet, als in der Dynamik des technischen Fortschritts. Die Energiewende beispielsweise erzwingt den Zustand der Gegenwart als immerwährende Stasis anzusehen, den zu ändern es stetiger und massiver regulatorischer Eingriffe bedarf. Das Potential durch das Marktgeschehen selbst induzierter technischer Durchbrüche ist, da nicht planbar, zu ignorieren. Auf der anderen Seite steht die Idee, durch eine themenspezifische Ausweitung der institutionalisierten Forschung genau die Innovationen, die den Plan stützen, erzeugen und andere mit gegenteiliger Wirkung vermeiden zu können. Das Beharren auf diesem Konzept erstaunt angesichts des Mangels an bisherigen Erfolgen. Wie im Gegenteil marktorientierte Unternehmer immer den primär auf Erkenntnisgewinn ausgerichteten Hochschulwissenschaftlern davoneilen, zeigte der Wettlauf von Craig Venter mit dem Human Genome Projekt in eindrucksvoller Weise.

An genau diese Geschichte fühlte ich mich erinnert, als vor zwei Tagen eine aktuelle Pressemitteilung des amerikanischen Rüstungskonzerns Lockheed-Martin auf meinem Bildschirm erschien:

PALMDALE, Calif., Oct. 15, 2014 – The Lockheed Martin [NYSE: LMT] Skunk Works® team is working on a new compact fusion reactor (CFR) that can be developed and deployed in as little as ten years. Currently, there are several patents pending that cover their approach.

While fusion itself is not new, the Skunk Works has built on more than 60 years of fusion research and investment to develop an approach that offers a significant reduction in size compared to mainstream efforts.

“Our compact fusion concept combines several alternative magnetic confinement approaches, taking the best parts of each, and offers a 90 percent size reduction over previous concepts,” said Tom McGuire, compact fusion lead for the Skunk Works’ Revolutionary Technology Programs. “The smaller size will allow us to design, build and test the CFR in less than a year.”

After completing several of these design-build-test cycles, the team anticipates being able to produce a prototype in five years. As they gain confidence and progress technically with each experiment, they will also be searching for partners to help further the technology.

Es ist eben nicht der Tokamak aus Cadarache (ITER) und auch nicht der Stellarator aus Greifswald. Zum Ziel führt auch nicht der Ansatz der Wissenschaft, sich mit nicht weniger als einer bereits perfekten Lösung zu begnügen. Sondern die Frage eines hoch- und spitzentechnologieorientierten Unternehmens nach einem möglichst schnellen Markteintritt. Und weil man dort Flugzeuge entwickelt, war eben eine Energiequelle gefragt, die nicht größer und nicht schwerer als ein herkömmliches Triebwerk ist und es ohne Einbußen bei Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeit gestattet, zu geringeren Kosten für längere Zeiträume in der Luft zu bleiben. Die Dimensionen geben das Design vor und dieses definiert den technischen Lösungsweg. Natürlich kann anhand der spärlichen Informationen (Aviation Week berichtet hier und hier, Spiegel Online hier) dessen Validität nicht überprüft werden. Ich hatte auch schon im Jahr 2012 von diesem Vorhaben erstmals Kenntnis erlangt und es damals nicht wirklich ernst genommen. Aber das nun eine börsennotierte, große Firma in dieser Form an die Öffentlichkeit geht, weckt Hoffnungen auf Seriosität und Erfolgsaussichten.

Sollte das System im Jahr 2020 tatsächlich als Prototyp erfolgreich demonstriert werden, stünde einer schnellen Marktreife nicht mehr viel im Wege. Die Energiewende wäre obsolet. Wie überhaupt fast alles, was man im Moment in Bezug auf Energie diskutiert. Vielleicht stellen wir dann fest, nur über die beste Takelage gestritten zu haben, während das Dampfschiff schon die ersten Probefahrten durchführt. Innovationen entstehen nicht als Optimierung des Bestehenden zur Lösung erfundener Probleme. Sondern als etwas bislang Unbekanntes zur Eröffnung neuer Möglichkeiten.

Beitrag erschien auch auf: science-skeptical.de

Sven von Storch

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