Der Powerwall_ Geht es Tesla wirklich so schlecht_
Der Powerwall_ Geht es Tesla wirklich so schlecht_
Datum: 06.05.2015, 16:10
Am 30.04.2015 stellte Elon Musk persönlich der Presse in Apple-Manier eine Neuheit vor. Die die Energiebranche in den kommenden Jahren revolutionieren werde. Von der „Unabhängigkeit von fossilen Rohstoffen“ sprach Musk dabei ebenso, wie von einem Durchbruch für die Photovoltaik. Ein neuer globaler, viele Milliarden Dollar schwerer Markt täte sich auf.
Wer nun mindestens einen Flüssigsalz-, wenn nicht gar einen Fusionsreaktor erwartet, wird leider enttäuscht. Elon Musk hat nicht mehr zu bieten, als einen „Powerwall“ genannten Lithium-Ionen-Akkumulator. Der eben Überschüsse aus einer heimischen Solaranlage speichern und in sonnenlosen Zeiten wieder abgeben soll.
Innovativ ist das nicht. Produkte dieser Art gibt es schon seit Jahren auf dem Markt, auch von deutschen Herstellern. Die Leistungsdaten der Powerwall entsprechen dem derzeitigen Standard solcher Geräte. Sicher ist das Design sehr gelungen und vergleichsweise modern gegenüber den oft schlichten und lediglich farblich aufgefrischten Schaltschränken der Mitbewerber. Aber rechtfertigt dies in Verbindung mit einem Kampfpreis den Muskschen Optimismus?
Für 3.500 Dollar oder umgerechnet 3.130 Euro bietet uns Elon Musk eine Speicherkapazität von 10 kWh. Immerhin liegt er damit um einen Faktor zwei unter der hiesigen Konkurrenz. Wobei man natürlich noch nicht sagen kann, ob dieser Preis auch für den europäischen respektive deutschen Markt so Bestand haben wird. Zehn Kilowattstunden – das ist knapp der Energiegehalt von einem Liter Benzin für 1,4 Euro. Sieht so die „postfossile“ Zukunft aus? Zehn Kilowattstunden – die kosten mich bei meinem Versorger momentan etwa 2,6 Euro. Sollte ich daher die Unabhängigkeit vom Netz anstreben? Zumal eine Batterie eben keine Energie produziert, sondern nur speichert. Füllen muß man sie immer noch selbst. Die Kosten für die Photovoltaik-Anlage, für weitere notwendige elektrische Komponenten und für die Arbeitsleistung der installierenden Fachbetriebe kämen in jedem Fall dazu. Zehn Kilowattstunden würden den deutschen Durchschnittsverbraucher dann vielleicht durch einen Tag bringen – meine Familie und mich nicht einmal das. Die Idee von “Autarkie” ist ohnehin unverständlich. Spezialisierung und Arbeitsteilung erzeugen Mehrwerte, nicht Selbstversorgung. Meine Kleidung stelle ich schließlich auch nicht selbst her und ebensowenig den Computer, auf dem ich gerade schreibe. Was habe ich davon, den Strom für seinen Betrieb selbst zu produzieren, außer hohen Kosten für die Anschaffung und die Wartung entsprechender Anlagen?
Man kann mit einer Batterie natürlich alternativ auch billigen Strom aus dem Netz bunkern, wenn denn der Versorger einen Tarif mit zeitlich variablen Strompreisen anbietet. Angenommen, der Powerwall hätte Standardqualität und schaffe daher 2.000 volle Zyklen, bis er durch unerwünschte aber unvermeidbare chemische Reaktionen verschleißt. Dann könnte ich 20.000 kWh teure elektrische Energie durch preiswerte ersetzen. Damit sich dies rechnet, wäre eine Differenz von 20 bis 25 Cent pro Kilowattstunde erforderlich. Kaum vorstellbar.
Nein, der Powerwall bietet mir keinen Nutzen, der über den bereits erhältlicher Produkte hinausgeht. Und auch die Wirtschaftlichkeit ist für einen privaten Kunden nicht gegeben. Das Grundproblem einer photovoltaischen Selbstversorgung, die sich nur durch Subventionen nach vielen Jahren rentiert, bleibt bestehen. Ob Tesla seine Autobatterien für den stationären Einsatz in ein schickes Gehäuse verpflanzt oder nicht.
Man kann viele Dinge über Elon Musk sagen. Dummheit gehört allerdings nicht zu den Eigenschaften, die man ihm zuweisen sollte. Er weiß das oben beschriebene bestimmt ganz genau. In den vergangenen Jahren hat er vor allem gelernt, daß man mit Batteriefahrzeugen keine Gewinne erzielen kann. Vielleicht hat sich dies nun auch bei seinen Geldgebern herumgesprochen. Und in den USA funktioniert die Suche nach und das Halten von Investoren etwas anders, als bei uns in Deutschland. Während hier Risikokapitalgeber in der Regel erst einsteigen, wenn ein Produkt die Belastbarkeit eines Geschäftsplanes nachgewiesen hat, genügt jenseits des Atlantiks oft schon das nachdrückliche Wecken von Hoffnungen.
Die unkritische und unreflektierte Berichterstattung vieler nationaler und internationaler Massenmedien über Energietechnologien gehört zu den Merkwürdigkeiten dieser Zeit. Wer auch immer seine PR-Strategie mit Visionen einer „postfossilnuklearen“ Zukunft schmückt, hat gute Chancen auf positive Schlagzeilen. Genau darauf hat Elon Musk gesetzt. So beruhigt er seine Investoren und hält sie bei der Stange. Zumal ihm diese viel Geld für eine neue Batteriefabrik geliehen haben, die allein mit Fahrzeugbatterien vielleicht nicht auszulasten ist.
Wer aber einem Versprechen auf höhere Umsätze folgt, macht damit noch lange keinen Gewinn. Manch ein Branchenkenner munkelt schon, 3.500 Dollar wären derzeit kein Verkaufspreis, der die Produktionskosten einer solchen Batterie wieder einspielt. Nur bei sehr großen Stückzahlen könnten Skaleneffekte die Herstellung unter diesen Wert drücken.
Elon Musk ist ein Visionär, keine Frage. Aber er ist auch ein Spieler. Wenn er sich gezwungen sieht, mit dem Powerwall eine solch riskante Wette auf die Zukunft einzugehen und wenn er hofft, die Risiken hinter einer guten PR-Strategie verstecken zu können, dann ist das ein Alarmsignal.
Zehn Jahre Gewährleistung verspricht Tesla Motors für den Powerwall. Am Kauf Interessierte sollten sich nicht allzu sehr darauf verlassen, daß es die Firma in zehn Jahren noch gibt.
Beitrag erschien auch auf: science-skeptikal.de
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