Die Natur des wirtschaftlichen Wachstums
Die Natur des wirtschaftlichen Wachstums
Datum: 22.02.2021, 17:13
So mancher Leserbrief rückt etwas gerade, gibt Anstöße, regt zum Nachdenken an, ist stets eine notwendige oder zumindest wertvolle Ergänzung dessen, was Redaktionen ihrem Publikum liefern. In so einem Brief*) war jüngst dies zu lesen: „Ich halte mich für einen normalen Staatsbürger, aber ich bin von der auch hierzulande gepflegten Vorstellung befremdet, dass ein Wirtschaftsleben nur zufriedenstelle, wenn es stets wächst, dass ein niedriges Wachstum oder gar ein Schrumpfen so viel wie ein Absinken in Armut sei. Wo bleibt da die Logik? Sind wir wie Kinder, die krank sind, wenn sie nicht wachsen? Warum müssen wir immer nur mehr verbrauchen – auch mehr von unseren nur beschränkt zur Verfügung stehenden natürlichen Ressourcen? Die Parole des immer Mehr und Mehr ist Ungeist.“
Fragen über Fragen
Ja, warum Wachstum? Muss das sein? Geht’s nicht auch ohne. Können sich die Unternehmen und die Menschen nicht mit dem zufrieden geben, was sie schon erreicht haben? Können die Staaten und ihre politischen Führungen nicht wenigstens die Finger davon lassen, ihrer Wirtschaft (mit Programmen und schuldenfinanzierten Subventionen) immer wieder künstliche Wachstumsstöße zu verpassen, statt dies der natürlichen, der staatlich unbeeinflussten Entwicklung zu überlassen, also den Menschen allein oder, wie der Ökonom sagt, den freien Marktkräften? Genügt es nicht, die Wirtschaft ungestört und still vor sich hin arbeiten zu lassen, woraus sich ohnehin Wachstum ergibt? Doch für Politik, Unternehmen, Finanzwelt ist wirtschaftliches Wachstum gleichsam ein Fetisch mit übernatürlichen Eigenschaften, mit magischen Kräften. Sie verehren und beten es an wie ein Götzenbild, tragen es vor sich her wie eine Monstranz. Mit Wachstum läuft der Laden. Schwächelt es, ist das Verlangen nach staatlichem Anstoß schnell zur Hand.
Die Geburtsstunde der Umweltbewegung
Der eine und andere wird sich an den Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ von 1972 erinnern (hier), ein Auftragswerk des 1968 gegründeten Club of Rome (hier). Der Bericht gilt als die Geburtsstunde der modernen Umweltbewegung.**) Er hat die umweltpolitischen Debatten angestoßen und prägt sie bis heute. Seine Warnungen waren alles andere als abwegig und haben das Bewusstsein für den Schutz der Lebensgrundlagen geweckt oder, soweit schon vorhanden, zusätzlich legitimiert. Daraus entstanden ist die Bewegung der „Grünen“, die jedenfalls in Deutschland zu einer bestimmenden politischen Kraft geworden ist, inzwischen aber sehr stark sozialistische und totalitäre Ziele verfolgt.
Die Instrumentalisierung des Umweltschutzes und ihr ideologischer Rigorismus mit totalitären Ambitionen
Auch die Politiker anderer Parteien haben den Umwelt-, Klima- und Gesundheitsschutz als Instrument schätzen gelernt. Mittels Angstmache konnten sie Gesetze ohne mehrheitlichen Widerstand durchdrücken, zusätzliche Institutionen schaffen und Posten an Gleichgesinnte verteilen, die Bürokratie aufblähen, auf diese Weise ihre Macht ausweiten und den Bürgern Freiheiten rauben. Und treiben dies munter weiter. Zugleich hat sich seit 1972 ein ideologischer Rigorismus mit totalitären Ambitionen entwickelt sowie das Geschäft mit der Katastrophe, mit der professionelle Apokalypse-Prophetie und mit Weltrettungsprogrammen (siehe die kurze Beschreibung hier).
Aber ganz ohne Wirtschaftswachstum geht es offenbar nicht
Der Bericht des Club of Rome ist jetzt fast fünfzig Jahre her. In einer Nachbetrachtung von heute heißt es: „Seitdem hat sich die Weltbevölkerung verdoppelt und der globale Konsum verzehnfacht. Selbst umweltbewegte Ökonomen halten Nullwachstum und freiwillige Selbstbeschränkung inzwischen nicht mehr für sinnvoll und plädieren stattdessen für grünes, nachhaltiges Wachstum.“ (Quelle hier). Aber was immer man unter „grün“ und „nachhaltig“ verstehen mag, ganz ohne wirtschaftliches Wachstum geht es offenbar nicht. Warum ist das so? Bitte hier weiterlesen
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