Die Braunkohle im Boden lassen

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Die Braunkohle im Boden lassen
Datum: 28.10.2018, 19:59

Kohle ja oder nein? Zwei Gruppen bekämpfen sich. Die eine Gruppe sind fanatische und gesetzbrechende Umweltschützer. Sie hat zu einem Symbol für ihren Kampf den Hambacher Forst gemacht. Und zu einem energiepolitischen Brennpunkt. Sie will die Stromerzeugung durch das Verbrennen von Kohle beenden, die CO2-Emission verhindern, auf diese Weise das Klima schützen, also auch den Abbau von Braunkohle im Hambacher Revier stoppen. Dieser Forst ist ihre Waffe.

Die andere Gruppe sind die Braunkohle-Beschäftigten mit ihrer Gewerkschaft sowie das Unternehmen RWE. Der Forst steht ihnen im Weg. Er ist ohnehin nur noch ein kläglicher Rest. Mit einer Großkundgebung hat sich nun auch diese zweite Gruppe aufgerafft, in die Öffentlichkeit zu gehen, darunter auch Ar­bei­ter aus Stahl- und Alu­mi­ni­um­wer­ken so­wie An­ge­stell­te gro­ßer Che­mie­un­ter­neh­men. Mit dabei waren die Ge­werk­schaf­ten Berg­bau, Che­mie, En­er­gie und Ver­di (FAZ vom 25. Oktober 2018, Seite 4 und 19).

Eine dritte Gruppe sind die Bürger. Sie steht teils auf Seiten der ersten Gruppe, teils auf Seiten der zweiten, ist also gespalten. Aber eines haben ihre Mitglieder gemeinsam: Sie fühlen sich als Opfer – entweder als Umweltgeschädigte (schon wieder wird ein Waldstück niedergehauen) oder als geschädigte Stromverbraucher, weil ohne Braunkohle die Versorgung mit Strom deutlich weniger verlässlich und kostengünstig ist und Kernkraft die Braunkohle in Deutschland nicht mehr ersetzen darf.

Die Menschen, die wegen der Braunkohle ihre Heimat verlieren, stehen allein

So gut wie gar nicht jedoch macht eine vierte Gruppe von sich reden. Auch die Medien nehmen sie kaum in den Blick, jedenfalls nicht überregional. Sie scheint vergessen. Man setzt sich über sie hinweg. Es sind die vielen zigtausend Menschen, die der Braunkohletagebau unerbittlich mit gesetzlichem Zwang aus ihrer Heimat vertreibt, ihre Wohnhäuser zerstört, ihre Gärten, Parks, Kirchen, alles andere Liebgewordene, Unwiederbringliche vernichtet und sie woanders hin umsiedelt. Hat man je vernommen, dass  s i e   demonstriert und protestiert hat? Dass sich jemand für  s i e  einsetzt? Widerstandslos, als habe es ja doch keinen Zweck, scheint sie ihr Schicksal ergeben hinzunehmen. Für sie aufzustehen, für sie zur Demo aufzurufen und sich gegen deren Schicksal aufzulehnen, wäre, um den Braunkohletagebau in Deutschland endlich zu beenden, verständlicher und sinnvoller. Bitte hier weiterlesen

Sven von Storch

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