Die Angst vor zuviel Freiheit
Die Angst vor zuviel Freiheit
Datum: 14.01.2010, 19:28
Sie haben einfach zuviel Angst vor dem Risiko solcher Reformen. Das ist jene Angst, die der Feind der Freiheit ist. Vor zu viel Freiheit scheinen die Deutschen ohnehin Angst zu haben, denn sonst müssten sie sich für wirkliche Reformen gewinnen lassen, die mehr Freiheit bescheren würden. Aber Reformversuche, die wieder mehr Freiheit bringen sollen, machen ihnen stets sofort Angst. Prompt werden sie angegriffen, zerpflückt, über Ausschüsse, Gutachten oder Kommissionen aufs Abstellgleis geschoben, verwässert, blockiert. Deshalb wird (und will) die neue Koalition im Bund nichts zustandebringen, was den Namen Reform wirklich verdient – aus Angst vor der Angst ihrer Bürger.
Die Sehnsucht nach Sicherheit
Der Angst entspringt die Sehnsucht nach Sicherheit. Das nutzen politische Führer und Parteien zum Wählerfang. Denn viele und zu viele Menschen suchen für ihre Sicherheit nicht Selbstverantwortung, Selbsthilfe und Selbstvorsorge, sondern allumfassende Behütung durch den Staat. Mit Eingriffen in Wettbewerb und Marktgeschehen, mit immer mehr Gesetzen, immer mehr staatlicher Regulierung, immer mehr Überwachung und Kontrolle trotz aller schönen Datenschutzbekundungen wird sie ihnen beschert. Mehr Staat bedeutet weniger Freiheit. Das gilt auch für den Schutz vor Gefahren wie Krankheit, Altersarmut und Arbeitslosigkeit. Vor die Wahl gestellt, mehr Sicherheit oder mehr Freiheit zu wollen, entscheiden sich die meisten für mehr Sicherheit. Und suchen sie beim Staat. Davon, dass die Menschen Angst haben und für alles Sicherheit wollen, lebt die Politik.
Daher machen ihnen Politiker Hoffnungen, selbst wenn es absehbar falsche Hoffnungen sind. Paart sich die Sehnsucht nach Sicherheit mit Neid und Mißgunst, bietet die Politik auch dafür etwas an, nämlich immer mehr Gleichheit und Gleichmacherei. Damit zerstört sie die Leistungsanreize, sich aus der Masse hervorzuheben. Wenn sich Leistung nicht mehr lohnt, verkümmert sie, bleibt sie aus. Das hat Folgen - für die Wirtschaft, für die Gesellschaft. Nachteilige Folgen.
Wieviel Unsicherheit ist der Mensch bereit hinzunehmen, um sich die Freiheiten zu bewahren, die er braucht? Wie die Menschen darauf antworten, beleuchtet auch ihr Staatsverständnis und ihr Verhältnis zum Staat.
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