Der vorgebliche Spionageballon

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Der vorgebliche Spionageballon
Datum: 09.02.2023, 11:35

Da taucht also ein weißer Ballon auf. Ziemlich groß. Also deutlich mit bloßem Auge von jedermann zu erkennen, er muss nur hochschauen. Kommen kann der Ballon von überall her. Der Luftraum ist groß, Länder gibt es viele. Gesagt wird uns, der Ballon komme von China, und es sei ein Spionageballon. Natürlich, was denn sonst – wird also sofort geglaubt. So vernehmen wir es aus den USA, so übernehmen es die einschlägigen Medien. Zeitungen wie die FAZ fügen journalistisch korrekt noch hinzu, dass es ein  „mutmaßlicher“ chinesischer Spionageballon sei. Andere Blätter – ich kann nicht alle lesen – vielleicht ebenfalls.

Aber China hat seine Eigentümereigenschaft dann doch schnell eingeräumt, jedenfalls indirekt: Am 8. Februar (Mittwoch) forderte ein chinesischer Diplomat erstmals öffentlich, die Vereinigten Staaten müssten die Trümmerteile zurückgeben. Auch teilte eine Sprecherin des chinesischen  Außenministeriums (laut FAZ vom 9. Februar.2023, Seite 5) mit: „Wir wollen betonen, dass es der Verbesserung des gegenseitigen Vertrauens und der Beziehungen zwischen China und den Vereinigten Staaten nicht förderlich ist, immer wieder die Bedrohung durch China zu übertreiben. Das wird die Vereinigten Staaten auch nicht sicherer machen.“

Nur Wetterbeobachtung oder Auskundschaften amerikanischer Raketenstellungen?

Die chinesische Version, der Ballon diene der Wetter-Erkundung, ist nicht gerade abwegig und eher glaubwürdig als die amerikanische Version, er diene der Spionage amerikanischer Interkontinental-Raketen-Stellungen. Denn diese Stellungen wird China längst aus dem All erkundet haben, also bereits kennen. Doch die Washington Post vom 8. Februar berichtet unter Berufung auf amerikanische Nachrichtendienste, Ballons dieser Art hätten seit Jahren Informationen über militärische Einrichtungen in Ländern und Gebieten gesammelt, die für Peking von strategischem Interesse seien. Dazu zählten etwa Japan, Indien, Vietnam, Taiwan und die Philippinen, und bisher seien chinesische Ballons über fünf Kontinenten gesichtet worden (FAZ a.a.O.). Daher stellt sich die Frage, warum die Berichterstattung zumindest westlicher Medien sang- und klanglos über alle diese Spionage-Schandtaten hinweggegangen ist. Oder kann sich an Gegenteiliges jemand erinnern? Aber seltsam, seltsam: Dieser eine Ballon wird nun – man gestatte das Wortspiel – gleichsam zusätzlich  aufgeblasen zu einer hochgefährlichen Bedrohung.  Bitte hier weiterlesen

Sven von Storch

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