Amerikanische Geldhäuser bauen vor

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Amerikanische Geldhäuser bauen vor
Datum: 26.02.2010, 16:05

Wer hier Bargeld von seinem Konto holen will, muss das künftig vorher schriftlich anmelden und dann eine Woche auf die Auszahlung warten. Damit soll ein Sturm auf die Banken möglichst abgeblockt sowie verhindert werden, dass die Banken nicht in der Lage sind, Kundeneinlagen auszuzahlen. Doch die Zweifel an der Stabilität des amerikanischen Finanzsystems werden zugleich verstärkt.

Ein Hinweis der Citigroup weckt Aufmerksamkeit

Öffentliche Aufmerksamkeit bekam diese Einschränkung jetzt durch die amerikanische Bankgesellschaft Citigroup Inc. Auf den Kontoauszügen weist sie ihre Kunden wie folgt darauf hin: “Vom 1. April 2010 an behalten wir uns eine Frist von sieben (7) Tagen vor, bevor wir Abhebungen von einem Girokonto zulassen. Derzeit machen wir zwar von dem Recht keinen Gebrauch und haben es auch in der Vergangenheit nicht angewendet, sind aber per Gesetz dazu verpflichtet, Sie über diese Änderung zu informieren.” Ein Gesetz der Notenbank Federal Reserve schreibe der Bank nun vor, sich das Recht auf siebentägige Sperrfristen vorzubehalten. Die teilverstaatlichte Citigroup Inc. ist eine der größten Bankgesellschaften in den Vereinigten Staaten

Auch kleinere Barabhebungen betroffen

Der Online-Finanzinformationsdienst MMNews schrieb am 24. Februar: „Damit will die Bank dem Vernehmen nach unkontrollierte Barabhebungen verhindern, welche das Geldsystem und viele Banken im Herbst 2008 fast in den Kollaps getrieben haben.“ Diese Maßnahme betreffe nicht nur große Summen, auch kleinere Barbeträge gebe es nur noch, wenn man das “Abhebeformular” rechtzeitig vorher ausgefüllt habe. Nach MMNews-Angaben wird die Maßnahme von allen Geldhäusern angewendet, die mit dem amerikanischen Einlagensicherungsfonds FDIC zu tun haben. Demgemäß müssten demnächst alle betroffenen Institute ihre Kunden auf  mögliche Einschränkungen bei Barabhebungen hinweisen. In Amerika rechnet man offenkundig mit dem Schlimmsten – immer noch oder schon wieder

Verhindern lässt sich ein bank run so nicht

Durchaus möglich, dass Angst vor der Einschränkung den Run noch vor dem 1. April geradezu auslöst und dass auch nach diesem Datum das Geld abgehoben wird – nur, dass man dann auf sein Geld eine Woche warten muss. Verhindern lässt sich ein Sturm auf die Banken so ohnehin nicht; der kann auch mit der Wartefrist losbrechen. Angenommen, an einem Tag nach dem 1. April schreiben alle Kunden ihrer Bank, sie wollten alles Geld abheben. Dann müsste die Bank das Geld eine Woche später auf einen Schlag aushändigen. Wird sie das wirklich können? Bange Frage, ob und wann auch die Banken in Deutschland ihren Kunden eine Wartefrist aufzwingen (müssen); um Bargeld heranzuschaffen.

„FDIC auf einen Bankensturm nicht vorbereitet“

Die Citigroup begründet ihren vorsorglichen Hinweis damit, dass sie 2009 durch den amerikanischen Einlagensicherungsfonds Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC) unbegrenzten Schutz für die Kundengelder erhalten habe und jetzt im Jahr 2010 wieder zum gewöhnlichen (also geringeren) Einlagenschutz zurückgekehrt sei. In der Financial Times Deutschland (FTD-Online vom 25. Februar) las man dazu: „Auf einen Bankensturm wäre der FDIC nicht vorbereitet. Der Fonds, mit dem Kundeneinlagen bis zu einer bestimmten Summe besichert werden, hatte Ende 2009 ein Volumen von rund 66 Milliarden Dollar. Die US-Banken hatten zu diesem Zeitpunkt jedoch insgesamt Einlagen von 7700 Milliarden Dollar.”

Andererseits stellt sich die Frage, warum sich die amerikanischen Banken vor schlagartigen Bargeldabhebungen so schrecklich fürchten sollen, da doch bekannt ist, dass die Amerikaner fast alles nicht mit Bargeld, sondern mit Kreditkarten bezahlen. Wofür also sollten sie, wenn sie ihren Banken nicht mehr trauen, plötzlich Bargeld haben wollen, wenn sie es doch eigentlich gar nicht brauchen?

702 amerikanische Banken auf der FDIC-Problemliste

Der Einlagensicherungsfonds ist eine Behörde der amerikanischen Bundesregierung. Er wurde 1933 gegründet als Reaktion auf die Tausende Bankzusammenbrüche in der Krise der 1920er und frühen 1930er Jahre. In seinem jüngsten Quartalsbericht zeichnet er ein düsteres Bild, vor allem für die amerikanischen Regionalbanken. Jede elfte der dem Fonds angehörenden Banken werde die Finanz- und Wirtschaftskrise nicht überstehen. Die vom Fonds geführte Problemliste enthält 702 gefährdete Banken (Stand Ende Dezember 2009). Das ist ein Viertel mehr als im dritten Quartal 2009. Im vierten Quartal hat der Fonds 54 Geldinstitute schließen müssen. Im Gesamtjahr 2009 sind es 140 Banken gewesen, im laufenden Jahr schon 20.

Sven von Storch

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