Was macht die bundesdeutsche Politik mit der Wissenschaft_ Der Fall um Stickstoffdioxid und Feinstaub!

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Was macht die bundesdeutsche Politik mit der Wissenschaft_ Der Fall um Stickstoffdioxid und Feinstaub!
Datum: 31.01.2019, 21:42

Mehr als 100 Lungenfachärzte um den renommierten Pneumologen Prof. Dr. D. Köhler haben in einer Stellungnahme die Grenzwerte für Feinstaub und Stickstoffdioxid kritisiert. In dieser Kritik werden Daten der WHO, der EU und des Umweltbundesamtes, die zusammengefasst aussagen, daß durch NOx 6.000- 13.000 durch Feinstaub 60.000- 80.000 Sterbefälle /Jahr in Deutschland entstehen, selbst kritisiert. Wesentlich ist an den Aussagen der Pneumologen ist, daß Regionen verschiedener NOx /Feinstaub- Belastung verglichen werden, dabei wenige Prozent Unterschiede im Krankheitsverhalten ermittelt werden, aber tatsächlich stärker beeinflussende Faktoren wie Rauchen Alkohol, körperliche Bewegung die Ergebnisse beeinflussen und nicht angemessen herausgerechnet wurden. Die Studien, die die Gefährlichkeit von Feinstaub und NOx belegen sollen, tun dies nach Einschätzung der Pneumologen eben nicht. Im Anschluss an die Stellungnahme der Pneumologen ist auf Tagesschau 24 am 28.1. 2019 eine Unterzeile: „ Diesel: Regierung will Gefahr von Abgasen wissenschaftlich klären lassen.“ Nachdem Fahrverbote aufgrund von NOx –Grenzwertüberschreitungen mittlerweile verkündet wurden, will die Bundesregierung die Gefahr von Dieselabgasen endlich klären lassen. Das ist nur noch skurril! Und weil der Initiator der Kritik an den Grenzwerten, Prof. Dr. Köhler die Politik der Bundesregierung kritisiert hat, wird er jetzt in perfider Weise diffamiert. T-online zitiert ihn als Dr. Köhler, tatsächlich ist er habilitierter Professor. Welt online berichtet über die durch ihn initiierte Stellungnahme, ohne einen Link dazu bereitzustellen. Die Journalistin Anne Will versucht die Stellungnahme zu diskreditieren, indem die Interessegebundenheit eines der Unterzeichner betont wird. All diese Methoden kann man unter dem Kapitel „Herabsetzung der Glaubwürdigkeit der Quelle nachlesen (W. Früh, 2017, Inhaltanalyse, S. 240, Konstanz und München). Dies gilt auch für einen Grünen Bundestagsabgeordneten, der von ein paar verwirrten Lungenärzten auf Reichsbürgerniveau“ fabulierte. Der Leiter der Arbeitsgruppe „Experimentelle Umweltmedizin“ der Ludwig-Maximilian Universität München, Priv.-Doz. Dr. R. Jörres, Fachmann auf dem Gebiet, pflichtete in einem offenen Brief bezüglich NO2 der Stellungnahme der Pneumologen bei, im Fall von Feinstaub nicht. Die Argumentation des Umweltbundesamtes zu NO2- Grenzwerten sei irreführend und der politische Einfluss auf die Grenzwertfestsetzung mit Händen zu greifen. Weiter Jörres, die öffentliche Diskussion zu NO2 entbehre jeder wissenschaftlichen Grundlage, mit NO2 treffe man den Verbrennungsmotor, um diesen zu eliminieren. Die regierungskritischen Stellungnahmen treffen die Regierungspolitik im Kern. Da hat man das Umweltbundesamt (nicht Bundesgesundheitsamt) zu weitgehenden Aussagen zu NO2 gebracht. Und jetzt weisen tatsächlich kompetente Mediziner und nicht Umweltwissenschaftler auf die medizinischen Unterstellungen hin, die das Umweltbundesamt veröffentlicht hat. Wichtig ist auch, daß im etablierten Diskurs von öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Printmedien wie SZ, FAZ oder Spiegel keine inhaltliche Diskussion geführt wird, den NO2 Grenzwert und die Kritik an ihm wissenschaftlich einordnen. Die dort beheimateten Wissenschaftsjournalisten dürften wissen, daß der NO2 Grenzwert von 40 µg/m3 so irrational ist, daß er einem Diskurs nicht standhält, jedenfalls dann nicht, wenn kompetente Wissenschaftler diesen führen würden. Das dahinter liegende Problem für die Wissenschaften ist, daß mit der Neuorganisation der Universitäten (Bologna Prozess) die Bedeutung von Drittmitteln für die Forschung gestiegen ist. Und zusätzlich werden größere Geldsummen für die Forschung direkt von der Politik verteilt, nicht nach Sachargumenten durch die jeweilige Forschungsgemeinschaft eines Wissenschaftsgebietes. Und so ist es kein Wunder, daß Widerstand gegen wissenschaftliche Unterwerfung unter politische Machtkonstellationen vor allen von älteren Wissenschaftlern kommt, wie von Prof. Dr. Köhler, die in einem anderen Wissenschaftssystem aufgewachsen sind und aktuell nicht darauf angewiesen sind, durch Opportunismus gegenüber der politischen Macht Forschungsgelder einzutreiben.

Sven von Storch

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