Warum ist der Milchpreis aktuell so niedrig_
Warum ist der Milchpreis aktuell so niedrig_
Datum: 23.05.2016, 11:18
Die Situation ist nicht neu, es gab diese schon einmal 2008. Damals organisierten Interessenorganisationen der Bauern wie der Bund Deutscher Milchviehhalter (BDM) und die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) den großen bundesweiten Milchstreik.
Ursache war damals eine verhältnismäßig geringe Erhöhung der Milchquote von rund 2 %, also eine geringe Ausweitung des Angebotes in der EU.
Die Abschaffung der Milchquote 2015 hat nun zu einer beträchtlichen Ausweitung der Milchproduktion geführt mit der Folge eines vorhersehbaren, dramatischen Preisverfalls. Während die eine Gruppe der Agrarpolitiker über die vorhersehbare Situation jammert, sind andere, wie der jetzige Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt (CSU, der vielleicht fachlich noch etwas inkompetenter ist, als seine Vorgänger) der Auffassung, der Markt werde es schon richten. Minister Schmidt vergisst dabei nur, daß die Ausweitung der Milchproduktion nach Quotenende mit hohen Subventionen gefördert wurde und wird.
Die Aufstockung der Kuhbestände in den einzelnen Betrieben, beispielsweise von 50 auf 100, von 100 auf 200 oder von 500 auf 1000 wurde und wird durch staatliche Subventionen auf die Investitionen von bis zu 30% gefördert. Politisches Ziel war und ist dabei die Industrialisierung der Milchviehhaltung und die Zurückdrängung bäuerlicher Landwirtschaft. Und das wird dann von Politikern als Marktgeschehen ausgegeben.
Nun hat die Industrialisierung der Milchviehhaltung eine Reihe von Konsequenzen.
Die Zucht der Milchkühe hat zu einer einseitigen Rasse Holstein- Friesian geführt, bei der die männlichen Kälber fast keinen Wert mehr besitzen. In den großen „modernen“ Ställen stehen die Kühe auf Teilspaltenböden und haben deswegen zu mehr als 50% gravierende Klauenprobleme. Die Tiere kommen das ganze Jahr nicht aus dem Stall, nicht mehr auf die Weide. Hier entwickelt sich eine neue Art von Tierquälerei, auch daran abzulesen, daß die Kühe im Schnitt weniger als 6 Jahre alt werden, wogegen das Lebensalter unter anderen Haltungsbedingungen durchaus 15 Jahre und mehr betragen kann.
Minister Schmidt und die hinter ihm stehende Agrarlobby des Deutschen Bauernverbandes haben sich jedoch etwas verrechnet.
Sie sind der Auffassung, daß die niedrigen Milchpreise zuerst die bäuerlichen Betriebe wegfegen würden, wogegen die industriellen Betriebe überleben würden. Tatsächlich benötigen aber langfristig auch die großen, industriellen Betriebe höhere Milchpreise aufgrund der höheren Kosten. Ein Hauptkostenpunkt sind die Kosten für Zukauffutter. Eine Reihe von gut geführten bäuerlichen Betrieben, die einen Großteil der Milch aus dem hofeigenen Grundfutter erzeugen, ist dabei in einer Übergangszeit im Kostenvorteil. Die Wachstumsbetriebe, die Kredite für die Herdenerweiterung aufgenommen haben, und die hohe Kosten an Zukauffutter haben, sind auf einen raschen Anstieg des Milchpreises besonders angewiesen. Insofern sind Berichte dazu in den Wochenendausgaben der Welt und Süddeutscher Zeitung irreführend.
Die Europäische Agrarpolitik in diesem Bereich kann dazu führen, daß große Teile der Milchproduktion in der EU in der nächsten Zeit abgewickelt werden.
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