Ein etwas anderer Blick auf Trumps Sieg bei den US- Präsidentschaftswahlen

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Ein etwas anderer Blick auf Trumps Sieg bei den US- Präsidentschaftswahlen
Datum: 11.11.2016, 21:24

Die ach so gut informierten Deutschen Medien hatten vor Beginn der US- Vorwahlen vorausgesagt, daß es zu einem Duell Zwischen Hillary Clinton und Jeb Bush um die Präsidentschaft kommen würde. Vorwahlen und Präsidentschaftswahlen haben gezeigt, daß die so gut informierten Medien, von SZ, über FAZ oder Spiegel bis zu ARD und ZDF mit ihren so professionellen Journalisten von Anfang bei den Vorwahlen und die Präsidentschaftswahlen vollständig falsch lagen, oder anders ausgedrückt, sie hatten ihr Wunschdenken zur Information für den deutschen Zuschauer, Leser oder Zuhörer gemacht.

Von Selbstkritik danach keine Rede, das Trump- Bashing mit einer Überlegenheitsattitude bei Journalisten und etablierten Politikern geht munter weiter. Die nicht gerechtfertigte Arroganz der deutschen Medien nach der US- Wahl hat auch die „Nachdenken“- Seite von Albrecht Müller gut nachgezeichnet. Ein Symptom für mediale Arroganz war auch die Tagesschau am Tag nach der Wahl, als nicht die Rede des Gewinners, Trump, in sinnvollen Auszügen als erstes gesendet wurde, sondern H. Clinton zuerst und mit mehr Sendezeit nach 20.00 Uhr bedacht wurde. Wer hören wollte, was Trump nach der Wahl gesagt hat, musste einmal mehr auf das Internet ausweichen.

Was wäre im US- Wahlkampf passiert, wenn Trump nicht kandidiert hätte? Die Frage nach der verarmenden Mittelschicht und der unteren Mittelschicht wäre vermutlich nur am Rande gestellt worden.

Ein Kandidat, Jeb Bush (diesen hat Trump allein mit einer Formulierung als „Niedrig- Energie- Politiker“ so demontiert, daß dieser im Wahlkampf nicht mehr ein ernsthafter Konkurrent wurde) , wäre vielleicht von den deutschen Medien als „neoliberal“ kennzeichnet worden, bei Clinton wäre vielleicht das Sozialprogramm gelobt worden, aber im Kern hätten beide dasselbe Programm vertreten.

Trump hat im Wahlkampf die Gegenüberstellung von neoliberaler Politik und Wohlfahrtsstaatpolitik durchbrochen, weil er auf die teilweise verarmte Mittelschicht in neuer Weise zugegangen ist. Und damit ist er für das Establishment in Europa und den USA nicht berechenbar.

Der deutsche Außenminister hat Trump z.B. laut Spiegel online vom 4.8. 2016 einen „Hassprediger“ genannt, eine drastische Formulierung, die er ansonsten mindestens in der Öffentlichkeit gegenüber Diktatoren vermeidet. Hier ist offensichtlich jedes Maß gegenüber dem damaligen Präsidentschaftskandidaten und jetzt gewählten neuen US- Präsidenten verloren gegangen. Wie will dieser deutsche Außenminister in Zukunft noch in den USA deutsche Interessen vertreten?

Sven von Storch

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