Die Frage nach der Energie von Morgen in der Zeitschrift Tumult
Die Frage nach der Energie von Morgen in der Zeitschrift Tumult
Datum: 11.12.2018, 20:33
Der breite Politdiskurs hat seit einigen Jahren ein Hauptthema,“ Die Energiewende“, wobei im Chor der etablierten Medien nahezu einhellig das Lied der erneuerbaren Energien gesungen wird. Die Zeitschrift Tumult, die dabei ist, Merkur und Lettre International als kritische, intellektuelle Zeitschriften abzulösen, hat dazu einen bemerkenswerten Beitrag veröffentlicht. Thomas Hoof hat in der Ausgabe Sommer 2018 zu diesem Thema formuliert: Immer weniger vom Mehr. Das Ende der Reichlichkeit. Dieser Beitrag hätte nach seinem Erscheinen die Basis für eine erneuerte und breitere, öffentliche Diskussion um die Energie in der Zukunft sein müssen. Wenn ich es jedoch richtig übersehe, ist der Beitrag bisher durch den gesamten etablierten polit-journalistischen Betrieb ignoriert worden. In dem Beitrag fragt Hoof einfach danach, welche Energien wir in Deutschland ver wenden. Fossile Energien und Kernenergie machen auch 2016 einen Anteil von rund 88% aus, während die erneuerbaren Energien 12,2 % beitragen. Aber Vorsicht! Hoof differenziert richtigerweise in alte (Holz, Wasserkraft) und neue (Wind Photovoltaik, Biogas) erneuerbare Energien, wobei letztere seit ca. 18 Jahren durch das Erneuerbare Energie Gesetz (EEG) massiv gefördert werden. Für die nur 5,89% durch die Neuen erneuerbaren Energien (NEE), also Wind, Photovoltaik und Biogas bereitgestellten Energiedienste standen 2017 Markterlösen von rund 2 Milliarden EUR Aufwendungen (Subventionen) von 26 Milliarden EUR gegenüber (Hoof, 2018, S. 14). Eine solche Berechnung wie sie Hoof durchgeführt hat, erwarte ich von jeder gut informierenden Tageszeitung, Wochenzeitung oder dem öffentlich- rechtlichen Programm. Diese Medien stellen sich hier tot! Wenn der NEE-Anteil auf 60% der Primärenergiebereitstellung erhöht werden soll, wie in etablierten Politszenarien beschrieben, so müssten zu den 27.000 Windkraftanlagen noch mindestens 245.000 weitere Anlagen kommen, die Ausdehnung von Biogasproduktion und Photovoltaik Anlagen ist aufgrund des Flächenverbrauchs in dem notwendigen Ausmaß nicht denkbar. Aber der Beitrag von Hoof ist nicht nur eine realistische Beschreibung des EEG, noch nicht einmal eine Wertung, er fragt auch nach der Zukunft der konventionellen Energieerzeugung. Hierbei deckt Erdöl ca. 33% des Energiebedarfs. Hoof (2018, S. 10) zeigt dazu, daß die Bereitstellung des Erdöls heute sehr energieintensiv ist. Bei gleichem Energieinhalt des Öls blieben daher von jedem Liter Öl 1960 7,20 kWh und 2012 1,43 kWh „disponibel für das Wirtschaftssystem“ (Hoof, 2018, S. 10). Wir bekommen in Zukunft und das schon bald ein massives Problem in der Energieversorgung, während das Establishment von Decarbonisierung schwadroniert. Hoof fragt auch danach, ob Kernenergie die Lücke schließen kann und kommt zu dem Schluss, alles gut mit Zahlen belegt, daß selbst in Ländern wie China und Russland, wo es dagegen keine Bedenken gibt, der notwendige Zubau allein aus Kapazitätsgründen bei weitem nicht möglich ist. Und damit ist noch nicht einmal das Problem der langfristig radioaktiven Abfälle berührt. Hoof schließt mit einem Zitat des Historikers Rolf-Peter Sieferle: „ Niemand weiß, wie eine stabile, auf Dauer angelegte Industriegesellschaft aussehen könnte, die nicht materiell (und vielleicht auch symbolisch und normativ) auf dem Verzehr ihrer Bestände beruht“ (Hoof, 2018, S. 16).
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