Der Boden als Kohlenstoffspeicher
Der Boden als Kohlenstoffspeicher
Datum: 09.07.2019, 22:22
Einführung und Zusammenfassung: Die Emission von Treibhausgasen wie CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan), N2O (Lachgas) und einer Reihe weiterer Gase führt zu erhöhten Konzentrationen klimarelevanter Gase in der Atmosphäre. Den anthropogenen Anteil an Klimaveränderungen z.B. durch die oben aufgelisteten Gase kann man durch Modellrechnungen ermitteln, in die eine Vielzahl von Parametern und eine Reihe mehr oder weniger plausibler Annahmen eingehen. Das öffentliche Verständnis der deutschen Bundesregierungen seit 1998, also seit dem Beginn der Diskussion über das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) kann seitdem auch für die nachfolgenden Bundesregierungen so zusammengefasst werden: Wir tun etwas gegen höhere CO2- Emissionen! Dazu hat die gegenwärtige Bundesregierung, genauer das zuständige Bundesministerium für Umwelt… (BMU) im Jahr 2018 eine Broschüre herausgegeben (BMU, 2018: Klimaschutz in Zahlen. Trends und Impulse deutscher Klimapolitik. Berlin). Diese Broschüre ist eine Mischung auch aus politischer Eigenwerbung und sachlichen Fehlern. Schon in der Zusammenfassung wird behauptet, daß der deutsche Treibhausgasausstoß des Jahres 2016 gegenüber 1990 um 27,3% reduziert worden sei. Die Nachricht dahinter soll vermutlich lauten: Wir haben politisch viel für das Klima getan und werden auf diesem Weg voranschreiten! Tatsächlich ist das Referenzjahr 1990 geschickt gewählt, die Reduktion beruht weitgehend auf der Stilllegung der Braunkohle- betriebenen Industrie der DDR und hat nichts mit klimapolitischem Handeln der Bundesregierungen zu tun. Und was unter den deutschen Emissionen nicht auftaucht, sind zwei zusätzliche Verbrauchstitel, die mit zu erfassen gewesen wären: 1. Mit den deutlich steigenden Importen vor allem von Konsumgütern vorwiegend aus Asien, wird auch der CO2- Verbrauch bei Produktion und Transport importiert, ohne daß dieser in dem BMU- Elaborat erwähnt wurde. 2. Und es wird auch Palmenöl und Sojabohne importiert. Das Öl wird zusammen mit Rapsöl vor allem in Chemieanlagen verestert, und dann unter der abstrusen Bezeichnung „Biodiesel“ dem Diesel zwangsbeigemischt. Die Sojabohne dient zur Eiweißversorgung vorwiegend in der agrarindustriellen Tiermast. Zum Anbau von Ölpalme und Sojabohne werden teilweise tropische Regenwälder gerodet. Dabei wird innerhalb kurzer Zeit die organische Bodensubstanz (Humus) zu CO2 abgebaut, das dann in die Luft emittiert wird. Die durch die Abholzung des tropischen Regenwaldes erzeugte CO2- Emission macht einen der weltweit größten Posten der Freisetzung aus. Weltweit ist im Humus der Böden die zwei bis achtfache Menge an Kohlenstoff gespeichert im Vergleich zum Kohlenstoff in Form von CO2 in der Luft. Deswegen ist die Abholzung der Regenwälder für die C- Bilanz so relevant. Umgekehrt bedeutet dies, daß die C- Speicherung in der organischen Bodensubstanz einen erheblichen Beitrag zur CO2- Reduktion in der Atmosphäre leisten kann. Wie groß die Bedeutung der Humusakkumulation in Böden für die CO2- Konzentrationen in der Atmosphäre ist, soll am Beispiel Deutschlands überschlagweise berechnet werden. Laut BMU (2018) betrug der deutsche CO2- Ausstoß 2016, 797 Millionen Tonnen CO2, dies sind umgerechnet 0,797 [kg* 1012]. Nimmt man weiter realistisch an, daß davon 40% in die Atmosphäre gehen (ein Teil wird beispielsweise im Meerwasser gelöst), so wurden aus Deutschland im Jahr 2016 zusätzlich 0,319 [kg CO2 *1012] in die Atmosphäre abgegeben. Der Boden dagegen speichert Kohlenstoff vor allem in organisch gebundener Form als Humus. Diese kann ein erhebliches Ausmaß erreichen. Nimmt man an, wie im Folgenden Text auch noch weiter begründet, daß bei entsprechender Bewirtschaftung zusätzlich 30 t C/ ha gespeichert werden können und zieht man in Betracht, daß es in Deutschland fast 30 Millionen ha Land- und forstwirtschaftliche Flächen gibt, so bedeutet dies 900 Millionen Tonnen C an zusätzlicher Speicherung, umgerechnet 0,9 [kg C* 1012] und nach Umrechnung von C in CO2 ergibt sich 3,30 [kg CO2 * 1012]. Das bedeutet, die Land- und forstwirtschaftlichen Böden in Deutschland könnten zehn Jahresemissionen an CO2 auf dem Stand des Jahres 2016 zusätzlich speichern. Beim Humus des Bodens handelt es sich also um einen quantitativ äußerst bedeutsamen C- Speicher! Damit ergibt sich die Frage danach, warum die zusätzliche C-Speicherung im Humus bis auf unverbindliche Absichtserklärungen kein politisches Ziel in Deutschland darstellt. In der nachfolgenden Untersuchung wird der Stand der wissenschaftlichen Kenntnis zur C- Speicherung in Land- und forstwirtschaftlichen Böden weitgehend allgemeinverständlich dargestellt, mit ausführlichen Verweisen auf die aktuelle Wissenschaftliche Literatur für diejenigen, die das Thema tiefer betrachten wollen. Der größte Teil der zitierten Literatur ist frei zugänglich. Daran anschließend wird der Stand der Kenntnis verglichen mit dem, was aktuelle Publikationen der FAO, des WWF Deutschlands und des Bundeslandwirtschaftsministeriums (BMEL) zu dem Thema aussagen. Die besprochenen Publikationen zeichnen sich durchweg dadurch aus, daß sie eine spezielle, nicht umfassende Sichtweise wiedergeben, daß sie die wichtigsten Mechanismen der C- Speicherung in Böden und die wichtigsten Maßnahmen dazu nicht oder nur am Rande erwähnen. Zusätzlich enthält das WWF- Papier gravierende fachliche Fehler. Es wird geschlossen, daß die politisch motivierten Publikationen von FAO, WWF und BMEL einem gravierenden Lobbyeinfluss unterliegen. Dazu werden am Ende der Untersuchung einige weiterführende Fragen gestellt. Insgesamt kann festgestellt werden: Wer das C- Speicherungspotential der Land- und forstwirtschaftlichen Böden nur am Rande behandelt, der ist als politischer Akteur, der den Anstieg der CO2- Konzentrationen in der Atmosphäre begrenzen will, nur wenig glaubwürdig. In der Linie der Argumentation des folgenden Beitrages liegt ein kürzlich erschienener Artikel von Bastin et al. (2019, Science, 365, 76- 79). Die Autoren berechnen dabei auf Grundlage der Auswertung von Luftbildern, daß auf zusätzlichen 900 Millionen ha Landfläche Bäume angepflanzt werden können. Das Speicherpotential für C in den Bäumen in einem ausgewachsenen Wald berechnen die Autoren zu rund 0,205 [kg C * 1015] was etwas einem Wert an 1.0 [kg CO2 *1015] entspricht. Bastin et al. (2019) errechnen dadurch eine Reduktion der atmosphärischen CO2- Konzentration von rund 20%. Was in dem Beitrag in Science noch nicht berücksichtigt wurde, ist, daß die höhere Biomasseproduktion durch die aufwachsenden Bäume zu einer Anreicherung von organischer Substanz im Boden führt, z.B. durch Laubfall und der Bildung von Wurzelresten. Diese organische Substanz reagiert im Rahmen von Humifizierungsprozessen, wie im folgenden Beitrag beschrieben, zu stabilem Humus mit der Hauptkomponente Huminstoff weiter. Weiterlesen auf ostdeutsche-bodenpolitik.de
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