Das Duell Trump- Clinton und die Deutschen Journalisten

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Das Duell Trump- Clinton und die Deutschen Journalisten
Datum: 04.10.2016, 23:26

Seit dem Beginn der US Vorwahlen wird hier in Deutschland medial eine Horrorfigur mit Namen Donald Trump aufgebaut. Und offensichtlich werden wir durch die Medien fehlinformiert, man muss sich nur vor Augen halten, daß praktisch kein Sender oder Printmedium vorausgesagt hat, daß Trump die Vorwahlen der Republikaner gewinnt.

Nicht daß ich Trump für besonders sympathisch halte oder mit seinen politischen Zielen übereinstimme.

Aber ich erwarte in der politischen Auslandsberichterstattung einfach ein umfassendes, ausgewogenes und realistisches Bild über den US- Wahlkampf. Und genau dies ist nicht der Fall.

Der Kandidat Trump wurde zu Anfang in den Deutschen Medien vor allem belächelt.

Es dürfte interessant sein, heute nochmals zu lesen, was die öffentlich-rechtlichen Anstalten, FAZ, SZ oder Spiegel über Trump zum Besten gegeben haben. Er wurde in seiner Chancenlosigkeit belächelt.

Zeitweise ging es in der Berichterstattung um Wunschdenken der Journalisten, nicht um Beiträge zur Meinungsbildung von Zuschauern oder Lesern.

Und jetzt wiederholt sich dies in der Berichterstattung über das Duell Clinton-Trump.

Das erste Fernsehduell zwischen beiden wurde in den Deutschen Medien fast einhellig als Sieg von Clinton gefeiert. Nur in der Wirtschaftswoche wurde nach einer relativ sorgfältigen Auswertung des Duells mittels eines Punktesystems Trump zum knappen Sieger erklärt.

Und schließlich hat auch Joffe in einem knappen Beitrag für die Wochenzeitung „Die Zeit“ kritisch darauf hingewiesen, daß die Kriterien, die der Amerikanische Wähler an die Kandidaten anlegt, von denen Deutscher Journalisten deutlich unterschieden sein können, mithin wieder einmal die Vorurteile Deutscher Journalisten zu Fehleinschätzungen führen können.

Woher der journalistische Hass gegen Trump, die zeitweise dazu führte, daß nur verzerrte Trump Bilder in den Hauptmedien zu sehen waren?

Trump ist kein Kandidat des Establishments und möglicherweise deswegen für Journalisten des Establishments ein rotes Tuch.

Und Trump vertritt Positionen zum Islam und zur Immigration, die gegen den Konsens der etablierten Parteien in Deutschland gerichtet sind. Dabei hat er auch ausdrücklich mehrfach die Deutsche Bundeskanzlerin kritisiert.

All dies sollte jedoch in Demokratischen Medien kein Grund sein, in Abwehrhaltung gegen Trump einen parteiischen Journalismus zu betreiben.

Und dies gilt umso mehr, wenn man die Kandidatin der Demokraten, Clinton, betrachtet. Gegen Clinton sprechen mindestens zwei Gründe:

1.     Sie hat das Rennen gegen Sanders bei den Demokraten gewonnen, weil die Spitze der Demokraten Clinton gegen Sanders unterstützt hat und vor allem, weil die rund 715 „Superdelegierten“ fast ausschließlich für Clinton votiert haben. Da aber die Superdelegierten nicht gewählt wurden, kann man die Wahl Clintons als undemokratisch  bezeichnen.

2.     Clinton ist nicht unabhängig, in den Medien gab es Berichte über Spenden aus Saudi- Arabien in die Clinton Stiftung und über hohe Vortragshonorare bei Vorträgen vor der Deutschen Bank. Ich erwarte von funktionierenden, demokratischen Medien in Deutschland auch darüber eine ausführliche Diskussion, in den zentralen Spalten und Programmen.  

Daß die überwiegende Mehrheit der Deutschen Journalisten auf eine solche Weise Partei im US Wahlkampf ergreifen, ist bedauerlich.

Daß sich aber ein Deutscher Außenminister öffentlich im Vorwahlkampf gegen Trump erklärt, ist unangemessen. Was macht dieser Außenminister, wenn Trump tatsächlich Präsident würde?         

Sven von Storch

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