Anmerkungen zu Erneuerbare Energien aus Agrarrohstoffen
Anmerkungen zu Erneuerbare Energien aus Agrarrohstoffen
Datum: 18.11.2013, 15:30
1.Strom aus Biogas
Die Stromerzeugung aus Windenergie, Solarenergie und aus Biogas wird über subventionierte Strompreise gestützt. Die Kritik an dem die Subventionen regelnden EEG sollte dabei differenziert erfolgen. Die bisherige Förderung von Biogas- Strom stellt dabei eine unsinnige Form der Förderung erneuerbarer Energien dar. Das Substrat für die Biogasgewinnung und damit für die Stromerzeugung ist zu mehr als 80- 90% Mais, der auf den Ackerflächen dafür angebaut wird. Dabei kann für die Biogaserzeugung auch Gülle und Stallmist eingesetzt werden, eine sinnvolle zusätzliche Nutzung dieser Wirtschaftsdünger. Der Einsatz von Mais als Hauptsubstrat hat weitreichende Konsequenzen. Zum einen ist der flächenbezogene Stromertrag gering, er beträgt beispielsweise nur 10% des Solarstromes und nur 2% des Ertrages der Windenergie (Wagner, 2012). Biogas verbraucht damit einen hohen Anteil an Ackerflächen, die allein für die Biogaserzeugung verloren gehen. Beim Anbau von Mais zur Biogaserzeugung gibt es aber noch weitere Probleme, die dessen Rolle als „Klimaretter“ nachhaltig in Frage stellen. Mais erfordert eine hohe Anbauintensität, daß bedeutet einen hohen Energieeinsatz beim Anbau, vor allem aufgrund des notwendigen hohen Niveaus an Stickstoffdüngern. Der geerntete Mais wird vielfach auf langen Transportwegen zu den Biogasanlagen gebracht, was die Energiebilanz weiter verschlechtert. Zusätzlich wurden, auch für den Energiemaisanbau, in den letzten 10 Jahren 160.000 ha Grünland in Ackerland in Deutschland umgebrochen. Grünland bildet über Jahre, Jahrzehnte und Jahrhunderte durch die akkumulierte organischen Substanz ein Kohlenstoffreservoir, das beim Umbruch in Ackerland zu einer verstärkten Kohlendioxid-Freisetzung führt. Im Extremfall kann der Energiemaisanbau auf ehemaligem Grünland zu CO2 – Freisetzungen führen, die höher sind, als bei der Verstromung von Braunkohle.
Schließlich wird aber Biogas- Strom letztlich vor allem aus Mais mit unsinnig hohen Subventionen gefördert. Während in Deutschland die durchschnittlichen EU- Agrarbeihilfen je Hektar Nutzfläche bei etwa 300 €/ha und Jahr liegen, liegen für Biogas- Mais die zusätzlichen Subventionen je ha bei 1.500- 1.800 €. Bei einem in Zukunft denkbaren Anteil von 20% von Biogas-Mais in der Fruchtfolge könnten die Subventionen für Energie-Mais die der EU- Agrarbeihilfen insgesamt erreichen.
Fazit für Biogas-Mais: Dieser leistet nur einen geringen oder keinen Beitrag zur Reduktion von Treibhausgasen, ist aber extrem teuer in den Subventionen und verbraucht hohe Flächenanteile an wertvoller Ackerfläche.
Sinnvoll ist dagegen die Erzeugung von Biogas aus Reststoffen wie Stallmist und Gülle und weiterhin die Verwendung von Zwischenfrüchten aus der Landwirtschaft zur Biogaserzeugung. Diese beeinträchtigen nicht den Anbau von Nahrungsmitteln, weil sie eben zwischen den Hauptfrüchten angebaut werden und benötigen dann einen geringen Energieaufwand in der Produktion, wenn Gemenge mit Leguminosen angebaut werden, Pflanzen die nicht auf eine energieintensive Stickstoffdüngung angewiesen sind (z.B. Wickroggen, Kleegras) und im ökologischen Landbau eine zentrale Rolle spielen.
2.Agrarkraftstoffe
Für diese erfolgt eine Zwangsbeimischung zum Kraftstoff. Für Biodiesel und Ethanol als Diesel bzw. Benzinbeimischung gilt: Beide sind sehr aufwendig in der Herstellung. Diese erfordert einen großen energetischen Aufwand. Bei Biodiesel muß für 1 kcal im Kraftstoff 0,5 kcal für dessen Produktion aufgewendet werden, bei Ethanol ist das Verhältnis mit 1 zu 0,8 noch schlechter (Wagner, 2012). Grund für die schlechte Energiebilanz ist wiederum die energetisch aufwendige Produktion von Zuckerrüben, Getreide und Raps. Besonders absurd ist, daß bei Rapsöl der Energiegehalt dann noch weiter durch die industrielle Methylierung gesenkt wird. Diese Ergebnisse sind nicht neu, sondern für Rapsmethylester wurde dessen fehlende ökologische Vorzüglichkeit schon Anfang der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts durch das Umweltbundesamt (UBA) aufgezeigt. Ebenso hatte schon Anfang der neunziger Jahre einer der Herausgeber des ersten IPCC- Berichts, Prof. Sauerbeck aus Braunschweig mit seiner Arbeitsgruppe die UBA- Ergebnisse bestätigt. Auch hier gibt es wiederum eine interessante Alternative, Pflanzenöl aus Reststoffen oder aus Gesamtpflanzen mit weitaus höheren Flächenerträgen.
Generell ist der heutige Stand der Agrarenergie nur einem völlig verfehlten System an Subventionen für diesen Bereich geschuldet, hohe langjährige Einspeisevergütung für Strom aus Energiemais und Zwangsbeimischung von Agrarkraftstoffen.
Hier dokumentiert sich ein verhängnisvoller Einfluss der Deutschen Agrarlobby auf die Politischen Parteien im Bundestag.
18.11. 2013 Jörg Gerke
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