Sind Kreditausfallversicherungen Teufelszeug_
Sind Kreditausfallversicherungen Teufelszeug_
Datum: 17.05.2010, 15:32
Der griechische Regierungschef Giorgos Papandreou hat erklärt die Europäischen Regierungen hätten in einem Brief an US-Präsident Barack Obama ein Verbot der Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen angeregt. In der Öffentlichkeit kursiert die Behauptung diese Form der Versicherung der Risiken für griechische Staatsanleihen sei für den drohenden Staatsbankrotts Griechenlands verantwortlich.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat in einem sehr informativen Artikel dargestellt wie Kreditausfallversicherungen für Staatsanleihen funktionieren. Die Verkäufer der Kreditausfallversicherungen gehen davon aus, dass das Risiko einer griechischen Staatspleite niedriger zu bewerten ist als die verlangten Risikoprämien. Die Käufer bewerten die Lage genau umgekehrt. So stehen sich grundsätzlich immer zwei entgegengesetzte Positionen gegenüber, die sich in gewisser Weise neutralisieren, sonst würde es nicht zu einem Handel kommen.
Die Vorstellung, dass auf diese Weise ein Staatsbankrott Griechenlands durch den Teufelskreis falscher Erwartungen von den „Spekulanten“ künstlich herbeigeführt werden könnte, ist also bei näherer Betrachtung nicht besonders plausibel, da ja jeder Wette gegen Griechenland eine Wette für Griechenland gegenübsteht. Würde jeder Marktteilnehmer auf den Staatsbankrott Griechenlands spekulieren, würde es die Kreditausfallversicherungen überhaupt nicht geben, da sich in diesem Fall niemand finden würde, um das Risiko zu übernehmen. Wenn es noch große Geldinstitute gibt, die bereit sind den Staatsbankrott Griechenlands zu versichern, dann besteht noch ein Funken Hoffnung für die griechische Regierung.
Die Frankfurter Allgemeine Kommentiert: „Die These, CDS-Spekulanten könnten eine Teufelsspirale auslösen und damit Griechenland in die Pleite jagen, fußt auf einer frechen Voraussetzung: dass die CDS-Käufer grundsätzlich schlauer sind als die Investoren auf der Gegenseite, die den Kreditausfall versichern. Diese müssen so dumm sein, dass sie von der Teufelsspiraletheorie nie gehört haben. Das ist unwahrscheinlich, weil die Theorie ihren Weg sogar in die Niederungen des Journalismus gefunden hat.“
Der entscheidende Grund für die Reaktion der Märkte – steigende Risikoprämien für den Risikoausfall griechischer Staatsanleihen – sind die ökonomischen und fiskalischen Fundamentaldaten der griechischen Volkswirtschaft und dort liegt auch der Schlüssel zur Überwindung der Vertrauenskrise. Die FAZ bringt es auf den Punkt:
„Die Methode, die Spekulation mit griechischen Papieren auszutrocknen, ist schon gefunden. Griechenland muss seine Finanzierungsprobleme lösen und die Öffentlichkeit überzeugen. Wie das geschieht – ob über Bail-out durch Brüssel, den Internationalen Währungsfonds oder mit Geld aus Berlin – ist den Kapitalmärkten schnuppe. Von einem Hedge-Fonds-Manager stammt ein frecher Vorschlag: Wenn Griechenland nicht an sich glaubt, sollte es vielleicht in CDS investieren.“
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