Hayeks Konjunkturtheorie
Hayeks Konjunkturtheorie
Datum: 22.03.2013, 12:05
Der Aufsatz des Ökonomieprofessors John Cochran aus dem Jahr 2011 setzte sich mit den Hayekianischen Thesen aus den 30er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts auseinander.
Die Österreichische Konjunkturtheorie beruht auf dem sogenannten Cantillon-Effekt. Demnach führt eine Zunahme der Geldmenge zu einer Veränderung der relativen Preise und das verändert die Produktionsstruktur. Inflationäre Politik im Sinne der Zunahme der Geldmenge führt also zu einer Fehlsteuerung von Ressourcen und massiven Fehlinvestitionen.
Die Ausweitung der Geldmenge erfolgt im modernen Finanzsystem, für das das Zusammenspiel von Notenbanken und Teilreservehaltung der Banken kennzeichnend sind, über die Ausweitung der Kreditvergabe. Durch die Ausweitung der Kreditvergabe sinkt der Zinssatz unter das „natürliche“ Niveau. Der niedrige Zinssatz führt dazu, dass die Investitionstätigkeit der Unternehmen ausgeweitet wird und Kapital in riskante Projekte fließt, die ohne den niedrigen Zinssatz nicht rentabel wären.
Wenn die Fehlinvestitionen offenbar werden, dann kommt es zum Crash, der nur durch die Abschreibung der Fehlinvestitionen und die Anpassung der Produktionsstruktur überwunden werden kann. Dieser Anpassungsprozess wird durch öffentliche Ausgaben und Besteuerung verzögert und damit die Krise verlängert.
Hayek hatte in den 30 Jahren seine Theorie erklärt und verteidigt und sich dann erst in den 70er Jahren mit geldtheoretischen Fragen befasst. Es wird nun darüber diskutiert, ob Hayek seine Position grundlegend geändert habe. Der Autor ist der Ansicht, dass Hayek den Kern seiner Theorie beibehalten und sie nur in zwei Punkten modifiziert hat. Hayek war sich aufgrund der Produktivitätsfortschritte in den Jahrzehnten davor nicht mehr sicher, dass bei steigender Kreditexpansion die Produktion der Kapitalgüter tatsächlich relativ zur Produktion von Konsumgütern steigt und ob der Versuch Preise in einer wachsenden Wirtschaft durch die Ausweitung der Geldmenge zu stabilisieren sich heute ähnlich schwerwiegend auswirkt wie in den zwanziger Jahren oder ob dies erst nach einer noch stärkeren Expansion der Fall ist.
Cochran zeigt, dass sich die Entwicklung seit der Jahrtausendwende sich mit dem hayekschen Modell sehr gut beschreiben lässt und die empirischen Daten weitgehend mit den Hayekschen Voraussagen übereinstimmen. Die Immobilienblase sei ein prägnantes Beispiel dafür, wie durch die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank Investitionen fehl geleitet wurden, wie es Hayeks Modell vorausgesagt hat.
Dieser Beitrag erschien auf dem Blog des Liberalen Instituts
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