Gold oder Papier_

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Gold oder Papier_
Datum: 04.06.2010, 12:02

Wäre die Regierung unendlich gut und die Zentralbanker unendlich weise, dann könnte Papiergeld genauso stabil sein wie Gold oder Silber. Stellen wir uns vor, die Notenbank gäbe bei der Einführung der neuen Währung eine Billion Geldeinheiten in Form von Scheinen in Umlauf, anschließend wird die Druckmaschine verschrottet oder nur noch genutzt um vergilbte, abgegriffene oder beschädigte Scheine zu ersetzen. Die Preise würden alleine das Verhältnis von Angebot und Nachfrage widerspiegeln und wären nicht durch das Wachstum der Geldmenge verzerrt.

In einer Gesellschaft, die von interessenlosen Zentralcomputern gesteuert wird, wäre das auch möglich. Dagegen, dass Politiker und politische Beamte aus Fleisch und Blut in der Lage sind, der Versuchung der künstlichen Manipulation der Geldmenge zu verzichten, spricht fast die gesamte bekannte Weltgeschichte. Dasselbe gilt im Übrigen auch für die monetaristische Annahmen, dass die Geldmenge im Sinne von Milton Friedman um einen festen Prozentsatz ausgeweitet werden soll. Auch das setzt eine Institution voraus, die allein der ökonomischen Logik folgt und nicht der politischen Einflussnahme.  Solange die Zentralbank und die Notendruckmaschine nicht von dem Weisen vom Berg oder einem gefühllosen und unmanipulierbaren Superrechencomputer gesteuert wird, wird die Geldmenge im Fiatmoneysystem immer und zu jeder Zeit ein Instrument politischer Interessen sein und nicht einer abstrakten ökonomischen Logik.

Der hohe Wert, der dem Gold beigemessen wird, ergibt sich aus der Unmöglichkeit es grenzenlos zu vervielfältigen. Nehmen wir an der Traum der Alchimisten würde Wirklichkeit und die Formel für künstliche Goldproduktion würde gefunden. In dem Augenblick, wenn Gold industriell als Massengut gefertigt werden könnte, wäre es als Zahlungsmittel und sicherer Hafen passé. Dann würden die Zentralbanken eben statt Geld zu drucken, Barren vom Fließband laufen lassen. Nur weil es hübsch glänzt, wird es sich niemand in den Safe stellen.  Gold hat nur deshalb diesen außergewöhnlichen Wert, weil man erst Schächte graben muss, schürfen und allen möglichen anderen Aufwand betreiben, um an die begrenzten Bestände heranzukommen.  Jedes funktionierende Geldsystem  - egal ob gedeckt oder ungedeckt – steht vor der zentralen Aufgabe: Es der Politik so schwer wie möglich zu machen Geld zu vermehren. Der Versuch dies durch juristische Hürden zu gewährleisten, scheint angesichts der Umgehung der Euro-Stabilitätskriterien erst einmal gescheitert.

Dieser Beitrag ist zu erst erschienen auf dem Blog des Liberalen Instituts Denken für die Freiheit

Sven von Storch

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