Definition von Armut = Armut_ Oder = Absurdität

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Definition von Armut = Armut_ Oder = Absurdität
Datum: 15.12.2009, 16:13

Eine Definition ist dann definitiv falsch, wenn sie zu absurden Ergebnissen führt. Die Armutsdefinition der EU führt zwangsläufig zu absurden Ergebnissen. Würde sich zum Beispiel morgen die Stadt Starnberg, die einen Spitzenplatz beim Pro-Kopf-Einkommen zu verzeichnen hat, für unabhängig erklären, dann würden dort ganz automatisch Bürger unter die Armutsdefinition fallen, die gemeinhin als Besserverdiener gelten würden.

Als absurd kann man es nur bezeichnen, wenn eine Gesellschaft im Ganzen reicher wird, es aber plötzlich nach der Definition mehr Armut gibt.

Stellen wir uns vor, im nächsten Jahr würde sich die Kaufkraft aller Bundesbürger verfünffachen. Also jeder Bundesbürger könnte fünfmal so viele Güter und Dienstleistungen kaufen als zum jetzigen Zeitpunkt – und zwar jeder Bundesbürger vom Harz-IV Empfänger bis zur Bankenvorstand. Würde das etwa dazu führen, dass die Armut nach der Definition zurückgeht. Nein, es wären immer noch genauso viele Arme zu beklagen wie vorher, selbst wenn jeder Bundesbürger sich seine eigene Sauna und Swimmingpool leisten könnte.  

Nehmen wir an, dass vier Füntel aller Bundesbürger ihr Einkommen verfünffachen würden und das untere Fünftel ihr Einkommen immer noch vervierfachen. Dann würde laut EU-Definition die Zahl der Armen sogar steigen. Wenn die Statistik mehr Armut aufweist, wenn der Wohlstand explodiert, dann ist die Definition, die dem Armutsbegriff zu Grunde liegt, absurd.

Das Szenario lässt sich natürlich auch umdrehen. Eine Gesellschaft stürzt ins Elend, aber laut Definition nimmt das Armutsrisiko ab! Stellen wir uns vor, eine wirtschaftliche Katastrophe käme über uns und die Einkommen aller Bürger würden plötzlich halbiert. Mit einem halben Einkommen, hätten viele Bürger schon das Gefühl, jetzt ärmer zu sein. Die Statistik sieht das nicht so, solange das Durchschnittseinkommen ebenfalls sinkt. Dass während der Finanzkrise viele Spitzenverdiener pleite gegangen sind, kann dazu führen, dass plötzlich weniger Bürger als Arm gelten, weil der statistische Durchschnitt sinkt. Die Harz-IV-Empfänger haben also Grund zur Hoffnung. Wenn nur genug Banker pleite gehen, gelten sie plötzlich nicht mehr als arm…

Diese Definition führt im EU-Vergleich dazu, dass das Armutsrisiko in Großbritannien vergleichbar ist mit dem von Rumänien und das Armutsrisiko in Bulgarien sogar geringer als das von Großbritannien. Wie bitte?. Das Armutsrisiko soll in Bulgarien geringer sein als in Großbritannien? Vielleicht sollten die EU-Statistiker einmal Bulgarien besuchen und dann darüber nachdenken, ob sie an dieser Definition festhalten wollen.

Dazu Philip Plickert in der FAZ

Eine Armutdefinition, die auch dazu führen kann, dass Menschen als "arm" bezeichnet werden, die in Saus und Braus leben, und Menschen als reich, nur weil diese etwas weniger elend leben als der Rest der Gesellschaft,  ist unbrauchbar.

 

Sven von Storch

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