Leben retten durch Organhandel

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Leben retten durch Organhandel
Datum: 28.04.2010, 15:43

Häufig hört man von Markt-Skeptikern die Aussage, ein Objekt sei besonders wertvoll oder wichtig und könne darum “nicht dem Markt überlassen” werden. Offensichtlich ist genau das Gegenteil richtig: Wenn ein Objekt besonders wertvoll oder wichtig ist, ist es umso dringlicher, dessen wahren Wert - oder auch dessen wahre Knappheit - abzubilden. Und genau dies vermag nur das freie Spiel von Angebot und Nachfrage, also der Markt.

Diese Feststellung gilt für lebensnotwendige Güter, wie etwa das Wasser, ebenso, wie für besonders bedeutungsvolle Dienstleistungen, wie etwa die Bildung. Erkennt man etwa das Wasser oder die Bildung als wertvolles Gut, so ist es umso wichtiger, durch einen angemessenen Preis einen effizienten und nachhaltigen Umgang mit diesem Gut sicherzustellen. Überlässt man die Allokation dagegen der Politik, so werden die genannten Güter der politischen Willkür, schwankenden Mehrheitsmeinungen, politischen Kalkulationen, Absprachen und der üblichen Privilegienreiterei überlassen. Ein sicheres Rezept für die Verzerrung angemessener Preise, für Verschwendung und Unterversorgung zugleich.

Ein knappes Gut, das besonders hartnäckig einer angemessenen Preisbildung entzogen wird, sind menschliche Organe. Das Handelsblatt beschreibt die Folgen dieses Fehlers:

 

Fünf bis sechs Jahre muss sich ein Nierenkranker in Deutschland laut Stiftung für Organtransplantation gedulden, bis er eine Spenderniere bekommt. Fast 11 000 Deutsche warten auf eine neue Niere, 2 500 auf eine neue Leber. Für 1 000 Patienten pro Jahr kommt das Organ zu spät - sie sterben innerhalb der Wartezeit. Ohne den grenzüberschreitenden Austausch von Spenderorganen wäre die Zahl noch höher: Jahr für Jahr bekommt Deutschland aus den Nachbarländern mehr Spenderorgane, als es abgibt.

 

Dabei liegt die Lösung für dieses nicht nur lebensbedrohliche, sondern tatsächlich lebensvernichtende Problem auf der Hand: Die Bildung angemessener Preise durch einen Markt für Organe. Zwei Ökonomen gehen dieses Tabu frontal an:

 

Für Ökonomen wie Breyer liegt die Lösung auf der Hand: Eine zu große Nachfrage trifft auf ein zu kleines Angebot - weil die staatliche Regulierung das Angebot künstlich verknappe. Die Spender müssten gebührend entlohnt werden, dann würde auch das Angebot an Organen steigen. Der Bayreuther Ökonom Peter Oberender zum Beispiel schlägt einen Handel wie an einer Wertpapierbörse vor.

 

Eine Form der nicht-monetären Tauschbörse etabliert sich bereits heute in den USA:

 

Wegen all dieser Probleme propagiert Harvard-Ökonom Roth einen dritten Weg: Er macht den Markt für Organspenden effizienter, ohne auf den Preismechanismus zu setzen. Freunde und Verwandte eines Nierenkranken würden oft gerne ein Organ spenden, doch der Körper des Patienten würde diese abstoßen. Roth hat einen Mechanismus entwickelt, inkompatible Paare zu vernetzen - es entsteht ein Tauschring, durch den das Angebot steigt. Denn die Wahrscheinlichkeit, ein passendes Spenderorgan zu finden, steigt erheblich.

 

Natürlich sind Naturaltausch-Systeme immer weniger effizient, als geldbasierte. Gleiches mit gleichem tauschen zu müssen, statt auf das Wertaufbewahrungsmittel Geld ausweichen zu können, reduziert die Wahrscheinlichkeit, Angebot und Nachfrage zu einem Ausgleich zu bringen. Daher werden wohl weiterhin Menschen sterben müssen, weil gewisse Kreise die monetäre Bewertung eines wertvollen Gutes zu einem Tabu erklären. Nur ein weiteres Beispiel für die Unmoral antikapitalistischer Moralisten.

Sven von Storch

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