Aufstand der Asozialen
Aufstand der Asozialen
Datum: 19.11.2009, 13:31
hier die Studenten, dass für ihre Ausbildung nicht sie selbst, sondern jene Menschen zahlen sollen, die sie nicht geniessen.
Kein Wunder, dass dabei anti-liberale oder anti-marktwirtschaftliche Floskeln in die Studi-Rhetorik einfliessen, denn eine derart asoziale Trennung von Kosten und Nutzen wäre auf einem freien Markt undenkbar. Wenn ein Mensch hier in seine eigenen Fähigkeiten investieren wollte, um anschliessend einen höheren Mehrwert auf dem Arbeitsmarkt erzielen zu können, müsste er die Kosten dafür selbstverständlich selbst tragen. Gleiches gälte natürlich und erst recht, wenn das Studium vor allem aus persönlichem Interesse, aus Spass betrieben würde, nicht primär aus Investitionsgesichtspunkten – wer käme schliesslich schon auf die Idee, das eigene Hobby fremdfinanzieren zu lassen?
Nun wird gerne argumentiert, dass der studierte Bürger so etwas wie ein öffentliches Gut sei - sein durch das Studium aufgepolstertes Know How käme auf indirektem Wege im Rahmen einer arbeitsteiligen Wirtschaft wiederum "der Gesellschaft" zu Gute, und damit auch jenen Menschen, die das Studium unfreiwillig finanziert hätten.
Handelt es sich bei dieser Argumentation nur um eine Vergewaltigung der Smith‘schen „unsichtbaren Hand“, nach welcher der Eigennutz der Individuen im Rahmen des Marktes dem Wohle Aller zuträglich sein soll? Oder zeigt sich hier vielmehr das wahre, asoziale Gesicht des Marxismus: Sollen die nichtstudierten Klassen aus Dankbarkeit für die Weisheit und das Können der gesellschaftlichen „Elite“ diesen ihre elitären Bildungsinstitutionen finanzieren?
Denn es besteht kein Zweifel: Das Studium ist nach wie vor ein Privileg des Bürgertums – es sind vor allem die Kinder der oberen Mittelschicht sowie der Oberschicht, die eine akademische Bildung geniessen. Sozialdemokratisch motivierte „Kostenlosigkeit“ hin oder her. Wie jeder des Denkens fähige Bürger weiss, ist in staatlichen Systemen das Label „kostenlos“ ohnehin nur ein Synonym für „nicht durch den Nutzer finanziert“. Denn die akademische Bildung ist alles andere als kostenlos, sie ist enorm teuer. Bezahlt werden diese Kosten aber durch die Steuerzahler. Und hier stellt sich eben schon die „soziale“ Frage, warum ausgerechnet jene Arbeiter, die schon frühzeitig in das Arbeitsleben und damit die Steuerpflicht einsteigen, ausgerechnet jene Bildungsdienstleistung finanzieren sollen, die weder sie selbst noch – aller Erwartung nach – ihre Kinder je in Anspruch nehmen werden?
Wenn nun also einige Studenten in vulgär-marxistischer Manier gegen die „Ökonomisierung“ der Universität zu Felde ziehen, so zeigen sie damit unwillkürlich eine polit-ökonomische Grunderkenntnis: Nur der Markt befördert systematisch Gerechtigkeit, indem er Freiheit und Verantwortung verbindet – in freiwilligen Tauschbeziehungen muss für den Empfang eines Nutzens stets auch eine adäquate Gegenleistung bereitgestellt werden. Ein Leben auf Kosten Anderer, also eine mehr oder minder milde Form der Sklaverei, ist dagegen der Wesenskern des Sozialismus.
Es kann kein Zweifel bestehen, dass das deutsche Bildungssystem zahlreiche Defizite aufweist. Die meisten dieser Defizite sind darauf zurückzuführen, dass die Bildung in einer fatalen Fehlentscheidung der staatlichen Planwirtschaft überlassen wurde. Bekanntlich schafft aber die Planwirtschaft vor allem eines: Das Erhöhen der Kosten bei einer Absenkung der Qualität. Die demonstrierenden Studenten haben also jedes Recht, ihrer Unzufriedenheit Luft zu machen und ein besseres Bildungssystem zu fordern. Eine Erhöhung der Qualität bei einer Senkung der Kosten ist aber auch im Bildungssystem nur auf einem Wege möglich: durch dessen Ökonomisierung. Studenten sind endlich als die Kunden zu erkennen, die sie sind. Universitäten sind endlich als konkurrierende Anbieter einer Dienstleistung aufzustellen. Nur eine solche Konstellation macht es möglich, dass sich das Bildungsangebot an der entsprechenden Nachfrage ausrichtet und die Studenten jene Dienstleistungen erhalten, die sie wünschen und verdienen.
Das heisst aber auch: Es muss endlich Schluss sein mit der asozialen Entkoppelung von Nutzen und Kosten, mit der Verwischung und Politisierung finanzieller Verantwortung. Wenn die Studenten eine vernünftige Bildung in Anspruch nehmen wollen, haben sie dafür zu zahlen. Gerechtigkeit und Ökonomisierung gehen dabei Hand in Hand.
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