Wer die Natur missachtet, muss die Folgen tragen

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Wer die Natur missachtet, muss die Folgen tragen
Datum: 10.03.2015, 09:51

Man ist jetzt der komplexen Interaktion dieser beiden, früher als unveränderbar bzw. schicksalhaft betrachteten Faktoren deutlich näher gekommen. Es erklären sich nun auch bisher rätselhafte Befunde:

dass vorübergehende schädigende Umwelteinflüsse bei sorgfältigem, liebevollem Ausgleich reversibel sind,

dass sich stärkere und längerdauernde Umwelteinflüsse jahrelang, bis ins Jugendalter und sogar lebenslänglich bemerkbar machen,

dass sie sogar generationenübergreifend nachweisbar sind, ohne dass sich die Abfolge der Bausteine im Erbmaterial ändert.(45)

Um auf die Frage zurückzukommen: In welchem Alter soll, kann oder und darf nun also ein Kind in eine Kita? Auf dem kinderärztlichen Kongress 2011 in Bielefeld wurde dazu eine entwicklungsmedizinisch evidenzbasierte Empfehlung gegeben:

Keine Gruppentagesbetreuung von Kindern unter zwei Jahren.

Zwischen zwei und drei Jahren maximal halbtägige Betreuung von maximal bis zu zwanzig Stunden wöchentlich

Ab drei Jahren je nach individueller Bereitschaft ganztägige Betreuung möglich

Konsequente Orientierung an hohen Qualitätsstandards in jeglicher außerfamiliärer Betreuung

So erscheint es nach all dem Gesagten zumindest ratsam, den neueren Vorschlägen der Bielefelder Pädiater zu folgen. Dem Kindeswohl in der unverfälschten Bedeutung des Wortes, dem entspannten Umgang zwischen Kindern und Eltern in der Familie, der Situation in den Schulen und später im komplizierten Räderwerk der Gesellschaft wäre damit ein nicht zu überschätzender Dienst erwiesen.

Die Schlussfolgerung von Rainer Böhm muss alle diejenigen alarmieren, denen ein unbelastetes Aufwachsen der nächsten Generation am Herzen liegt. Er schreibt: “Chronische Stressbelastung ist im Kindesalter die biologische Signatur der Misshandlung. Kleinkinder dauerhaftem Stress auszusetzten, ist unethisch, verstößt gegen Menschenrechte und macht akut und chronisch krank.“

Wir können uns nicht von unserer Biologie verabschieden. Wer die Natur missachtet, muss die Folgen tragen.

(45) Katharina Grapp, Isabelle Mansuy, ETH und Universität Zürich, in „Nature Neuroscience“ (doi:10.1038/nn.3695)

Sven von Storch

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