Die Kitaoffensive sei familienfreundlich
Die Kitaoffensive sei familienfreundlich
Datum: 19.02.2015, 09:19
“Wenn die Worte nicht stimmen, stimmen die Begriffe nicht. Wenn die Begriffe nicht stimmen, wird die Vernunft verwirrt. Wenn die Vernunft verwirrt ist, gerät das Volk in Unruhe. Wenn das Volk unruhig wird, gerät die Gesellschaft in Unordnung. Wenn die Gesellschaft in Unordnung gerät, ist der Staat in Gefahr.“ Die beklemmende Aktualität dieser Warnung zeigt der Umgang mit dem Wort „familienfreundlich“.
Was bedeutet dieser Begriff im Wortsinn anderes als „freundlich zu Familien, freundlich für Familien“! Seit vielen Jahren schon wird er allerdings flächendeckend umdefiniert als Maß für frühe Betreuungsmöglichkeiten. Dieser Bedeutungswandel stammt ursprünglich aus Politik und Wirtschaft, ist inzwischen jedoch in den allgemeinen, vor allem medialen Sprachgebrauch übergegangen. Die so bezeichneten „frühen Betreuungsmöglichkeiten“ nützen eben in erster Linie der Wirtschaft, um mangelnde Arbeitskräfte zu rekrutieren. Das Engagement der großen Wirtschaftsverbände zu diesem Thema verdeutlicht dies. In Studien, die zu diesem Zweck in Auftrag gegeben werden, vor allem von Bertelsmann und den zu diesem Konzern gehörenden Wirtschaftsinstituten, des Instituts der Deutschen Wirtschaft und des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans Böckler-Stiftung kommt das Kind nur als Störfaktor vor. Es wird von „Rendite“ geschwärmt, welche die Investitionen in staatliche Kinderbetreuung abwürfen und vom „ökonomischen Charme der Familie“.
Auch der Politik geht es nicht plötzlich um Unterstützung der Familien, sondern um „betriebswirtschaftliche Effekte familienfreundlicher Maßnahmen“. Unter der Überschrift „Familienfreundliche Gesellschaft“ wird im Koalitionsvertrag daher das Ziel genannt, eine Erwerbsquote von Frauen auf über 60% anzustreben. Auf diese Weise will man darüber hinaus Projekte wie Gender-Mainstreaming – unter dem Namen Gleichstellung und Geschlechtergerechtigkeit getarnt - und frühe Einflussnahme auf die Kindheit erzwingen. Der Nutzen für die Eltern, ihre lückenlose Erwerbsbiographie zu organisieren oder zumindest die Babypause zu verkürzen, bleibt zwiespältig, wie später noch gezeigt werden wird. Die Hoffnung, dass sich durch diese „familienfreundliche“ Maßnahme die Geburtenrate steigern ließe, hat sich verständlicherweise nicht erfüllt, denn viele Eltern sehen nicht ein, weshalb sie Kinder in die Welt setzen sollen, die kurz nach der Geburt fremdbetreut werden müssen. Das Grausame an dieser Kita-Lüge ist jedoch, dass das Leiden der zu früh von ihren Eltern getrennten Kleinkinder als Familienfreundlichkeit bezeichnet wird.
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