Erdogan kann seinen Faschismus nach Europa tragen
Erdogan kann seinen Faschismus nach Europa tragen
Datum: 15.05.2015, 15:18
Der türkische Präsident Erdogan hat türkischen Wahlkampf in Deutschland gemacht. Schon wieder. Das ist mehr als provozierend. Denn in ganz Europa sind für Politiker Wahlkampfauftritte im Ausland eigentlich absolut tabu. Noch viel provozierender aber ist das, was er dabei gesagt hat. Freilich: Schuld daran, dass er das sagen konnte, sind Deutschland & Co. Und zwar gleich in zweifacher Hinsicht.
Zu Sommerbeginn gibt es in der Türkei Parlamentswahlen. Erdogan will dabei eine so starke Mehrheit erringen, dass er das parlamentarische System in ein autoritäres Präsidialsystem nach Muster südamerikanischen Caudillos verwandeln kann. Auch das ist schlimm – aber letztlich Angelegenheit der Türken selbst.
Keineswegs nur türkische Angelegenheit, sondern fast schon eine Kriegserklärung an Deutschland ist jedoch das, wenn Erdogan jetzt in Karlsruhe gesagt hat:
- Die Türken in Deutschland seien „unsere Macht außerhalb des Landes“.
- Sie seien die „Stimme der Nation“.
- „Je stärker unser Zusammenhalt in der Welt, umso stärker sind wir alle.“
- Die Errichtung der „Neuen Türkei“ beginne in Deutschland.
- Die Türken in Deutschland sollen die Werte, die Religion und die Sprache ihrer Heimat bewahren.
Mit diesen Worten macht Erdogan seine Behauptung, er wäre aber eigentlich schon für eine Integration der Türken in Deutschland, geradezu lächerlich. Was für eine Integration soll das sein? Was bliebe dafür denn noch über, wenn alles türkisch bleiben soll?
Mit diesen Worten gibt Erdogan auch offen zu, dass der Islam ein nationales Symbol ist, für den sich die Politik zu engagieren habe. Man stelle sich im Kontrast zu Erdogan vor, dass ein europäischer Politiker seine Landsleute zur Bewahrung des Christentums auffordert. Absolut undenkbar. Das tut kein einziger, weder im Ausland noch im Inland.
Erdogans begeisterte Zuhörer machten zu seinen Worten das Handzeichen der Muslimbrüderschaft (vier Finger). Sie skandierten auf seine Aufforderung hin: „Eine Nation – eine Fahne – ein Vaterland – ein Staat“. Und das in Deutschland, wo schon einmal ein Volkstribun ganz ähnliche Sprüche brüllen hat lassen!
Das ist alles absolut unerträglich. Aber kein deutscher Politiker hat Erdogan umgehend zum Verlassen des Landes aufgefordert. Sie sind alle viel zu sehr mit Jahrestagen zur Erinnerung an längst vergangene Ereignisse beschäftigt. Sie müssen alle schon wieder einmal eine 70 Jahre zurückliegende Vergangenheit bewältigen. Da kann man sich ja nicht gleichzeitig um einen neuen Faschismus kümmern, der sich heute auf deutschem Boden austobt.
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