Beten wir wirklich alle zum gleichen Gott_
Beten wir wirklich alle zum gleichen Gott_
Datum: 31.03.2016, 09:32
Das sind Worte, die einem die Kehle zuschnüren. Wenn der Papst Recht hätte, dann wäre etwa jener syrische Priester ein Dummkopf, der sich drei Monate unter den schlimmsten Foltern des „Islamischen Staates“ geweigert hat, zum Islam überzutreten. Er hätte das ja locker tun können, ist doch eh der gleiche Gott. Warum sich da lange misshandeln lassen? Dasselbe gilt für die vielen Tausenden Christen, die in der gegenwärtigen, der größten Christenverfolgung der Geschichte getötet werden. Sie hätten doch nur sagen müssen: Wir glauben ab jetzt eh an Allah. Und schon wären sie davongekommen.
In der Papstes Warte waren wohl auch die Urchristen dumm. Hätten sie doch einfach auch Jupiter&Co ein Opfer gebracht, und schon hätten sie sich das Martyrium erspart. Jupiter, Allah – alles eins.
Natürlich kann es nur einen Gott geben. Das ist ja nicht die Frage. Die Frage kann doch nur sein, ob es auch nur die geringste Wahrscheinlichkeit gibt, dass er sich über einen Kriegsherrn mit Kindern als Sexualpartnern und ein Buch voller Mordaufrufe geoffenbart haben kann. Das muss doch auch Papst Franziskus begreifen.
Nein, ich fange mit diesem Papst nichts an. Ich fange mit meinem einfachen Pfarrer tausend Mal mehr an. Nur Leute wie er halten mich im Christentum und nicht dieses Allerweltsgerede aus Rom, das in ökonomischen Fragen überdies die Wiederauferstehung des längst toten Marxismus bedeutet, wenn seine Phrasen überhaupt etwas bedeuten.
Gewiss, Papst Franziskus ist viel medienattraktiver und mengenwirksamer, als es seine kranken Vorgänger in den letzten 20 Jahren waren. Aber kann das entscheidend sein? Die Franziskus-Vorgänger haben zweifellos den Gläubigen geistig viel mehr mitgegeben als er. An ihnen hat man sich relativ oft relativ gut orientieren können, ohne auch da allem sklavisch recht zu geben.
Auch wenn viele Bischöfe so tun, als ob der Papst – und zwar zufällig immer gerade der jeweils amtierende – in allem und jedem absolut Recht hätte, so zwingt die normalen Christen nichts, das auch so zu sehen. Sie werden das vor allem dann nicht tun, wenn sie schon ein paar Jahre gelebt und erlebt haben, dass sich die Aussagen einzelner Päpste oft ganz fundamental voneinander unterscheiden. Dass also schon rein logisch nicht alles gleich wahr und gleich gültig sein kann, was da jeder einzelne gesagt hat.
Es ist oft nur noch peinlich, wie sehr der Katholizismus heute in verschiedene Glaubensrichtungen zerfällt. Wo die einen an Papst Franzsiskus, die anderen an Papst Benedikt glauben. Wo für die einen Pius XII. das größte Kirchenereignis im 20. Jahrhundert gewesen ist, für die anderen das Vatikanische Konzil.
Viel wichtiger wäre es, dass die Christen endlich zu einem neuen, zentral auf der Basis der Osterbotschaft (nicht irgendeinem Zeitgeist) stehenden Selbstbewusstsein kommen. Und dass sie zumindest hie und da ohne ständige rituelle Selbstbezichtigungen auskommen. So richtig es ist, dass in 2000 Jahren Kirchengeschichte viele Verbrechen im vermeintlichen Namen der Kirche(n) begangen worden sind, so ist es ebenso richtig, dass im Namen der Kirche(n) unglaublich viel Gutes getan worden ist und wird.
Vor allem sollten sich die Christen gerade in Zeiten der Bedrohung und einer von manchen Bischöfen ignorierten Völkerwanderung wieder viel stärker bewusst werden, dass die Botschaft des Neuen Testaments an ethischer Qualität sämtliche anderen religiösen und philosophischen Texte der Menschheitsgeschichte weit übertrifft.
Überdies sollten sie sich wieder mehr bewusst werden, dass im größten Teil der Geschichte Bischöfe auch einen Schutzauftrag gegenüber ihren Gläubigen gehabt haben. Es dürfte aber auch ein paar Mal öfter als derzeit üblich gesagt werden, dass der Kirche viel in die Schuhe geschoben wird, was ganz andere Ursachen und Zusammenhänge hat.
Vollständiger Beitrag erschienen auf: andreas-unterberger.at
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