Wodurch zeichnen sich Ideologien aus_
Wodurch zeichnen sich Ideologien aus_
Datum: 27.02.2011, 10:27
Ideologien sind wie Krankheiten oder böse Geister. Sie breiten sich aus und beherrschen lange Zeit das Denken und Leben der Menschen. Die meisten Menschen können sich ihnen nicht entziehen. Wie narkotisiert folgen sie ihnen. Auch ansonsten aufgeklärte und kritische Menschen fahren auf sie voll ab und schalten bei ihrer Beurteilung ihre Kritikfähigkeit völlig aus. Alle Ideologien haben gemeinsame strukturelle Merkmale.
Zunächst ist die Aufteilung der Gesellschaft in entgegengesetzte Gruppen zu nennen: die Dichotomisierung der Gesellschaft. Im Nationalismus herrscht die Dichotomie zwischen den Angehörigen der eigenen Nation und den Angehörigen anderer Nationen (z.B. zwischen Deutschen und Nicht-Deutschen); im Kommunismus die zwischen Proletariern und Bourgeois (in der Spätphase des real existierenden Sozialismus zwischen den Mitgliedern der kommunistischen Partei und den Nicht-Mitgliedern der kommunistischen Partei); im Rassismus die zwischen Weißen und Schwarzen, im Feminismus die zwischen Männern und Frauen.
In jeder Ideologie wird ferner eine gesellschaftliche Gruppe gegenüber der anderen als überlegen betrachtet: im Nationalismus die Angehörigen der eigenen Nation gegenüber den Angehörigen der anderen Nationen, im Kommunismus die Proletarier gegenüber den Bourgeois beziehungsweise die Mitglieder der kommunistischen Partei gegenüber den Nicht-Mitliedern der kommunistischen Partei, im Rassismus Weiße gegenüber Schwarzen, im Feminismus Frauen gegenüber Männern. Beispielsweise werden im deutschen Nationalismus die Deutschen gegenüber den Nicht-Deutschen als überlegen dargestellt: Sie sind fleißiger, disziplinierter, willensstärker, haben einen überlegenen Organisationssinn usw. Im Kommunismus werden die Proletarier bzw. die Angehörigen der kommunistischen Partei als überlegen gegenüber den Bourgeois bzw. den Nicht-Mitgliedern der kommunistischen Partei betrachtet: Sie haben ein höheres Bewusstsein und somit den Einblick in den notwendigen Gang der Geschichte. Sie wissen, was für die Menschen gut ist und wie man handeln sollte. Im Rassismus werden Weiße gegenüber Schwarzen in jeder Hinsicht, vor allem in der intellektuellen, als überlegen hingestellt. Schwarze sind für weiße Rassisten eigentlich gar keine Menschen. Im Feminismus sind Frauen gegenüber Männern überlegen: Sie werden als weniger aggressiv und gewalttätig, einfühlsamer, fürsorglicher, ferner flexibler und kommunikativer als Männer dargestellt. Sie sind Männern moralisch überlegen. Eine von Frauen bestimmte Welt wäre friedlicher und humaner. Gestützt werden die Idealisierungen der überlegenen Gruppe durch permanente mediale Propaganda und durch pseudowissenschaftliche oder gekaufte Studien.
Eine Folge dieses Überlegenheitswahns ist die Zentrierung der Aufmerksamkeit auf die überlegene Gruppe. Den Angelegenheiten der Arbeiter wurde im real existierenden Sozialismus besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Mit der Zeit galt die Aufmerksamkeit immer mehr der Avangarde der Arbeiterklasse, den Mitgliedern der kommunistischen Partei, die überall als Vorbilder dargestellt wurden. In unserem feministischen Zeitalter wird Frauen, ihren Bedürfnissen, Wünschen, Interessen, Zielen usw. besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Eine zentrale Rolle spielen bei der Zentrierung der Aufmerksamkeit auf die überlegene Gruppe die Mainstream-Medien. Sie verkommen zu einem Instrument von Ideologien.
Ideologien dringen in alle Bereiche des Lebens, in Politik, Recht, Wirtschaft, Wissenschaft, Bildung, Sprache, Kunst usw., ein. Dies macht ihren totalitären Charakter aus. Die Nationalisten weisen bei der Behandlung eines beliebigen Themas immer auf die Rolle der eigenen Nation hin. Der Nationalcharakter soll überall hervorgehoben werden, alles soll dem Wohl der eigenen Nation dienen. Im real existierenden Sozialismus hat die marxistische Ideologie alle Bereiche des Lebens beherrscht. Man konnte nicht über ein Thema sprechen, ohne auf die Klassenzugehörigkeit der Akteure einzugehen. Heute kann man nicht über etwas sprechen, ohne dass dabei gefordert wird, auf die Anzahl oder die Rolle von Frauen zu achten.
Der Anspruch von Ideologien zielt auf die Gestaltung des ganzen Lebens, d.h. nicht nur des öffentlichen, sondern auch des privaten. Im real existierenden Sozialismus mischten sich die Machthaber in die Familienplanung ein: die Familie mit drei Kindern war zeitlang das propagierte Vorbild. Was wenig bekannt ist: Die Kommunisten schrieben den Menschen eine „sozialistische Sexualmoral“ vor. In den von den Nationalisten regierten Staaten stand die Fortplanzung der Angehörigen der eigenen Nation unter besonderer Beobachtung. Sie wurde besonders gefördert. Auch die Nationalisten hatten eine eigene „Sexualmoral“. Der Feminismus hat einen starken Einfluss auf private Beziehungen zwischen Männern und Frauen und sogar auf die frühesten Interaktionen zwischen Jungen und Mädchen. Er mischt sich in die intimsten sexuellen und emotionalen Angelegenheiten von Männern und Frauen ein (sexual politics). Das Projekt des Gender-Mainstreaming spielt in diesem Zusammenhang eine wichtige Rolle.
Mit den meisten Ideologien ist ein Heilversprechen verbunden. Der Kommunismus spricht von einer zukünftigen klassenlosen Gesellschaft ohne Ausbeutung und Unterdrückung. Alle Menschen werden in dieser Gesellschaft gleich sein. Sie werden wie Brüder solidarisch handeln. Der Feminismus verspricht seinen Anhängerinnen die Befreiung von traditionellen Geschlechterrollen, von dem Unterdrücker Mann, eigentlich die Befreiung von allem, was Frauen behindert. Zu dem Heilversprechen gehört die Schaffung von unbegrenzten Entfaltungs- und Selbstverwirklichungsmöglichkeiten für Frauen sowie einer besseren femininen Welt („die Zukunft gehört den Frauen“, „Planet der Frauen“). Menschen haben sich immer schon von Heilversprechen magisch angezogen gefühlt. Sie projizieren in sie ihre intimsten Wünsche und Hoffnungen.
Zwar kann man sich damit trösten, dass Ideologien irgendwann vergehen, doch bis dahin richten sie immer großen Schaden an. Kritische Bürger sollten zunächst in der Lage sein, Ideologien zu erkennen. Ferner sollten sie auf der Hut sein vor ihrer Ausbreitung, um ihr rechtzeitig einen Riegel vorzuschieben.
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