Was wird aus den deutsch-russischen Beziehungen_
Was wird aus den deutsch-russischen Beziehungen_
Datum: 22.10.2023, 13:12
Der Krieg in der Ukraine geht weiter. Täglich sterben Ukrainer und Russen. Der Graben zwischen europäischen Völkern wird immer tiefer. Europa zerfällt. In Deutschland sind Russen seit Beginn des Krieges Anfeindungen ausgesetzt. Alles Russische wird ausgeschlossen - auch die russische Kultur. Gestern war ich auf der Frankfurter Buchmesse. Ich habe lange nach dem russischen Stand gesucht, bis ich erfuhr, dass Russland diesmal gar nicht auf der Buchmesse vertreten ist. Ich habe mich selbst und dann meine Freunde gefragt: Was können Puschkin, Dostojewski, Tolstoi, Tschechow und andere dafür, dass Russland in die Ukraine einmarschiert ist?
Umso wichtiger ist es, dass es in Deutschland Menschen gibt, die sich um Frieden und um gute deutsch-russische Beziehungen bemühen. Alexander von Bismarck, der Großneffe des Kanzlers Otto von Bismarck, bemüht sich darum schon seit Jahrzehten. Ich verweise an dieser Stelle auf das Interview "Begegnungen, die zum Frieden führen", das er neulich dem Sender Kontrafunk gegeben hat. Der Anlass für dieses Interview ist das von ihm herausgegebene Buch Begegnungen zwischen Russen und Deutschen: Eine Anthologie der Verständigung. Im Klappentext der Anthologie heißt es:
"In dieser literarischen Anthologie zeigen siebenunddreißig Autoren mit Erzählungen, Gedichten, kleinen Essays und einer Bildgeschichte, wie in Vergangenheit und Gegenwart persönliche Begegnungen zwischen Russen und Deutschen unbeschadet von allen politischen Verwerfungen funktionierten und funktionieren. Außerdem stellt der Herausgeber mit seinem Bismarck-Dialog auf Schloß Döbbelin ein Projekt des konstruktiven Austauschs und der Verständigung vor. Ein Zeichen inmitten neu entflammter Ausgrenzung und Kontaktscheu."
Die Anthologie soll zwar unpolitisch sein und zwischenmenschliche Beziehungen in den Vordergrund stellen. Doch kann dieses Thema heutzutage unpolitisch behandelt werden?
In meinem Beitrag für die Anthologie, versehen mit dem Titel "Russland gehört zu Europa", schreibe ich im Hinblick auf die (Fehl-)Entwicklung der letzten 30 Jahre:
"Ich bedauerte es, dass Russland nicht in die westlichen Strukturen, also die Nato und die EU aufgenommen wurde und dass der Westen nicht zusammen mit Russland die Herausforderungen unserer Zeit - wie zum Beispiel den Kampf gegen den Terrorismus – in Angriff genommen hat. Die kulturelle Einheit, die zwischen dem Westen und Russland besteht, hätte durch eine politische erweitert werden können. Dabei hätte Deutschland, auch aufgrund der leidvollen europäischen Geschichte, eine Brücke zwischen beiden sein können."
Es kann Generationen dauern, bis sich die deutsch-russischen Beziehungen wieder normalisieren. Angesichts der wechselvollen deutsch-russischen Geschichte, des Ukraine-Krieges und der Verschlechterung der deutsch-russischen Beziehungen ist die von Alexander von Bismarck herausgegebene Anthologie ein Dokument der Friedenssuche und der Verständigung.
Alexander von Bismarck (Hrsg.), Begegnungen zwischen Russen und Deutschen: Eine Anthologie der Verständigung, Arnshaugk 2023.
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