Warum Gender-Mainstreaming einen radikalen Biologismus bedeutet

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Warum Gender-Mainstreaming einen radikalen Biologismus bedeutet
Datum: 27.11.2014, 22:53

In der Gender-Theorie geht man davon aus, dass es einen Unterschied zwischen dem biologischen Geschlecht (sex) und dem sozialen Geschlecht (gender) gibt.

Das soziale Geschlecht ist für die Gender-Theorie die zentrale identitätsstiftende Kategorie. Gender ist nicht nur sozial gebildet, sondern es kann auch frei gewählt werden: Eine Person, die biologisch Mann ist, kann sich als Frau fühlen bzw. verstehen und umgekehrt.

Prominente Gender-Forscherinnen gehen sogar davon aus, dass auch das biologische Geschlecht sozial konstruiert ist, denn auch biologische Sachverhalte sehen wir aus einer sozialen Perspektive heraus. Außerdem wird der menschliche Körper durch soziale Faktoren entscheidend geprägt. Der Biologismus, dem zufolge das biologische Geschlecht eine entscheidende Rolle für die Entwicklung des Menschen spielt, wird daher von den Gender-Forscherinnen strikt abgelehnt.

In der Umsetzung der Gender-Theorie in die konkrete politische Praxis, also in der Politik des Gender-Mainstreamings, sieht es jedoch ganz anders aus: Von den Förderprogrammen und anderen Maßnahmen des Gender-Mainstreamings (z.B. von der Frauenquote) profitieren fast ausschließlich Frauen, und zwar aufgrund ihres biologischen Geschlechts. So sind beispielsweise die ca. 250 Lehrstühle für Gender Studies fast ausschließlich von Frauen besetzt. An dem sog. Professorinnenprogramm, dessen Ziel es ist, Frauen auf Professorenstellen zu hieven, und an unzähligen anderen Förderprogrammen dürfen nur Frauen teilnehmen, und zwar aufgrund ihres biologischen Geschlechts. Das bedeutet, dass eine Person, die biologisch Mann ist, sich aber als Frau versteht, an den Frauenförderprogrammen nicht teilnehmen darf. Auch die Mädchenförderung in den MINT-Fächern hat einen biologistischen Hintergrund: Es wird angenommen, dass sich Jungen quasi von Natur aus für MINT-Fächer interessieren und daher keine besondere Förderung brauchen.

Professor Günter Buchholz, einer der prominentesten Kritiker der Gender-Theorie und der mit ihr verbundenen Politik des Gender-Mainstreamings, hat in dem Artikel „Der radikale Biologismus des Gender-Mainstreamings“ auf die oben genannte Paradoxie hingewiesen. Er schreibt:

„Wer also im Zusammenhang mit Frauenquoten die Gender-Kategorie benutzt, der befindet sich bereits in einem logischen Selbstwiderspruch, weil gender keinen Geschlechtsdimorphismus – also die Geschlechterpolarität von Mann und Frau – kennt.

Die Forderung nach Frauenquoten ist eine Forderung ausschließlich anhand eines biologischen Merkmals, nämlich der Geschlechtszugehörigkeit als Frau (vgl. dazu auch "Von Natur aus besser? Der Biologismus hinter der Frauenquote in Aufsichtsräten").“

Der Publizist Dr. Andreas Unterberger hat in dem Artikel "Die skurrilen Resultate der Genderunlogik" vorgeschlagen, die Frauenquoten-Regelung folgendermaßen zu unterlaufen:

„Jeder Kandidat muss sich nur als Frau deklarieren (mit oder ohne Stöckelschuhe); und schon ist eine Frauenquote erfüllt. Und das wollen künftig logischerweise auch clevere deutsche Unternehmen machen.“

Ich fürchte, dass das aufgrund des radikalen Biologismus des Gender-Mainstreamings nicht funktionieren wird.

 

Sven von Storch

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