Meinungsfreiheit an deutschen Universitäten

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Meinungsfreiheit an deutschen Universitäten
Datum: 27.10.2011, 14:11

 

Der israelische Historiker Martin van Creveld sollte an der Universität Trier als Gastprofessor Vorträge zum Thema „Krieg und Frauen“ halten. Nach seinem ersten Vortrag „Männer, Frauen, Kriegsspiele und Kultur“ wurde er von der Universität ausgeladen. Er behauptete darin unter anderem, dass viele Frauen es genießen würden, dabei zuzuschauen, „wie Männer sich gegenseitig abschlachten“. Man muss dieser These und auch anderen Meinungen des Wissenschaftlers nicht zustimmen. Es geht hier um die Frage, wie es um die Meinungsfreiheit und um den Umgang der Universität mit Andersdenkenden steht.

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Universität Trier, bestehend aus linken Hochschulgruppen, hat die Thesen von van Creveld als „frauenfeindlich, militaristisch, anti-israelisch, vulgärwissenschaftlich und methodisch primitiv“ bezeichnet und seine Ausladung gefordert. Die Universitätsleitung, allen voran der Dekan des Fachbereichs Ulrich Port, beugte sich dem Druck des AStAs und löste den Vertrag mir dem Gastprofessor auf. Der Dekan räumte ein, dass ihm seine Thesen über Frauen und Krieg nicht bekannt waren. Erst eine Stunde vor dem Vortrag habe ihm eine Assistentin den Wikipedia-Eintrag über den Gastprofessor vorgelegt. „Erst zu diesem Zeitpunkt ahnte ich, was da auf uns zukommt“, sagte er dem SPIEGEL. Und weiter: „Hätte ich schon früher mehr über van Creveld gewusst, wäre ich kategorisch gegen seine Gastprofessur gewesen ... Das, was er über Frauen äußert, ist nicht wissenschaftlich, sondern eine Anreihung von Klischees, die insbesondere mit dem aktuellen Stand der Geschlechterforschung nichts zu tun haben.“

Demnach müsste man das Fach „Gender Studies“ abschaffen, denn es zeichnet sich durch Voreingenommenheit, unzulässige Verallgemeinerungen, Sexismus und Männerfeindlichkeit aus. Es werden dort männerfeindliche Klischees verbreitet, die dem Stand der wissenschaftlichen Forschung nicht entsprechen. Man dürfte auch prominente Feministinnen wegen männerfeindlicher Äußerungen nirgendwo einladen, wie z.B. Alice Schwarzer („Alle Männer sind potentielle Vergewaltiger“) oder Thea Dorn („Männer sind wie Hunde“).

Offensichtlich wird jede Meinung, die der feministischen Sicht widerspricht, als „frauenfeindlich“ bezeichnet. „X ist frauenfeindlich“ ist ein Totschlagargument. Der Feminismus wird in unserer Zeit als eine heilige Lehre betrachtet, der man wie dem Christentum im Mittelalter nicht widersprechen darf. Dabei war der Feminismus ursprünglich eine kritische Theorie, die auch ihre eigenen Voraussetzungen in Frage stellte.

Martin van Creveld hat die Reaktionen der studentischen Vertreter und der Hoschulleitung kritisiert. Die Resonanz auf den Vortrag war in seinen Augen überwiegend positiv: „Es gab einen beachtlichen Applaus, gefolgt von einer Diskussion, die länger dauerte, als der Vortrag selbst.“ „Anstatt mich direkt mit den Vorwürfen zu konfrontieren, haben sich linke Organisationen zu Wort gemeldet, deren Vertreter bei der Vorlesung nicht anwesend waren“, erklärte der Historiker. Bei einem an den Vortrag anschließenden Abendessen mit Trierer Professoren habe keiner der Hochschullehrer seine Äußerungen kritisiert. Die Universitätsleitung hat den Historiker als „Koryphäe“ bezeichnet.

Martin van Creveld hat in Trier erfahren, „dass einige deutsche Studenten nichts aus der Bücherverbrennung von 1933 gelernt“ haben. Unter den deutschen Akademikern gebe es „Feiglinge, die die Meinungsfreiheit und ihre Kollegen opfern würden, damit sie sich keinen Ärger einhandeln.“

 

Sven von Storch

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