Männerdiskriminierung
Männerdiskriminierung
Datum: 29.05.2010, 19:04
An der Universität Linz wurden Assistentenstellen ausschließlich für Frauen ausgeschrieben, berichtet „Die Presse“
diepresse.com/home/bildung/universitaet/569436/index.do
Betroffen von diesen Gleichstellungsmaßnahmen sind drei Fakultäten. Die Universität übertitelt die Ausschreibungen mit „Frauenstellen“. Bewerbungen von Männern werden gar nicht angenommen. Manfred Rathmoser, der Sprecher der Universität Linz, behauptet, dass diese Maßnahmen keine Diskriminierung darstellen. Laut EU-Recht seien „spezifische Vergünstigungen für ein Geschlecht zulässig“, wenn diese zur Aufhebung von Diskriminierungen führen. Und Frauen seien in der Wissenschaft unterrepräsentiert.
Dass die Unterrepräsentanz von Frauen keine Folge ihrer Diskriminierung sein kann, sondern eine Folge davon, dass es in bestimmten Fächern mehr besser qualifizierte Männer als Frauen gibt, wird natürlich nicht in Betracht gezogen. Qualifikation als Auswahlkriterium scheint an der Uni Linz kein Thema zu sein. Oder: Dass Frauen und Männer unterschiedliche Interessen und Lebensentwürfe haben, weswegen es in technischen und mathematischen Fächern immer noch wenig Frauen gibt, scheint die Zuständigen in Linz offensichtlich auch nicht zu interessieren.
Christian Funk, Experte für öffentliches Recht an der Universität Wien, konstatiert nach einer Analyse der Ausschreibung: „Ich halte sie gelinge gesagt für rechtlich problematisch.“ Zwar dürfen im öffentlichen Dienst Frauen bei Stellenvergabe bevorzugt werden, doch dürfen Männer nicht automatisch ausgeschlossen werden. Es ist illegal, Männern nicht mal die Chance zu geben, sich zu bewerben und ihre Qualifikation zu präsentieren. Funk bezieht sich dabei auf die Judikatur des Gerichtshofs der Europäischen Union (EuGH).
Wie können Männer gegen solche Diskriminierungen vorgehen? Nach Funk können sie sich trotzdem bewerben, dann den Rechtsweg bestreiten und Schadenersatz sowie eine immaterielle Entschädigung erlangen. Um welchen Schadenersatz oder welche Entschädigung es sich handeln könnte, sagt uns Herr Funk leider nicht.
In dem hier vorliegenden Fall ist aber eh alles gelaufen. Die Bewerbungsfrist ist vorbei und kein Mann hat sich beworben. Die Stellen können nicht neu ausgeschrieben werden. „Die Presse“ konstatiert: „Ist der Posten einmal an sie (die betreffenden Frauen) vergeben, kann ihnen dieser nicht mehr weggenommen werden – auch wenn die Ausschreibung nicht korrekt war.“
Abschließend bleibt aber doch die Frage, warum sich die männlichen Wissenschaftler an der Uni Linz gegen ihre Diskriminierung nicht wehren. Warum organisieren sie sich nicht? Warum treten sie für ihre Interessen und Rechte nicht ein? Warum gibt es keine Protestaktionen? Warum klagen sie nicht trotz der offensichtlich aussichtslosen rechtlichen Lage?
Zukünftige Diskriminierungen können nur dann vermieden werden, wenn die Betroffenen die Missstände benennen und sich für ihre Rechte einsetzen. Kein System ist unzerstörbar, auch nicht das Gleichstellungssystem. Der Untergang des Osblocks hat gezeigt, dass ein scheinbar unzerstörbares System wie ein Kartenhaus zusammenbrechen kann.
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