Immer wieder die Vorstandsetagen

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Immer wieder die Vorstandsetagen
Datum: 05.02.2011, 07:13

 

In den Medien-Beiträgen und in den Äußerungen von Politikern über die Frauenquote wird immer wieder die Behauptung geäußert, dass die Vorstandsetagen der DAX-Unternehmen fest in Männerhand sind. Sie wird wie automatisch wiederholt. Wie Pawlowsche Hunde wiederholen Verantwortliche in Medien und Politik, dass Männer Frauen den Zugang zu Vorstandsetagen versperren, dass eine „gläserne Decke“ besteht, die Frauen an ihren Karrieren behindert. Selten werden diese Behauptungen reflektiert oder kritisch unter die Lupe genommen.

Es ist eine Tatsache, dass die meisten Stellen in den Vorständen von Männer besetzt sind. Doch muss diese Stellenverteilung nicht eine Folge der Frauendiskriminierung sein. Es kann eine Folge davon sein, dass sich Frauen weniger als Männer für diese Posten interessieren oder dass Männer für diese Posten im Durchschnitt besser qualifiziert sind als Frauen, sich dafür - aus welchen Gründen auch immer – im Durchschnitt bessser eignen als Frauen.

Zweitens ist es nicht richtig, im Falle der Vorstandsetagen von „Männerhand“ oder „Männerbünden“ zu sprechen, denn die Personen, die dort arbeiten, tun es nicht in ihrer Eigenschaft als Männer, sondern als Manager. Noch besser: Sie tun es als Individuen und nicht als Repräsentanten ihres Geschlechts.

Der Arbeitsrechtler Prof. Dr. Jobst-Hubertus Bauer, eine der ganz wenigen Stimmen der Vernunft in der Debatte um die Frauenquote, betont in einem Interview für die „Wirtschaftswoche“: „Das Ziel von Diskriminierungsverboten liegt gerade darin, dass jeder Mensch im Arbeitsleben als Individuum und nicht als Mann oder Frau bewertet wird.“ Über die Frauenquote schreibt er: „Eine starre Quote, die als Ergebnis einen bestimmten Anteil des bislang unterrepräsentierten Geschlechts verlangt, stellt lediglich aus der Vogelperspektive vermeintlich Gerechtigkeit her. Bei der individuellen Auswahlentscheidung kann sie jedoch zu einer massiven Benachteiligung von Angehörigen des anderen Geschlechts führen. Stellen Sie sich vor, in einem Unternehmen muss ein Vorstandsposten neu besetzt werden. Es stehen vier Männer und eine Frau zur Auswahl, die grundsätzlich für die Stellung geeignet wären. Einer der Männer ist deutlich besser qualifiziert als die Frau. Wenn aber die Frauenquote bislang nicht erfüllt ist, muss sich der Aufsichtsrat trotzdem für die schlechter qualifizierte Frau entscheiden. Dann wird der männliche Bewerber allein aufgrund seines Geschlechts benachteiligt. Eine starre Quote verstößt daher gegen Artikel 3 des Grundgesetzes.“

Drittens handelt es sich bei den Vorstandsposten der DAX-Unternehmen um ca. 800 Stellen. Die Millionen von Männern aus der Unter- und Mittelschicht, aber auch die meisten Männer aus der Oberschicht haben nichts davon, dass ihre „Geschlechtsgenossen“ eine Mehrheit in den Vorständen bilden. Trotzdem wird der Umstand, dass es in den Vorständen mehr Männer als Frauen gibt, als Beleg für die Ungleichbehandlung und die Diskriminierung von Frauen betrachtet. Das müsste doch besonders den linken Zeitgenossen auf die Nerven gehen, die sich früher immer für eine schichtenspezifische Betrachtung der Diskriminierung ausgesprochen haben.

Und noch etwas zur Quoten-Debatte der letzten Tage: Es verwundert, dass sich ehemals kritische Blätter wie „Der Spiegel“ völlig unkritisch und unreflektiert für die Frauenquote aussprechen. Für wiederholte unkritische und unreflektierte Befürwortung von etwas gibt es noch ein anderes Wort: Propaganda.

Das Interview mit Prof. Dr. Jobst-Hubertus Bauer:

www.wiwo.de/blogs/management/2011/02/03/das-ziel-ist-den-mensch-als-individuum-zu-bewerten-nicht-als-mann-oder-frau/

 

Sven von Storch

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