Freiheit und Angst
Freiheit und Angst
Datum: 31.12.2010, 23:45
Die Generation meiner Eltern hatte große Aufgaben: die Befreiung vom Totalitarismus, der Kampf für die Meinungsfreiheit und der Aufbau des politischen Pluralismus. In Deutschland und in den Ländern des ehemaligen Ostblocks war das Erringen der staatlichen Souveränität ebenfalls eine wichtige Aufgabe dieser Generation.
Heute stehen wir vor einer anderen, noch fundamentaleren Aufgabe: die Überwindung der Angst, der Angst, sich frei zu äußern, aber auch der Angst um Geld, Job oder Karriere. Was bringt uns die schwer erkämpfte Freiheit, wenn wir Angst haben? Eins steht fest: Angst und Freiheit vertragen sich nicht. Haben wir Angst, können wir nicht sagen und machen, was wir möchten. Angst behindert uns, Angst zerstört die Freiheit.
Dass viele Menschen Angst haben, ihre Meinung offen und frei kundzutun, hat etwas mit dem Phänomen der Politischen Korrektheit zu tun. Aber nicht nur. Auch andere Faktoren spielen dabei eine wichtige Rolle, wie zum Beispiel Ansehen, Gesichtsverlust, Prestige oder sozialer Druck. Viele Menschen beugen sich lieber dem Diktat des Mainstreams.
Aber auch die Kommunikation im Internet, also an einem Ort des angeblich freien Meinungsaustausches, ist nicht angstfrei. Das wichtigste Zeichen dafür ist meines Erachtens die Anonymisierung der Meinungsäußerung. Ich kann nachvollziehen, dass es Gründe geben kann, im Internet anonym zu bleiben. Bejahen kann ich es nicht.
Viele Menschen haben Angst, im Internet ihre Meinung unter eigenem Namen zu äußern. Warum ist das so? Wovor haben sie denn Angst? Auch Anonymität und Meinungsfreiheit vertragen sich nicht. Oder doch?
Eine Gesellschaft ist erst dann frei, wenn die Menschen keine Angst haben, ihre Meinung frei, öffentlich und unter eigenem Namen zu äußern. Davon sind wir noch weit entfernt.
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