Die Zeit der Grünen ist vorbei

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Die Zeit der Grünen ist vorbei
Datum: 19.09.2011, 10:43

 

Die Wahl in Berlin stellt eine historische Zäsur dar. Die Piraten sind mit neun Prozent ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen. Zwar konnten die Grünen ihr Wahlergebnis im Vergleich zur Vorwahl von 13 auf 18 Prozent verbessern, doch die Berliner Wahl zeigt, dass sich immer mehr junge Menschen von ihnen abwenden. Insgesamt wechselten von den Grünen zu den Piraten 16.000 Wähler – die größte Abwanderungsgruppe bei den Grünen.

Die Grünen standen jahrzehntelang für alles Neue, Fortschrittliche, Progressive, für alles Schicke und Postmoderne. Doch sie gehören inzwischen zum Establishment und sprechen immer weniger junge Menschen an. Die Piraten haben die jahrzehntelange Monopolstellung der Grünen gebrochen. Sie sind die neuen Progressiven. Viele von ihnen arbeiten in kreativen Berufen, setzen in zukunftsträchtigen Branchen Maßstäbe. Die Piraten sind frisch, offen und freiheitlich gesonnen. Sie stehen für eine neue Zeit, für die Zeit des Internets. Sie sind dementsprechend positiv zu neuen Medien, zur Technik und zum Fortschritt eingestellt. Die Piraten möchten eine Alternative zu den etablierten Parteien sein. Das erinnert an die Wahlslogans der Grünen Ende der 70er und Anfang der 80er Jahre, als sie die Parteienlandschaft revolutioniert haben.

Was wichtig ist: Die Piraten sind nicht so ideologisch verbohrt wie die Grünen. Der moralische Zeigefinger der Grünen fehlt ihnen völlig. Wir erinnern uns: Die Grünen sind in Opposition zu ihrer Elterngeneration, zu Vergangenheit und Tradition entstanden. Dieser Protest war einerseits notwendig, hat aber andererseits Schuldgefühle verstärkt und Denkblockaden erzeugt. Diese Last tragen die Piraten nicht. Sie sind lockerer und auf die Zukunft gerichtet.

Die Abwanderung der FDP-Wähler zu den Piraten ist ein Thema für sich. Hier nur ganz kurz: Viele Piraten betrachten sich als Nachfolger der FDP. Sie setzen sich für liberale Werte wie mehr Meinungsfreiheit, mehr Bürgerrechte und weniger Staat ein. „Wir sind jetzt die Liberalen der Bundeshauptstadt“, teilte ein Pirat dem Nachrichtenmagazin „Focus“ mit.

Und noch ein Aspekt: Die Piraten werden mehrheitlich von jungen Männern gewählt. Diese Männer sind die Verlierer unserer Gesellschaft. In den etablierten Parteien können sie aufgrund der Frauenquote nur in begrenztem Maße Karriere machen. Durch die allgegenwärtige Frauenförderung und -bevorzugung sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt schlecht. Ihre Arbeitslosenrate ist um 60 Prozent höher als bei den gleichaltrigen Frauen. Viele von ihnen flüchten ins Internet, in virtuelle Welten. Die Piratenpartei ist ihr Sprachrohr.

Sven von Storch

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