Die wahren Gründe für die Invasion in und den Abzug aus Afghanistan

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Die wahren Gründe für die Invasion in und den Abzug aus Afghanistan
Datum: 03.09.2021, 06:11

Es ging bei der Invasion in Afghanistan niemals um die Etablierung von Freiheit, Demokratie, Menschenrechten, Rechtsstaatlichkeit, Zivilgesellschaft usw. Das alles waren nur Vorwände, um das Land anzugreifen und unter Kontrolle zu bringen. Gegenüber der westlichen Öffentlichkeit müsste die Invasion, vor allem die Kosten für diese Invasion, irgendwie gerechtfertigt werden, denn schließlich werden Kriege vom Steuerzahler finanziert.

Die wahren Gründe für die Invasion waren rein geopolitischer Art. Das Ziel der USA und ihrer Partner war ein Angriff auf den Iran. 2001 wurde Afghanistan, 2003 der Irak besetzt, beide Nachbarländer von Iran. Der Iran sollte also von beiden Seiten, vom Osten und vom Westen her in die Zange genommen werden. Es gab immer wieder Drohungen gegen den Iran und phasenweise konkrete Vorbereitungen für den Angriff auf dieses Land (Militärmanöver). Der Krieg war phasenweise ganz nah.

Warum wollten die USA und ihre Verbündeten den Iran unter Kontrolle bringen? Aus vielen Gründen. Erstens stellt der Iran eine Bedrohung für Israel dar. Zweitens hat der Iran einen großen Einfluss auf den Nahen und den Mittleren Osten und kann die ganze Region destabilisierenden. Drittens sind es die allseits bekannten wirtschaftlichen Gründe, also der Zugang zu und der Schutz von Rohstoffressourcen in der genannten Region.

Doch warum sind die USA und ihre Verbündeten aus Afghanistan abgezogen und warum werden sie bald aus dem Irak gänzlich abziehen? Es gibt dafür einige Gründe. Erstens haben die Amerikaner eingesehen, dass eine Eroberung des Iran für sie sehr kostspielig und sehr verlustreich sein würde. Zweitens würde ein Angriff auf den Iran wahrscheinlich einen Weltkrieg bedeuten, denn China und Russland würden sich auf die Seite von Iran stellen. Drittens befinden sich die USA in einer tiefen gesellschaftspolitischen Krise. Wir erinnern uns: Nach dem Tod von George Floyd herrschten in den USA bürgerkriegsähnliche Zustände. Das Land ist tief gespalten. Die USA sind dabei, ihre Rolle als Weltmacht Nr. 1 zu verlieren.

Es bleibt abzuwarten, wie sich die Kräfteverhältnisse im Nahen und Mittleren Osten entwickeln werden. Entscheidend wird dabei das Verhalten Irans und Israels sein. Es ist in den letzten Wochen um Iran, Israel und das Verhältnis beider Länder zueinander verdächtig ruhig geworden. Hoffentlich handelt es sich nicht um die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm.

Buch von Alexander Ulfig, Wege aus der Beliebigkeit. Alternativen zu Nihilismus, Postmoderne und Gender-Mainstreaming, Baden-Baden 2016.

Sven von Storch

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