Die Emotionalisierung des Wahlkampfs

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Die Emotionalisierung des Wahlkampfs
Datum: 14.09.2017, 18:55

Gleich mehrere Kommentatoren machen darauf aufmerksam, dass die postmoderne Abkehr von Logik, Argumentation und Überprüfung, kurz: die Ablehnung von Vernunft, zur Emotionalisierung des gesellschaftlichen und politischen Geschehens führt.

Der Philosoph und Publizist Jürgen Fritz betont in dem Artikel „Der neue Linke wird zum Totalitaristen“, dass mit der Verabsolutierung des Gefühls die Ablehnung von Wahrheit und Objektivität einhergeht. Zur Wahrheitsfeststellung gehört die empirische Überprüfung von Aussagen oder Vorstellungen; es wird überprüft, ob eine Aussage/Vorstellung mit der Realität übereinstimmt. Orientiert man sich an Gefühlen, so wird auf diese Überprüfung verzichtet. „Postmodern Geprägte“, wie Jürgen Fritz sie nennt, können mit Begriffen „Wahrheit“ oder „Objektivität“ nichts anfangen.

„Entscheidend wird jetzt, ob sich eine Vorstellung über die Wirklichkeit angenehm anfühlt. Das Angenehme löst die Wahrheit und das ethisch fundierte objektiv Gute als regulative Idee ab.“

Jürgen Fritz gibt dafür das folgende Beispiel:

„Stellen Sie sich nun einen Richter vor, der sich nicht mehr bemüht herauszufinden, was wirklich geschehen ist, der keine Wahrheitsorientierung hat. Der stattdessen versucht, in der Gerichtsverhandlung einen Narrativ zu erzeugen, welcher sich ausschließlich an den Gefühlen der Prozessbeteiligten orientiert. Dieser Richter wird dann dem am meisten entgegenkommen, der seine Gefühle am lautesten und energischsten vorträgt, selbst wenn dieser der Täter, selbst wenn dieser ein Verbrecher ist.“

Die Gefühlsorientierung spiegelt sich auch in der politischen Auseinandersetzung wider: Es wird nicht mehr auf Argumente und die Überprüfung von Argumenten anhand von Tatsachen geachtet, vielmehr sollen Gefühle erzeugt und mit ihrer Hilfe der politische Gegner diffamiert werden. Dies geschieht vermehrt in Zeiten des Wahlkampfs.

Auch der Politikwissenschaftler Michael Klein beklagt in dem Artikel „Partei der Ewiggestrigen: SPD ganz unten – ärmlich und erbärmlich“ die Abkehr von der Vernunft und die damit zusammenhängende Emotionalisierung des politischen Geschehens (ohne allerdings ausdrücklich auf die Postmoderne als den Grund des Übels einzugehen). Er spricht vom „affektiven Wahlkampf“, der derzeit – vor allem seitens der SPD - geführt wird:

„Affektiver Wahlkampf, der auf der Annahme besteht, man könne Wähler, die sich mit dem Gedanken tragen, AfD zu wählen, affektiv abschrecken, müsse ihnen keine Argumente liefern. Es reiche, die AfD als Schande oder nicht wählbar, als Nazis darzustellen.“

Und er schlussfolgert:

„Wähler über Emotionen zu fangen, nicht über Argumente, die deren Verstand ansprechen, ist ein Akt der Verzweiflung.

Und er wird nach hinten losgehen. Denn diejenigen, die ihre Wahlentscheidung auf Basis von rationaler Erwägung treffen, reagieren auf Argumente, nicht auf Emotionen. (…) Rationale Wähler werden durch den Stil des SPD-Wahlkampfs abgestoßen.“

Ich selbst habe in einigen Artikeln auf den Zusammenhang von postmoderner Ablehnung von Vernunft und Gefühlsorientierung als Grundlage von Politik  - und zwar von gegenwärtiger Geschlechterpolitik – analysiert. Ich zeige, dass Gefühle wie Schuld („Geschlecht und Schuld“), Neid („Geschlecht und Neid“) und Hass („Weiblicher Narzissmus, Männerhass und Frauenpolitik“) dieser Politik zugrunde liegen. 

Und schließlich der Informatiker und Blogger Hadmut Danisch. Er behandelt in dem Artikel "Das elementare Problem des akademischen Gesichts- und Existenzverlustes" den verheerenden Einfluss des postmodernen Ungeistes auf die Wissenschaft. Die von der Postmoderne durchgeführte Destruktion von Logik, rationaler Argumentation, Methode und Überprüfung widerspricht völlig dem Sinn der Wissenschaft, denn in der Wissenschaft geht es gerade um die oben genannten Verfahren. Sie machen die Wissenschaft aus. 

Die Postmoderne ist für Danisch "bedeutungsloses Gerede, das nie bewiesen wird". 

"Wissenschaftler machen Fehler. Stellt sich etwas als Fehler heraus, dann machen sie halt was anderes. Wissenschaftler sind aufgrund ihrer Kenntnis wissenschaftlichen Arbeitens im Grunde genommen ziemlich flexibel und ungebunden, sie können sich im Rahmen ihrer Sachkunde und wissenschaftlichen Ausrichtung weit bewegen, und es stellt auch keine wesentliche Hürde dar, sich in die Methodik benachbarter Fächer einzuarbeiten, um noch weiter zu gehen.

Postmodernisten aber können gar nichts.

Wenn man denen sagt, sie sollten mit dem postmodernen Blödsinn aufhören, haben sie nicht mal mehr etwas, womit sie noch vortäuschen könnten, etwas zu tun. Wissenschaftlich arbeiten können die nicht."

Sven von Storch

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