Die Stunde des Adam Smith

Gemessen daran, wie unglaublich erfreulich die Nachricht war, wurde sie in den hiesigen Medien eher verhalten rezipiert. Vom “schnellsten Rückgang der Armut in der Geschichte der Menschheit” berichtete nämlich am vergangenen Wochenende UNO-Generalsekretär Ban Ki-moon.

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Zwischen 1990 und 2010, so hat die UNO berechnet, ist eine Milliarde Menschen aus der Armutszone (weniger als 1,25 Dollar Einkommen pro Tag) entkommen, ein in der Tat in der Menschheitsgeschichte einmaliger Vorgang.

Es ist hingegen ein an Bizarrheit kaum zu übertreffender Zufall, dass fast zur gleichen Zeit, da Ban die erfreulichen News publik machte, in Frankfurt und anderen europäischen Metropolen wieder einmal gegen die westliche Wirtschaftsordnung und ihre tragenden Prinzipien demonstriert wurde.

“Solidarität statt Kapitalismus” forderte da etwa die deutsche “Blockupy”-Bewegung auf ihren Transparenten.

Das ist insofern ziemlich skurril, als es ja genau jene von den Demonstranten zum Teufel gewünschte freie Marktwirtschaft war, die – zusammen mit ihrer Schwester, der ebenso übel beleumundeten Globalisierung – eine Milliarde Menschen aus Elend und Armut geholt hat. Weder Entwicklungshilfe noch die ehrwürdige UNO, weder “Internationale Solidarität” noch der “antiimperialistische Kampf”, und schon gar Occupy, Blockupy und verwandte Gruppierungen haben das geschafft – sondern im Wesentlichen freier Handel, offene Märkte, das Gewinnstreben von hunderten Millionen unternehmerischer Menschen rund um die Welt. Ganz wie es der schottische Moralphilosoph Adam Smith vor zwei Jahrhunderten prophezeit hatte. Dass heute eine Milliarde Menschen weniger unter Armut leiden als 1990 kann man daher durchaus als enormen Erfolg des Kapitalismus beschreiben.

Wenn gleichzeitig in den entwickelten und etwas müde gewordenen Staaten des Westens Kapitalismuskritik immer mehr in Mode kommt, so mag das ja angesichts der Finanzkrise bis zu einem gewissen Grad erklärbar sein – eine auch nur annähernd funktionale Antithese zum Gegenstand ihrer Kritik haben die Kapitalismusgegner bisher noch nicht vorweisen können.

“Sie wollen Kapitalismus ohne Demokratie, wir wollen Demokratie ohne Kapitalismus”, lautet einer der zentralen Slogans dieser Gruppierungen. Wer auch immer “Sie” in diesem Kontext sein mögen – was an die Stelle des Kapitalismus treten soll, haben uns dessen Gegner bisher nicht erläutern können oder wollen.

Für jene rund eine Milliarde Menschen, die vor allem in Afrika und Teilen Indiens auch heute noch in bitterer Armut verharren, wäre es freilich eine Katastrophe, setzten sich Blockupy & Co in größerem Maßstab durch. Denn auch die letzten noch verbliebenen Rückzugsgebiete der Armut werden hauptsächlich mit jenen Methoden bekämpft werden können, die schon in den beiden vergangenen Jahrzehnten erfolgreich waren. Sowohl die Menschen in Afrika als auch in Indien leiden unter mangelndem Zugang zu Märkten, zu wenig fairem Wettbewerb und jeder Menge von Monopolen und Oligopolen, mit denen sich eine kleptokratische Oberschicht die Taschen vollstopft.

Nicht “Demokratie ohne Kapitalismus” kann die noch verbliebene Armut auslöschen, sondern nur Demokratie und Kapitalismus.

Beitrag erschien zuvor auf: ortneronline.at

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Crono

@Geistfrei,
hier gehe ich mit Ihnen völlig konform, bis auf die letzten zwei Sätze.
Ich war und bleibe ein Globalisierungs-, Europa- (in der realen Form, wie sie jetzt "existiert") und EUROgegner, trotz meines progressiven Denkens und Handelns.

P.S.: Nota bene Sie können manchmal auch sehr vernünftig schreiben.

Gravatar: Freigeist

@Crono
Ihre Beiträge taugen leider nicht, um in Griechenland auch nur einen einzigen Arbeitsplatz neu zu schaffen. Die griechischen korrupten Politiker wollten der Eurozone eher beitreten als das griechische Volk. Deshalb raus aus der EU und aus dem Euro und Zollgrenzen hoch. Für ein Land wie Griechenland scheint die Globalisierung pures Gift zu sein. Griechenland hat Tausende Arbeitsplätze an China verloren, die nie mehr wiederkommen werden. Dazu fehlt es in Griechenland an den sogenannten Neuen Industrien, die sind schon woanders. Globalisierung ist nur etwas für hoch entwickelte Volkswirtschaften. Wir werden sehen, wer von uns richtig liegt.

Gravatar: Hans von Atzigen

Oberflächlich betrachtet stimmt diese Aussage. Geht man der Sache etwas auf den Grund sieht die Sache nicht besonders rosig aus. Dieser ,,Erfolg,, basiert in sehr hohe Masse auf einer Irren Globalen Geldmengenausweitung. Innzwischen kaum noch zu übersehen mit verheerenden Folgeerscheinungen. Kapitalismus ZWEIFELSFREI JA , aber bitte einen soliden Kapitalismus und nicht diesen Notenpresskapitalismus. Adam Smith, dessen Werk nochmals aufmerksam Lesen. Der Mann hat es vorausgeahnt und zum Ausdruck gebracht, im Satz, ich zitiere : es scheint Grenzen zu geben! Fatal ,leider haben DAS die allermeisten übersehen. Ohne Verantwortung, Mass und Vernunft funktioniert die Sache NICHT.
Freundliche Grüsse

Gravatar: Crono

@Geistfrei
Die Bürger dieser Länder hatten DEMOKRATISCH dem Beitritt zu EU zugestimmt oder wollen Sie sagen, daß man bei denen Entscheidung diktatorischen Zwang von außen ausgeübt hatte? EURO wollten sie auch haben und u.a. mit 50 (Griechenland) in den Ruhestand gehen. Jetzt sollten sie DEMOKRATISCH eigene Dreckwäsche selbst waschen. Das ist die gesündeste Methode. Sie könnten, anstatt hier zu schwadronieren in o.g. Länder ummigrieren und dort als Ausländer Entwicklungshilfe zu leisten. Das wäre sicher für sie ein Heldenakt.

@Geistfrei
....Bitte unterbreiten Sie Vorschläge für diese Länder. Ich bin ganz offen, Ihre Lösungsvorschläge zu durchdenken. ...
Sie können hier nichts durchdenken, daß Ihr Denk- und Reflexionsvermögen dazu nicht Imstande wäre. Das hatten sie schon unzählige Male bei Ihren naiven, banalen und hetzerisch-anti-religiösen "Beiträgen" bewiesen. Aber ich gebe Ihnen einen kostenlosen Tipp: Sie könnten, anstatt hier zu schwadronieren, in die o.g. Länder "umimmigrieren" um dort als Ausländer Entwicklungshilfe zu leisten. Das wäre sicher für Sie ein Heldenakt. Denken Sie nicht nach, tun Sie es!!!! Und Gott mit Ihnen :-))))))))))))

Gravatar: Karin Weber

Armut mit einem Einkommen von 1,25 Dollar/Tag ist relativ. Ein Ureinwohner Australiens verdient im Busch nicht einen Cent, ist aber satt und glücklich. Es gibt gierige Menschen bei uns, denen reichen 100.000 Euro/Monat nicht und sie sind unglücklich. Ich würde also das Armutsproblem nicht so pauschaliert behandeln. Vor allem muss man das Einkommen in Verbindung mit den Lebenshaltungskosten betrachten. Sind die niedrig, dann reicht auch ein geringes Einkommen.

Zur Demokratie: In unserem Land gibt es nur noch eine Scheindemokratie. Selbst die Regierung ordnet sich bedingungslos den Auflagen des Kapitals unter. Uns wird das dann als Reform verkauft.

Gravatar: Kitsch

@ Daniel Frey

"Die Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Lamm darüber abstimmen, was es zum Mittagessen gibt. Die Freiheit ist ein gut bewaffnetes Lamm, das die Entscheidung anficht."

Freiheit statt Sozialismus!?
Da bin ich auch für! Und deshalb ich habe ich das Zitat von Benjamin Franklin, welches Sie zur Hälfte anführten, vervollständigt! Denn nur, wenn die Freiheit (oder das Lamm) bewaffnet ist, kann die Entscheidung angefochten werden!
Und deshalb werden die Menschen von den regierenden Politikern immer weiter entwaffnet! Wäre das Lamm beweaffnet, dann hätten die meisten aus der Politikkaste eine nasse Hose!

Gravatar: Daniel Frey

Demokratie?
In der Form in der wir sie heute vorfinden bedeutet sie nichts anders als dass "2 Wölfe und ein Lamm darüber entscheiden was es zum Abendessen gibt"
Ich will nicht "mehr Mitbestimmung" weil dann nur mehr Menschen über mich mitbestimmen.
Ich will nur selbstbestimmt leben.

Freiheit statt Sozialismus!

Gravatar: Freigeist

Wie bitte sollte Portugal oder Griechenland aus der Globalisierungsfalle entkommen? Die freien Textilmärkte haben in diesen Ländern einen Totalschaden angerichtet. Tausende von Arbeitslosen. Bitte unterbreiten Sie Vorschläge für diese Länder. Ich bin ganz offen, Ihre Lösungsvorschläge zu durchdenken.

Gravatar: Kitsch

Lieber Herr Ortner,
das Ideal der Demokratie, welche den Gruppen um derer von Attac, Occupy, Blockupy, Greenpeace und vieler anderer Gruppierungen/Interessengruppen (vor allem auch in der UNO) vorschwebt, dies ist nun einem Demokratur – die wunderschöne Welt der totalitären Demokratie. Oder auch, um auf einen der Ur-Denker dieser Spezies zurückzugreifen, nämlich auf Kautsky, die wahre Demokratie, in welcher der Einzelne eben keinerlei Rechte mehr hat.

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