An jene Mentalität, die hinter dieser leichten Fehleinschätzung der eigenen Lage steht, erinnert die jüngste, höchst bezeichnende Ausheckung der Europäischen Kommission.
Um Europas derzeit ja etwas schwächelnde Wirtschaft zu stärken, schlug der italienische Industriekommissar Antonio Tajani vor, die EU möge künftig die Urlaubsreisen europäischer Rentner zu Destinationen auf dem Territorium der EU durch finanzielle Zuschüsse subventionieren: Opa und Oma überwintern auf Mallorca, und Brüssel legt ein paar Hunderter dazu. Das Ganze soll, erraten, „Arbeitsplätze schaffen“.
Entgegen einer naheliegenden Vermutung basiert dieser Vorschlag des Lega-Nord-Politikers nicht auf bewusstseinsverändernden Substanzen im Trinkwasser des Kommissionsgebäudes. Der Mann meint das im Zustand völliger Nüchternheit so.
So bekifft die Idee ist, so ausbaufähig ist sie freilich. Die Subvention von Single-Urlauben im „Club Med“ etwa könnte ja nicht nur Animateursarbeitsplätze schaffen, sondern auch demografisch günstige Auswirkungen haben, wenn die EU nach dem Glühbirnenverbot nun auch noch ein Kondomverbot beschließt. Extremsport-Urlaube zu subventionieren könnte wiederum die Pensionskassen entlasten. Am besten wäre vermutlich überhaupt die Schaffung einer EU-Freizeitverwaltungsbehörde, die nach dem Vorbild des erfolgreichen EU-Agrarregimes die Urlaube von 500 Millionen Unionsbürgern zentralistisch organisiert, subventioniert, plant, zuteilt und verwaltet.
Woher das notwendige Geld für den Urlaubszuschuss der reisenden Rentner kommen soll, verschweigt Tajani aus naheliegenden Gründen: natürlich letztlich von den Nettozahlern der Union (wie Österreich); und zwar im Wege neuer Schulden, wie derzeit angesichts der weiter wachsenden Schuldenberge ja jede zusätzliche Staatsausgabe.
Da leidet also die EU unter einer existenziellen, hauptsächlich durch die Schuldenexzesse der Regierungen verursachten Krise, die im schlimmsten Fall die Union zerstören kann – und ein Kommissar schlägt allen Ernstes vor, neue Schulden zu machen, um Rentnerurlaube zu subventionieren.
Im wirklichen Leben ist es sehr schwer, der unmittelbaren Besachwalterung zu entgehen, wenn man sich auf solch gemeingefährliche Überlegungen öffentlich einlässt. Im Zusammenhang mit der EU jedoch – und das ist fast noch schlimmer als die absurde Idee eines Kommissars – wird Derartiges in der Öffentlichkeit zumeist nur noch mäßig aufgeregt aufgenommen. So wie man lieben, aber etwas verhaltensauffälligen Kindern ihre gelegentlich etwas anstrengenden Angewohnheiten durchgehen lässt, werden auch derartige Blödheiten aus Brüssel mittlerweile hingenommen wie Regenwetter im April: als höhere Gewalt, gegen die nur hinreichende Gelassenheit das Mittel der Wahl ist. Die sind halt so in Brüssel
Eine effizientere Methode, das Ansehen und die Legitimität des Europäischen Projektes zu unterminieren, ist auch dessen überzeugtesten Gegnern nicht eingefallen. (“Presse”)


Kommentare zum Artikel
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Die DDR war wirtschaftlich am Ende. Rostock hatte, wir man mir berichtete, nur noch einen funktionierenden Müllwagen für die ganze Stadt. Alles andere wurde halt so improvisiert. Wir haben keinen Zusammenbruch der europäischen Betriebe, es wird mehr produziert als je zuvor. Die Müllberge steigen stetig an.
Betreff Bruesseler Buerokraten.
Als Durschnittsmensch fragt man sich gelegentlich doch wie sich die Bloedheit dieser Buerokratengilde wohl anfuehlt?
Na ja beknntlich ist Menschliche Hirn Schmerzunempfindlich.