Deutsche Wirtschaft wächst ordentlich

Insgesamt ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland recht gut, doch ohne Euro wäre sie noch viel besser. Selbst wenn das Wachstum in der eigenen Währung dann etwas geringer sein sollte, wäre diese Währung viel mehr wert und ginge es den Deutschen real besser.

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Das Frühjahrsgutachten der führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute führt zu dieser “Gemeinschaftsdiagnose: Kräftiger Aufschwung dank günstigem Öl und schwachem Euro”. Dies sind für mich die wichtigsten Aussagen aus der heutigen Pressemitteilung jeweils mit Kommentar:

Die deutsche Wirtschaft befindet sich in einem kräftigen Aufschwung. Sie wird stimuliert von unerwarteten expansiven Impulsen, insbesondere dem Verfall des Ölpreises und der starken Abwertung des Euro.

Der Verfall des Ölpreises ist gut (zumindest für Deutschland und die anderen Ölimportnationen), die starke Abwertung des Euro hingegen nicht (s. u.).

Das Bruttoinlandsprodukt wird in diesem Jahr voraussichtlich um 2,1 Prozent steigen. Das 68-Prozent-Prognoseintervall reicht dabei von 1,4 bis 2,8 Prozent. Dabei ist der Konsum die Stütze des Aufschwungs.

Dies ist ein starker Anstieg in der Prognose gegenüber 1,2 % noch im letzten Herbstgutachten. Das große Prognoseintervall zeigt allerdings eine weiterhin vorhandene hohe Unsicherheit an.

Die Geldpolitik ist in den vergangenen Monaten insgesamt nochmals expansiver geworden.

Das kann man wohl sagen, insbesondere für die EZB.

In den fortgeschrittenen Volkswirtschaften dürfte die Finanzpolitik in diesem und im nächsten Jahr kaum noch restriktiv ausgerichtet sein.

Auch das trifft zu, wobei insbesondere die wenig zukunftsträchtigen zusätzlichen Ausgaben ein Problem sind bzw. dann werden, wenn die Steuern irgendwann weniger sprudeln und die Zinsen wieder steigen sollten.

Das Bruttoinlandsprodukt dürfte im ersten Quartal 2015 um 0,6 Prozent zugelegt haben.

Das ist recht deutlich und dürfte zum Anheben der Prognose für das ganze Jahr geführt haben.

Der private Konsum ist die Stütze des Aufschwungs. Er profitiert vom Ölpreisverfall, der die Kaufkraft der Verbraucher stärkt. Zudem wird er von steigenden Löhnen in Folge der guten Arbeitsmarktlage angeregt.

Das ist begrüßenswert.

Vor allem wegen der deutlich gesunkenen Importpreise steigt der Leistungsbilanzüberschuss in Relation zum Bruttoinlandsprodukt auf 8,5 Prozent.

Das ist hingegen nicht begrüßenswert, sondern ein großes Ungleichgewicht. Deutschland müsste mehr importieren oder zumindest echtes Kapital im Ausland bilden. Diesem Überschuss stehen jedoch vor allem Transfers und uneinbringliche Kredite einschließlich Targetsalden gegenüber.

[D]ie Zukunft der Währungsunion ist weiter unsicher. Schließlich dürften einige wirtschaftspolitische Entscheidungen hierzulande wie die Einführung des Mindestlohns die Investitionsbereitschaft der Unternehmen im Inland weiter beeinträchtigen.

Die Zukunft des Euro bleibt unsicher, bis er Vergangenheit ist. Die Einführung des Mindestlohnes war auch ein Fehler, der aber vermutlich nicht mehr korrigiert werden wird.

Die Beschäftigungsperspektiven sind weiter sehr günstig. Die Einführung des allgemeinen gesetzlichen Mindestlohns führt allerdings zu Rückgängen bei der geringfügigen Beschäftigung. Unter Berücksichtigung aktueller Daten ist unterstellt, dass sie im Prognosehorizont um 220 000 Personen sinkt.

Wegen des allgemeinen Beschäftigungsanstiegs ist das nicht so schlimm, trifft aber trotzdem gerade besonders Bedürftige und dürfte im nächsten Abschwung ein ernsthaftes Problem werden.

Die Verteuerung von importierten Waren und Dienstleistungen infolge der deutlichen Abwertung des Euro wird im Prognosezeitraum zunehmend an die Verbraucher weitergegeben.

Für Deutschland mit den hohen Exportüberschüssen ist das genau die falsche Reaktion. Die Importe müssten hierzulande eigentlich billiger werden, was wegen des Euro nicht der Fall ist.

Die Inflation wird aber voraussichtlich mit 0,5 Prozent in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr deutlich unter der 2-Prozent-Marke bleiben.

Deflationsgefahren dürften damit gebannt sein.

Insgesamt ist die wirtschaftliche Lage in Deutschland recht gut, doch ohne Euro wäre sie noch viel besser. Selbst wenn das Wachstum in der eigenen Währung dann etwas geringer sein sollte, wäre diese Währung viel mehr wert und ginge es den Deutschen real besser.

Zuerst erschienen auf alexanderdilger.wordpress.com

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Michael Bloch

Ich kann mich der Einschätzung von Frau Weber nur anschließen und möchte folgendes hinzufügen: unserer Wirtschaft geht es deswegen "so gut", weil wegen der Kinderlosigkeit fast alle Kräfte, die eigentlich zur Aufzucht der kommenden Generation gebraucht würden, jetzt in den Fabriken schuften und den kurzfristigen Wohlstand erarbeiten können.
Das ist so, wie wenn ein Bauer die Samen für die nächste Saison nicht zum Säen, sondern zum Brotbacken verwenden würde. Auch er könnte sich über satte Gewinne und prächtige Geschäfte freuen, doch spätestens in der nächsten Saison hätte er keine Ernte mehr und müsste verhungern.
Genauso geht es uns jetzt: die Frauen, die eigentlich als Mütter gebraucht würden, um die nächste Generation heranzuziehen, erarbeiten ausschließlich den jetzigen Wohlstand. Doch wenn sie (wir) alt sind, werden wir feststellen, dass wir vor lauter beruflicher Arbeit versäumt haben, die Kinder großzuziehen, die wir für unsere Altersversorgung dringend gebraucht hätten - und werden im Alter jämmerlich verarmen und verhungern.
Werter Herr Professor Dilger: ich hoffe, dass wenigstens die AfD als einzige politische Partei Deutschlands diese Zusammenhänge begreift und aufhört, Frauen für die Produktion aus den Familien zu holen. Für unsere Zukunft ist genau das Gegenteil erforderlich: die Kindererziehungsarbeit so attraktiv zu machen, dass sie wieder von möglichst vielen jungen Frauen ausgeübt wird. Nur so lässt sich unsere Verarmung im Alter umgehen.
Viele Mitmenschen sehen das ähnlich und hoffen hier auf die AfD!

Gravatar: Karin Weber

Schön, dass die wirtschaftliche Lage in Deutschland "jetzt" gut ist, aber für wen genau? .. und ist sie das 2050 denn auch noch?

Zitat: >> Deutschland hat in der Europäischen Union den niedrigsten Kinderanteil an der Gesamtbevölkerung. Die Zahl der unter 15jährigen liege in Deutschland mit 13,1 Prozent europaweit am niedrigsten, teilte das europäische Statistikamt Eurostat am Donnerstag mit. << Quelle: https://jungefreiheit.de/kultur/gesellschaft/2015/deutschland-hat-die-niedrigste-kinderquote-in-der-eu/

Für wen wächst die Wirtschaft eigentlich, wenn zeitgleich die Bevölkerung schwindet? Ist es von der Wirtschaft nicht naiv, auf Zuwanderung zu bauen ... in der Hoffnung es kämen da Fachkräfte, die eines Tages als Ingenieure und Facharbeiter arbeiten? Was, wenn das nicht passiert? Was wenn diese Zuwanderer weiterwandern, nachdem sich hier der warme Sozialregen in eine bleibende Dürre verwandelt hat, weil niemand mehr wertschöpft und alle nur Ansprüche an den Staat haben? Wirtschaftspolitik verlangt auch Familienpolitik und Zuwanderungspolitik kann diesbezügliche Defizite nicht kompensieren.

Schön, dass die Wirtschaftswaisen wieder Zuwachs prognostizieren. Der Tag wird kommen, an dem das ausbleibt und Schwellenländer uns überholen. Dann werden wir die Folgen von Merkels rot-grüner Politik alle und direkt zu spüren bekommen.

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