Der Erfolg der preußischen Hugenotten - Lehrbeispiel erfolgreicher Integration_
Der Erfolg der preußischen Hugenotten - Lehrbeispiel erfolgreicher Integration_
Datum: 13.06.2016, 14:17
"Nur wenige Gruppen von Migranten, die in Europa Asyl begehrten, waren so angesehen, dass es unter der Landesherren einen regelrechten Wettstreit um ihre Aufnahme gab. Zu ihnen zählten die um 1685 aus Frankreich vertriebenen Hugenotten. Dies hängt damit zusammen, dass ihnen der Ruf einer besonderen wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit vorauseilte."
Mit dieser Feststellung leitet Arnulf Siebeneicker im Auftrag des Deutschen Historischen Museum seinen Essay über die Auswirkungen der Hugenotten-Migration auf die wirtschaftliche Verfassung der Aufnahmeländer ein. Zweierlei ist hervorhebenswert: Erstens, den Asylsuchenden lief ein Ruf der Leistungsfähigkeit voraus, was ihre Aufnahme erleichterte; nicht zuletzt, da örtlich von Seiten der Alteingesessenen teils heftige Proteste aufbrandeten. Zweitens, die aufgenommenen Hugenotten enttäuschten ihre Aufnahmeländer auch in ihrer zweiten und dritten Generationen nicht, im Gegenteil:
"Wir haben ihnen [den Hugenotten] unsere Manufakturen zu danken, und sie gaben uns die erste Idee vom Handel, den wir vorher nicht kannten. Berlin verdankt ihnen seine Polizei, einen Teil seiner gepflasterten Straßen und seine Wochenmärkte. Sie haben Überfluss und Wohlstand eingeführt, und diese Stadt zu einer der schönsten Städte Europas gemacht. Durch sie kam der Geschmack an Künsten und Wissenschaft zu uns. Sie milderten unsere rauen Sitten, sie setzten uns in den Stand, uns mit den aufgeklärtesten Nationen zu vergleichen, […].",
so Carl Ludwig Freiherr von Pöllnitz (Berlin, 1791). Die erste wie die nachfolgenden Generationen leisteten demnach einen Beitrag zum Gemeinwesen oder, wenn man so will, zur Volkswirtschaft.
Der dritte, nach Siebeneicker entscheidende Faktor, ist aber ein anderer. Denn in der Tat sei es auffällig, so Siebeneicker, dass die Hugenotten nur so lange überdurchschnittliche ökonomische Leistungen erbrachten, wie ihr juristischer Status sie von den Einheimischen unterschied:
"Die Isolation von der Mehrheitsgesellschaft zwang sie, aus eigener Initiative zum Erfolg zu gelangen […]. Der Ausschluss von bestimmten Karrierewegen verengte die beruflichen Anstrengungen auf den wirtschaftlichen Bereich."
Für eine erfolgreiche Integration und "Win-Win" für beide Seiten sorgte mitgebrachte Leistungsfähigkeit, ein rechtlicher Sonderstatus, ein freier Zugang zum Arbeitsmarkt und Eigenverantwortlichkeit.
Dem Artikel liegt zugrunde:
Arnulf Siebeneicker, Börse und Bibel. Auswirkungen der Hugenotten-Migration auf die wirtschaftliche Verfassung der Aufnahmeländer, In: Zuwanderungsland Deutschland. Die Hugenotten. Für das Deutsche Historische Museum, herausgegeben von Sabine Beneke und Hans Ottomeyer, Berlin 2005.
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