Das ruinierte Sakrament

Der Heilige Vater hat in den Tagen um Ostern herum betont, wie wertvoll die Beichte ist. Bei einem Essen am Gründonnerstag forderte er die Priester auf.

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„Öffnet die Tore der Kirchen und die Menschen werden eintreten … wenn ihr das Licht im Beichtstuhl einschaltet und da seid, werdet ihr sehen, wie sich die Menschen für die Beichte anstellen werden.“ [Quelle.]

 

Mühsam ist es, jetzt nicht die pastoralen Prozesse ins Spiel zu bringen, die die Arbeitskraft der Priester binden und sie eigentlich genau davon abhalten. Je größer die pastoralen Räume werden, umso schwerer wird es, überhaupt mal einen Termin bei einem Priester zu bekommen. Beichtzeiten werden nur zu gerne vorrangig gestrichen. Wer wartet schon gerne im Beichtstuhl auf Pönitenten, die ja eh nicht kommen, wenn der Schreibtisch voller Akten liegt.

Der Papst ermutigt die Priester zu genau gegenteiligem Verhalten. Laßt das Licht im Beichtstuhl an! Öffnet die Kirchen. Eine mutige aber nichts desto weniger wahre Forderung. Gebeichtet wird nur da, wo es Gelegenheit dazu gibt.

Realistisch gesehen wird nun kein Pfarrer auf die Idee kommen, den Schreibtisch Schreibtisch sein zu lassen und sich über Stunden in den Beichtstuhl zu setzen. Und wo ein Pfarrer inzwischen auch mal locker für fünf oder gar neun Gemeinden zuständig ist, erst recht nicht. Wenn aber die Gelegenheit fehlt, gibt es keine Beichte. Das ist ein ganz simples Faktum. Und wenn man nicht mehr beichten muß, wie viele irriger Weise annehmen, dann sowieso nicht.

Die Einrichtung von Beichtkirchen in pastoralen Räumen oder wie auch immer Verbünde von Pfarreien sich nennen mögen, könnte ein Ausweg sein. Dort sollte dann tatsächlich eine möglichst tägliche Beichtgelegenheit bestehen. Insofern in einem solchen Gebiet ohnehin meist mehrere Priester tätig sind, verteilt sich diese Aufgabe auf die Schultern aller. Und wer mit älteren Priestern spricht, die viel Beichte gehört haben, wird von ihnen zu hören bekommen, daß die Beichte auch dem Priester nützt. Die Gnade, die Gott durch dieses Sakrament dem Pönitenten schenkt, trifft den Beichtvater immer mit.

Vor allem für die Geburtsjahrgänge Anfang / Mitte der 60er und später ist die Beichte nun leider derzeit völlig ruiniert, weil eine sinnvolle Heranführung an das Sakrament in Kindheit und Jugend nicht stattgefunden hat. Weil sie nie wirklich von den Seelsorgern nachhaltig angeraten wurde. Die älteren Generationen mögen im Aufbrauchstaumel der Zeit vor, während und nach dem II. Vat. die Beichte in der Praxis komplett über Board geworfen haben. Es ist ein Faktum, über das ich nicht urteilen will. Mögen andere später einmal ein historisches Urteil darüber sprechen. Das ist jetzt nicht an der Zeit. 

Doch gerade in jüngster Zeit, unter anderem auch durch Nightfever, aber durch geistliche Bewegungen, erfährt die Beichte insbesondere bei jüngeren bekennenden und praktizierenden Katholiken eine Wiederentdeckung als das, was sie ist, nämlich ein wirklich wertvolles Sakrament. Dem sollte man sich nicht verschließen, aber eben auch nicht von einer Massenbewegung ausgehen. Es ist ein Hoffnungszeichen. 

Wer nun ohnehin nicht oder nur nachlässig praktiziert, oder wer gerade erst auf der Entdeckerschiene im Glauben ist, wird kaum davon zu beeindrucken sein, doch es ist gemäß KKK 2042 für einen Katholiken Pflicht, einmal im Jahr zu beichten. Der CIC spricht in leichter Abweichung von der Pflicht, einmal jährlich die schweren Sünden zu beichten. Die Schwierigkeit, eine schwere Sünde (früher auch Todsünde genannt) von einer läßlichen oder leichten Sünde abzugrenzen, kann hier jetzt nicht ausgelotet werden. Die Aufgabe der Kasuistik in der Moraltheologie mag sicher manche unnötige Spitze gebrochen haben, ob es nur gut war, darauf zu verzichten, darf aus meiner Sicht gerne mal kritisch hinterfragt werden. Subjektives Empfinden kann zuweilen sehr trügerisch sein.
Insofern ist es ganz sicher falsch, zu sagen, Beichten sei kein Muß. Es macht hingegen gar keinen Sinn, die Pflicht an die erste Stelle zu rücken, wenn man Menschen für ein Sakrament gewinnen will.

Jede Pflicht kann auf dem geistlichen Weg eine Stütze sein, wenn ich sie erkennen kann. Sie befähigt mich, gegen innere Widerstände eine gute Praxis aufrecht zu erhalten, was gerade auf einem geistlichen Weg notwendig ist. Darum ist es gut, daß es die Pflicht gibt. Es ist nicht immer angezeigt, sie zu betonen, denn sie mag zu einer unnötigen Last für den werden, der sich gerade im Glauben auf dem Weg macht.

 

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Frager

Wenn erst einmal ein Priester im Beichtstuhl sitzt, steht da bald schon eine lange Schlange von seinen Kollegen davor, die alle ihre sexuellen Verfehlnisse loswerden wollen. Da bleibt für das arme Mütterchen keine Zeit mehr. Meinte das der neue Papst???

Gravatar: Freigeist

@Peter Winnermöller
Haben Sie schon mal nachgelesen, wann die Sakramente erfunden wurden, von den Kirchen?

Gravatar: Peter Winnemöller

Das Erfinden von Sakramenten überlassen wir lieber den Freidenkern und anderen phantasievollen Menschen. Wir Katholiken halten uns an die 7 existierenden. Damit ist eigentlich die Gesamtheit des (Glaubens-)Lebens abgedeckt.

Aber nur zu, fühlen sie sich frei, kreativ zu sein.

Gravatar: Freigeist

Warum erfindet man nicht noch so einige Sakramente?
Wer Phantasie hat, kann viel erfinden, vor allem, wenn es sich um Glauben handelt.

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