Das Märchen von der Kinderehe

Es gibt keine Kinderehen! Zumindest fast keine. Eine Aussage, die provoziert, verstört und verwundert. Das ist nachvollziehbar, taucht doch immer wieder der Begriff „Kinderehe“ auf. Wer es noch harmloser klingen mag, der nennt es „Frühehe“. Die Bundesregierung hat sogar ein – wenngleich recht zahnloses – Gesetz dagegen erlassen.

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Erst Anfang August berichtete der NDR, das OLG Oldenburg habe eine Kinderehe bestätigt, weil der minderjährigen Ehefrau sonst die Abschiebung drohe. Der Weser-Kurier berichtete im Juli, dass auf einer Hochzeitsfeier mit Massenschlägerei die muslimische Braut erst 15 Jahre alt gewesen sein soll. Die Türkei zeigt, wohin die Reise geht. Kinderehen sind am Bosporus nicht ungewöhnlich. Zwar gilt die Ehe vor dem Standesamt offiziell ab der Volljährigkeit beider Partner, doch in einem Land mit wachsendem archaischem Selbstverständnis, wiegt das Wort des Imams mehr, als irgendwelche irdischen Gesetzesbücher. Die türkische Religionsbehörde findet für Mädchen gar ein Heiratsalter von neun Jahren in Ordnung. Für Jungs sollten es immerhin schon zwölf Jahre sein.

Der Begriff „Kinderehen“ verleitet in die Irre. Er verharmlost die Situation der betroffenen Minderjährigen. Kinderehe könnte es heißen, wenn Michel aus Lönneberga seine Freundin Pippi Langstrumpf heiraten würde. Der Unterschied zu den meisten in der realen Welt vollzogenen Kinderehen wird schnell deutlich, denn im echten Leben heiraten selten keine in etwa gleichaltrigen Minderjährigen sondern zumeist ein deutlich älterer Mann, der leicht Vater oder Opa seiner Braut sein könnte, ein sehr junges und eben minderjähriges Mädchen. Daher ist die Bezeichnung „Ehe mit einem Kind“ treffender. So wird die arrangierte und häufig auf Unfreiwilligkeit basierende Realität besser beschrieben. Die Anerkennung der Fakten beginnt mit dem Mut zur sprachlichen Konkretheit.

Bei der Konkretheit wollen viele dann aber nicht mehr mitspielen. Deshalb vermag beispielsweise die Landesregierung in Baden-Württemberg auch lieber keine aktuellen Zahlen zu den Kinderehen im Ländle vorlegen. Die Regierung weiß zwar, wie viele Eidechsen irgendwo leben und führt über allerlei Dinge Statistik, wie viele Kinderehen es gibt, hat sie aber einfach nicht mehr erfasst. Man wähnt sich im Tal der Ahnungslosen und fühlt sich dort offenbar gut aufgehoben. Auf eine Anfrage (Drucksache 16/3536) aus dem Jahr 2018 für die Jahre 2016 und 2017 nannte die Landesregierung in Stuttgart keine Zahl. Man erfasse die Daten nicht, so die lapidare Antwort. Eine Anfrage (Drucksache 16 / 417) aus dem Jahr 2016 für 2015 war ergiebiger aber natürlich auch für die Regierungsbänkler damals deutlich unangenehmer. Für das Jahr 2015 verzeichnete die Landesregierung 187 verheiratete Minderjährige in Baden-Württemberg. Davon waren fünf 14 Jahre und dreizehn 15 Jahre alt. Die anderen waren 16 oder 17 Jahre alt. Auch die Bundesregierung hüllt sich in Unkenntnis wie eine Antwort auf eine Anfrage zeigt (Drucksache 19/3081). Dem Thema Schutz von Minderjährigen in zumeist arrangierten Ehen wird offenbar von Regierungsseite keine hohe Priorität eingeräumt. Wegschauen ist eben bequemer.

Doch damit geht es zum zweiten Akt des Märchens um die Kinderehe oder besser gesagt, der Ehe mit einem Kind. Wo kein Wissen ist, da muss geglaubt werden. Die Bundesregierung möchte uns glauben machen, das „Gesetz gegen Kinderehen“ entfalte seine Wirkung. Doch was nützt ein Gesetz, über welches keine Daten erfasst werden, dessen Einhaltung im Zweifel keiner kontrolliert und dessen Folgen bei Zuwiderhandlung nicht abschrecken? Wer vermag zu sagen, was in Moscheen geschieht? Gibt es überhaupt einen Imam, der islamisches Recht nicht über weltliches stellt? Und wen hindert eine Geldstrafe (bis zu 5.000€) an der Durchführung archaischer Bräuche? Man merkt, dass das Gesetz dem damaligen Justizminister Heiko Maas eingefallen ist. Es ist nicht einmal mittelmäßig. Es ist Placebopolitik. Gesetze, deren Einhaltung keiner Kontrolle unterliegen und deren Missachtung kaum Strafe nach sich zieht, sind nicht das Papier wert, auf dem sie stehen. Hauptopfer sind die betroffenen Minderjährigen. Ihnen sollte geholfen werden. Doch für ihr Schicksal fehlt es sowohl von Regierungsseite als auch von linker Opposition an Empathie. Deshalb will die Regierung nicht erfassen und deshalb haben Linke und Grüne gegen das Gesetz gestimmt.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Axel Gojowy

Wenn selbst derr "Prophet" ein Kinderf***** war, scheint das wohl die Rechtfertigung der Merkelgäste für ihre Pädophilie zu sein.
(Mohammed heiratete seine Aischa etwa in derem Alter von 9 Jahren)

Gravatar: Ron Ceval

@ Axel Gojowy: Die kleine Ayscha war sechs Jahre alt, als der Perversling sie ehelichte und 9 Jahre, als er die Ehe mit ihr vollzog. Also hat er sich immerhin drei Jahre lang zusammengerissen.

Mustafa Kemal (genannt Atatürk), der Begründer der modernen Türkei, äußerte sich zum Islam: “Diese Hirtenreligion eines pädophilen Kriegstreibers ist der größte Klotz am Bein unserer Nation!”
Und weiter: „Der Islam gehört auf den Müllhaufen der Geschichte!“
Oder „Seit mehr als 500 Jahren haben die Regeln und Theorien eines alten Araberscheichs (Mohammed) und die abstrusen Auslegungen von Generationen von schmutzigen und unwissenden Moslems in der Türkei sämtliche Zivil- und Strafgesetze festgelegt. Sie haben die Form der Verfassung, die geringsten Handlungen und Gesten eines Bürgers festgesetzt, seine Nahrung, die Stunden für Wachen und Schlafen, Sitten und Gewohnheiten und selbst die intimsten Gedanken. Der Islam, diese absurde Gotteslehre eines unmoralischen Beduinen, ist ein verwesender Kadaver, der unser Leben vergiftet. Die Bevölkerung der türkischen Republik, die Anspruch darauf erhebt, zivilisiert zu sein, muss ihre Zivilisation beweisen, durch ihre Ideen, ihre Mentalität, durch ihr Familienleben und ihre Lebensweise.“ Quelle: Mustafa Kemal Pâscha “Atatürk” (Jacques Benoist-Méchin, “Mustafa Kemal. La mort d’un Empire”, 1954).
Leider ist es so, daß der Islam nirgendwo Fortschritt brachte sondern die eroberten Kulturen lediglich verdaute. Alle Staaten mit einer muslimischer Mehrheit leben entweder von ihren Ölvorkommen oder von Transferleistungen aus wohlhabenderen nicht-muslimischen Ländern (früher: "Entwicklungshilfe").

Gravatar: Freigeist

"Grüne und Linke habe dagegen gestimmt". Sind die noch bei Trost?

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