Das Ende der liberalen Demokratie in Europa?

Der US-amerikanische Politikwissenschaftler Francis Fukuyama wird berühmt durch sein Buch „Das Ende der Geschichte“. Hier vertritt Fukuyama die These, dass sich nach dem Zusammenbruch der UdSSR und der von ihr abhängigen sozialistischen Staaten bald der Liberalismus in Form von Demokratie und Marktwirtschaft endgültig und überall durchsetzen wird. Diese angreifbare Vorhersage versucht er (mit wenig Erfolg) zu relativieren.

Veröffentlicht:
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Nun hat er ein neues Buch geschrieben:

Francis Fukuyama
Identität: Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet
HOFFMANN UND CAMPE, 5. Februar 2019
ISBN-13: 978-3455005288
240 Seiten 22 €

Hierin schreibt er eindringlich über den gefährdeten Fortbestand der liberalen Demokratien, die er in den Staaten der EU ausmacht. Notwendig ist die Identität und die Respektierung der Würde eines jeden Einzelnen. Dem ist voll zustimmen. Ein übersteigerter Nationalismus ist für den Fortbestand der EU kontraproduktiv!

Einige Punkte fallen besonders auf.

Francis Fukuyama ist der Überzeugung, dass Nationalismus und Religion nicht so bald aus der Weltgeschichte verschwinden werden. Meinem historischen Verständnis nach werden Nationalismus und Religion niemals die Weltgeschichte verlassen.

Muslimische Selbstmordattentäter versuchen die Zahl der Jungfrauen zu maximieren, um sie im Himmel zu begegnen.

Die demokratische Revolution in Tunesien wird durch eine Ohrfeige einer Polizistin ausgelöst, die der männliche Straßenhändler Mohamed Bouazizi erhält. Der „revolutionäre Unmut“ liegt also nicht unbedingt darin, dass die Staatsgewalt einen verarmten Untertanen grundlos schlägt, sondern eine Frau einen Mann.

Die Mindestvoraussetzung für eine liberale Demokratie ist, dass Bürger politische Entscheidungen treffen dürfen.

Ohne eine gemeinsame Sprache sind wir nicht imstande, miteinander zu kommunizieren. Die Schweizer scheinen über mehrere gemeinsame Sprachen zu verfügen, die EU-Europäer nicht. Das gemeinsame Englisch ist bald keine EU-Sprache mehr. Multitalente wie Juncker sind äußerst dünn gesät. Werden Wertesysteme durch eine Kakofonie ersetzt, kommt die Stunde des Nationalismus.

In der „modernen“ muslimischen Welt nimmt die kollektive Identität die Form des Islamismus an, nämlich das Streben nach einem Sonderstatus für die politische Gemeinschaft des Islams (Umma). Der Islamismus und der politische Islam sind somit wie der Islam, der offiziell zu Deutschland gehört, gleichzeitig eine Religion und eine extremistische Staatsideologie. Islamismus und Islam sind ein und dieselbe! Die Islamisierung des Radikalismus geht einher mit der Radikalisierung des Islams et vice versa. Wirtschaftliche Verwerfungen führen zu Extremismus, wie beispielsweise zu Faschismus oder Klimawahn.

Manche Schiiten sind der Ansicht, dass der Erzengel Gabriel einen Fehler gemacht hat, als er die Botschaft des Korans Mohammed statt Ali überliefert hat. Manche Marxisten hingegen hängen dem Glauben an, dass der Marxismus für Klassen und nicht für Nationen bestimmt ist. Die modernen Linken haben Probleme mit der Identität, die sie vertreten. Sie konzentrieren sich auf kleine Gruppen statt auf die Arbeiterschaft und den wirtschaftlich Ausgebeuteten. Die Linke konzentriert sich nicht mehr auf den Klassenkampf, sondern unterstützt die Rechte ausgegrenzter Gruppen.

Kriminalität ist Folge mangelnden Respekts. Die Stabilität vieler afrikanischer Staaten basiert darauf, dass unterschiedliche ethnische Gruppen abwechselnd die Macht übernehmen, um das Land auszuplündern.

Nationale Identität ist die Voraussetzung für die liberale Demokratie. Liberale Demokratien sind Staaten, deren territoriale Reichweite begrenzt ist. Keine liberale Demokratie kann die uneingeschränkte Verpflichtung eingehen, Menschen außerhalb ihrer Rechtsprechung zu schützen, auch wenn herrschende Politiker den Eindruck vermitteln, es zu schaffen.

Die USA basieren auf gemeinsame Kultur und nicht auf gemeinsame Identität. Eine gemeinsame Bekenntnisidentität ist für ein politisches Gemeinwesen notwendig, wenn auch nicht ausreichend.

Europa wird weniger von Migranten bedroht, als von seiner politischen Reaktion auf die Migration und die kulturelle Vielfalt. Schlecht angepasste Einwanderer sind eine Belastung für den Staat und eine Gefahr für die Sicherheit aller seiner Bürger. Ohne gemeinsame Identität gibt es keinen gemeinsamen liberalen demokratischen Staat.

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Hierin schreibt er eindringlich über den gefährdeten Fortbestand der liberalen Demokratien, die er in den Staaten der EU ausmacht.“ ...

Und nun?

„Die Party ist vorbei!!!
https://www.journalistenwatch.com/2019/03/29/die-party-europa/

Und das sicherlich nicht nur in Europa!!!
https://deutsch.rt.com/international/86550-ueberfall-auf-nordkoreanische-botschaft-drahtzieher-kuendigen-groessere-aktionen-an/

Die USA aber stecken trotzdem noch 1.3 Milliarden Dollar in die ukrainische Armee! https://de.sputniknews.com/zeitungen/20190329324519033-usa-ukraine-nato-beitritt/

Damit der Wladimir Wladimirowitsch bei der friedlichen Übergabe der Ukraine besser erkennen kann, mit welchem Schrott die Amis ausgerechnet ´Russland` erobern wollten???

Gravatar: Holzscheit

Holzscheit, der aus dem Feuer gezogen wurde:

Sehr geehrter Herr Warszawski,

ich empfehle Hr. Fukuyama in der Bibel zu lesen, dann braucht er nicht immer wieder seine nicht eintreffenden Thesen und Theorien in neuen Büchern zum Besten geben.

-Notwendig ist die Identität und die Respektierung der Würde eines jeden Einzelnen. Dem ist voll zustimmen. Ein übersteigerter Nationalismus ist für den Fortbestand der EU kontraproduktiv!-

Ja aber, wer gibt den dem Menschen Identität und Würde,wenn nicht sein Schöpfer, in dessen Ebenbild er
erschaffen ist. Wird dieser Schöpfer in der EU geehrt oder eine Ansammlung von Götzen ? Oder ist eventuell hier der Mensch sich selbst sein Gott ?

Dazu ein Auszug aus: "Am Anfang die Wahrheit" von dem Theologen Georg Huntemann (Bremen, FETA Basel) aus dem Jahr 1977 !!

Daß durch das Gericht Gottes die Menschen, die den Turm bauen wollten, zerstreut wurden, daß sie
einander nicht mehr verstanden, weil ihre Sprache verwirrt wurde, ist im Grunde Gnade gewesen.
Gott hat die Menschheit vor einer Massierung menschlicher Macht, die zur Eskalation der Herrschaft
des Menschen über den Menschen geführt hätte, bewahrt. Einheit in Gott-das ist Gemeinschaft,
Gemeinde Gottes; "Einheit" ohne Gott-das muß Terror ergeben, quälende Unfreiheit in
diktatorisch-bürokratischer Zivilisation.

Mir kommen diese wenigen Sätze wie Analysen aktuell
bestehender Systeme der Unfreiheit (Nordkorea, China)und auch einer sich dahin entwickelnde EU vor !

Das vorläufige Ende der Geschichte (Buch der Bücher):

und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt, lasst uns hinaufgehen zum Berg des HERRN,
zum Hause des Gottes Jakobs, dass er uns lehre seine Wege und wir wandeln auf seinen Steigen!
Denn von Zion wird Weisung ausgehen und des HERRN Wort von Jerusalem.
Jesaja 2, 3

Shalom aleichem, Hr. Warszawski !

Gravatar: karlheinz gampe

Der Islam gehört nicht zu Deutschland, sowas behaupten nun meineidige Kriegsverbrecher. Ist die Bundeswehr nicht kriegerisch in ferne Lande z. Bsp.an den Hindukusch gezogen um dort unsere Freiheit gegen den Islam zu verteidigen. Nun behaupten diese kriegslüsternen Politiker wie z. Bsp. die kriminelle, meineidige CDU Stasi Merkel dieser Islam der unsere Freiheit bedroht, der gehöre auf einmal zu Deutschland. Wie schwer geistig erkrankt sind solche Politiker oder handelt es sich um Hoch- und Landesverrat. Stellt die kriminelle CDU Stasi Merkel und ihre Helfer als Kriegsverbrecher usw. vor Gericht. Wenn der Islam so friedlich ist wie CDU Stasi Merkel, CDU,SPD usw. behaupten warum führt unsere Regierung dann Krieg gehen den Islam ?

Gravatar: Werner N.

Man kann nicht oft genug darauf hinweisen, dass Fukuyama mit seinem "Ende der Geschichte" ziemlichen Stuss behauptete. Wenn dieser beim intellektuellen Establishment und den Lehrstuhlinhabern unkritisch, ja geradezu euphorisch aufgegriffen wurde, so hängt das mit deren verstocktem Hang zum statischen Denken zusammen. Schließlich hat die Zeit einen unangenehmen dynamischen, prozesshaften Faktor.

Dass es unterschiedliche Arten von Zeit gibt – lineare und nicht–lineare – wird in der "wissenschaftlichen" Literatur grundsätzlich vernachlässigt. Immerhin, nun geht die Geschichte / Zeit bei Fukuyama, wenn auch unausgesprochen, wieder weiter – gar mit Demokratie und Nationalität. Vielleicht reagierten fast alle Intellektuellen deshalb so verstockt auf seine neue Wende?

Gravatar: Freigeist

Hauptproblem ist, dass die Marktwirtschaft in den nun relativ kommunismusfreien Ost-Staaten, beginnend mit Ostpolen bis an die Grenzen von China, nicht flächendeckend Fuß gefasst hat. Der Westen hätte mit großen Investitionsprogrammen loslegen sollen. Weiteres Problem ist, dass man den relativ erfolgreichen Kapitalismus nicht in seinem reinen Kern verstehen will. Kapitalismus bedeutet: Laufend Investitionen, sonst kollabiert das System. Allein Investitionen in bessere Energie-Nutzung hätte für die Menschen mehr Wohlstand bedeutet. Energieverschwendung mit dem wenigen Konsum-Geld bezahlen zu müssen ist bitter. Auf, denken wir das Thema neu an.

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