Das Ei des Kolumbus - TOLL!

Momentaufnahme in einem süddeutschen Kindergarten:

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Die Leiterin stellt fest, dass die Infektionserkrankungen, vor allem Magen-Darminfekte, enorm zugenommen haben seit auch zweijährige Kleinkinder aufgenommen werden müssen. Durchfälle, Erbrechen, Erschöpfung und Heimweh bedeuten für das Personal eine kaum zu bewältigende Mehrbelastung. Wie kann ein solches Problem bei abwesenden Müttern gelöst werden ? Der Kinderarzt wird zu Rate gezogen. Er erklärt, dass das Immunsystem von Zweijährigen noch nicht so vollständig ausgereift ist, um das Übermaß an Keimen von 10 oder 20 Kindern abzuwehren, was der geschützte Rahmen in der Familie hätte gewährleisten können und bisher gewährleistet hat. Dass man hierzulande Kleinkinder bedenkenlos dieser Belastung aussetzt, ist offenbar nicht der Rede wert!

Das Ei des Kolumbus – eine verblüffend einfache Lösung war schnell gefunden:

Die Mütter sollen in der Nachbarschaft ein Netzwerk bilden, wobei die „Hausmütter“ zusätzlich die „verwaisten“ kranken Nachbarskinder in ihre Familien aufnehmen sollen, um  die berufstätigen Mütter, also auch die Firma, sowie das Kindergartenpersonal zu entlasten. Toll!

Nicht zur Sprache kam, dass …

     

  • dem erkrankten Kind auch in der Nachbarschaft die Mama, sein Bett und seine Spielsachen fehlen. Die Genesung wird sich also hinziehen.
  • vorausgesetzt wird, dass ein Gastbett im Nachbarhaus bereit steht.
  • der Infekt also nun in die gesunde Nachbarsfamilie wandert. Hier wischt man doch gerne Erbrochenes auf und freut sich über jede volle Windel! Auch die zusätzliche Wäsche dürfte kaum ein Problem sein!!!
  • der Infekt die eigenen Kinder und die Mutter selbst  erwischen könnte. Ein solches Risiko nimmt man als Nachbarin doch gerne in Kauf!!!
  • die „Hausmutter“  im Gegenzug jedoch keine Gelegenheit hat, ihr eigenes  Kind kurzzeitig von der erwerbstätigen Nachbarin betreuen zu lassen, denn die ist ja auswärts im Betrieb.
  •  

Dieses „Netzwerk“ ginge also nur eingleisig zulasten von erwerbslosen Familienmüttern und zugunsten der sowieso schon privilegierten Erwerbsmütter, bzw. deren Arbeitgeber.

Wenn Familienmütter nicht ganz auf den Kopf gefallen sind, werden sie eine solche Leistung ablehnen. Will sagen: Dieses hirnrissige Netzwerk kann niemals funktionieren! Damit liegt das Problem weiter im Kindergarten.

Auf die Idee, dieses „Politikum“ einmal öffentlich anzuprangern und dem Krippen(un)wesen seine Tauglichkeit abzusprechen, kam der Arzt offenbar nicht. Oder erwog er dies vielleicht doch? Er kann sich jedoch leicht ausrechnen, dass damit seine Klientel schrumpft und seine Reputation leidet.

Wagt heute überhaupt noch jemand, den Mund aufzumachen und den Finger in eine offene Wunde zu legen?

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: franz dreesen

Sehr richtig,Frau Fischer.
In der heutigen,durchgestylten Gesellschaft wird mit Kindern genauso verfahren,wie mit beliebigen Logistischen Entitäten
Hauptsache im Trend,Modern &Schick!
Psychologisch/Emotinale Bedürfnisse der
kleine &kleinsten Menschen spielen da kaum eine Rolle!
Aber,so sagte es Schopenhauer:Das neueste ist nicht immer das BESTE!
Mutterschaft/Mutter sein sollte genau so
-eher besser- honoriert werden wie Erwerbstätigkeit!
Denn.:Noch gibt es keine Kinder erzeugende/ausbrütende Maschinen,noch ist niemals ein Kind aus dem A... eines Mannes gekommen!
Die Gleichstellung der Mutterschaft mit
Erwerbstätigkeit ist zwingend erforderlich,&meiner Meinung nach ein zwingendes Merkmal einer Freien,Emanizipierten,GERECHTEN Gesellschaft.

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