Target 2 explodiert – und niemand schlägt Alarm

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Target 2 explodiert – und niemand schlägt Alarm
Datum: 11.01.2018, 07:56

Erster Skandal: Der Target2-Saldo aus Forderungen unserer Deutschen Bundesbank gegen die Europäische Zentralbank (EZB) erreichte Ende 2017 mit fast 907 Milliarden € überraschend ein neues Allzeithoch und droht, bei gleich bleibendem Anstieg schon 2018 die 1 Billion-Grenze zu überschreiten.

Zweiter Skandal: Die geschäftsführende Bundesregierung und der ihr angeschlossene medial-politische Komplex hüllen sich zu dieser, für Deutschland immer bedrohlicher werdenden Entwicklung, in absolutes Schweigen. Berichte und Kommentare sucht man überall fast vergebens.

Dabei konstatiert die Bundesbank ( www.bundesbank.de/Navigation/DE/Aufgaben/Unbarer_Zahlungsverkehr/TARGET2/TARGET2_Saldo/target2_saldo.html ) aktuell geradezu Alarmierendes: Allein im Monat Dezember 2017 verzeichneten die deutschen Target-Forderungen gegen die EZB mit einem Anstieg in Höhe von 51,5 Milliarden € den drittgrößten jemals gemessenen Monatszuwachs. Lediglich in den Jahren 2011 und 2012 gab es je einen geringfügig stärkeren Anstieg in nur einem Monat. Der Jahresanstieg der Target2-Forderungen der Bundesbank betrug damit 2017 insgesamt mehr als 150 Milliarden €. Siehe nachstehende Grafik (handschriftliche Ergänzungen stammen vom Autor)!

Worin liegt für Deutschland das besondere Risiko von Target2?

Wie bei jedem Saldo geht es auch bei dem des Target-Systems mal rauf oder runter. Seit Ende 2014 gibt es für den Forderungs-Saldo Deutschlands aber nur noch eine Richtung, nämlich die nach oben. Dabei können die Target-Forderungen niemals fällig gestellt werden und sie sind bei Eintritt eines Zahlungsausfalls auch durch absolut nichts besichert. Fällt der Euroverbund aber auseinander, gibt es voraussichtlich keine EZB mehr und so richten sich die Forderungen Deutschlands dann gegen eine Institution, die nicht mehr existiert.

Und der komplette Zahlungsausfall wird dabei immer wahrscheinlicher: Griechenland, wir wissen es, ist pleite und wird nach dem bereits angekündigten Wegfall weiterer Unterstützung durch den IWF entweder einen Schuldenschnitt benötigen oder weiter mit hohen Transferzahlungen anderer Euroteilnehmer vor dem Staatsbankrott gerettet werden müssen, was finanziell noch machbar ist. Anders verhält es sich mit Italien. Sollte das Italienische Bankensystem in ernste Schieflage geraten, wird es kein Halten mehr geben. EFSF, ESM, etc. sind für diese Dimensionen einfach nicht mehr ausreichend. Und der größte Target-Schuldner: Er heißt Italien.

Wenn vor diesem Hintergrund die Target2-Forderungen Deutschlands von der Öffentlichkeit völlig unbemerkt, weil in Politik und Medien unerwähnt und unkommentiert geradezu explodieren, ist das Ausdruck eines geradezu unheimlichen Vorgangs. Der Target-Saldo indiziert nämlich auf einmal mehr, als nur die aktuelle Höhe einer Forderung. Sein Pegel wird dann auch zum Gradmesser für die grassierende politische Verantwortungslosigkeit unserer staatlichen Führungseliten, ihrer grenzenlos scheinenden ideologischen Verblendung und damit schließlich auch einer auf vielen anderen Gebieten fortschreitenden Verwahrlosung der Bundesrepublik Deutschland.

 

Der Artikel ist hier zuerst erschienen am 08.01.2018:

https://eurodaemmerung.wordpress.com/2018/01/08/target2-explodiert-und-keiner-ruft-alarm/#more-847

Sven von Storch

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