Bundeswehr vergrätzt mit »Layla« linke Gedanken-Stasi

Dass die Bundeswehr modern aufgestellt ist und durchaus kann, wenn man sie lässt, zeigt sie in Olpe. Sie verteidigt Artikel 5 des Grundgesetzes. Die Freiheit der Kunst.

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Deutschland entwickelt sich immer absurder. Standen Blaskapellen und Militärorchester früher einmal für autoritären Geist und absolute Kulturlosigkeit, fern ab von Meinungsfreiheit und Menschenrechten. Wer zum ›Radetzky-Marsch‹ aufstand und klatschte, war zumindest verdächtig; wer den ›Königgrätzer Marsch‹ pfeifen konnte, feierte an jedem 12. März wahrscheinlich auch den Einmarsch der Wehrmacht in Österreich, die so verlief, wie sich Putin den Einmarsch in der Ukraine vorgestellt hat; und zum ›Badenweiler Marsch‹ fällt einem besser nichts mehr ein, sonst droht Ungemach mit der Staatsmacht. Kaum eines der Stücke erklingt heute noch in den Straßen, wie es vor 100 Jahren üblich war und ganz bestimmt nicht in Berlin.

Im Sauerland, genauer: In Olpe spielte am vergangenen Dienstag das Heeresmusikkorps Kassel der Bundeswehr. Wahrscheinlich spielte es keinen der oben genannten Märsche. Allerdings erklang auf Vorschlag eines Orchestermitglieds die Bearbeitung für Orchester eines Stücks aus einer ganz anderen Ecke des Musikspektrums: »Layla«, ein mäßig deftiger Partyschlager.

»Musikalisch steckt nicht viel dahinter«, erläutert der Orchester-Chef Oberstleutnant Tobias Terhardt. »Das Lied besteht nur aus vier Akkorden«. Zugegeben, manche Rape-Musik [sic!] kommt mit deutlich weniger aus. Die Noten wurden verteilt. Dann ging es weiter wie bei Erich Kleiber, oder Hans Knappertsbusch?, der gelegentlich bekannter Stück zu den Orchestermitgliedern gesagt haben soll: »Sie kennen das Stück, ich kenne das Stück – Wir sehen uns heute abend.«

In Olpe brauchte niemand bis zum abend zu warten; und im Internet ebenfalls nicht. Die »Layla«-Version für Orchester von Tobias Terhardt machte augenblicklich die Runde. Allein über YouTube wurde das Stück eine Viertelmillion mal angeklickt und vermutlich auch abgespielt. »Die Leute sind steil gegangen«, berichtet der Orchester-Chef. »So etwas habe ich selten erlebt«.

Das aber passte linken und grünen Kulturpolizisten nicht. Sie gingen auf die Barrikaden, denn sie sind der Meinung, »Layla« sei sexistisch, wie sie es nennen, weil im Text eine Hure als »schöner, jünger, geiler« präsentiert wird. Und diese Aufregung mitten im Sommer im Jahre des Herren 2022. Spießiger geht es wohl nicht mehr.

Es scheint, als wollten die woken Weiber und ihre willigen Weicheier den Verbotsgelüsten deutscher Sittenrichter den Rang ablaufen, die in vielen Prozessen nach 1945 versuchten, die rechte Ordnung zu wahren. Nur ist es diesmal die linke und grüne, die sich mit ihrer Abzählmoral über die balzigen Neigungen des gemeinen Volkes hinwegsetzen und es ihm austreiben wollten.

Dieselben Leute haben Anfang der 1980er Jahre »Zeter und Mordio« geschrien, als »Das Delta der Venus« der Geliebten von Henry Miller Anaïs Nin als pornographisch und damit jugendgefährdend eingestuft und beschlagnahmt wurde. Auch in jenen Zeilen wird eine Hure besungen, nur gerät die Beschreibung etwas pikanter und detaillierter als in »Layla«.

Nin hat für ihre Zeilen über die Hure pro Seite einen Dollar verdient; Arbeit, die sie angeblich gehasst hat, denn ihr Auftraggeber verlangte ausdrücklich deutliche Worte ohne »den poetischen Firlefanz«, während sie angeblich überzeugt war, »das Geschlechtliche verliert alle Macht und Magie, wenn es überdeutlich, übertrieben, mechanisch dargestellt, wenn es zur fixen Idee wird. Es wird stumpfsinnig.«

Das mag stimmen. Aber Nin war zu klug um die tiefe Ironie des Schreibens für Geld über Prostitution nicht erkannt zu haben und bezeichnete sich selber »die Puffmutter dieses versnobten literarischen Hurenhauses, aus dem das Vulgäre ausgeschlossen war«.

Weitere Beispiele aus der Geschichte erotischer Literatur ließen sich nennen. Aber dieses eine reicht, um den eminent polizeilichen Charakter woker Ideologen zu dokumentieren. Natürlich geht es nicht um die Rechte von Schwulen und Transen, Lesben und Bisexuellen. Es geht allein um den Terror einer lust- und körperfeindlichen Horde, deren Mitglieder den Zustand der Pubertät nicht ertragen und deshalb in die Kindheit regredieren indem sie an ihrem Geschlecht herumspielen wollen, als sei nichts gewesen.

Erotische Literatur und mit ihr Musik, die ins erotische gleitet, hat immer provoziert – und zwar, sofern es den Bürger betraf, im Geheimen. Das einfache Volk war etwas simpler gestrickt und schwer kontrollierbar. Das hat dem Staat zu keinem Zeitpunkt gefallen und seine Vollstrecker haben nach Wegen gesucht, »Layla« unter Kontrolle zu bringen. Lange allein über Verbote.

Erst die Woken haben das offene Zeigen von Sex als Methode entdeckt, dem Sexus die Tiefe auszutreiben. Wenn Anaïs Nin schreibt, »das Geschlechtliche verliert alle Macht und Magie, wenn es überdeutlich, übertrieben, mechanisch dargestellt, wenn es zur fixen Idee wird«, dann kommen Bilder von Liebes-Paraden zum Vorschein, wie kürzlich in Berlin oder bei jedem CSD, dem Christopher Street Day, gegen den Pasolinis »Salo – Die 120 Tage von Sodom« einigermaßen harmlos erscheinen. Kurz und noch einmal Nin: »Es wird stumpfsinnig.«

Auf bemerkenswerte Weise entgehen die einfachen Leute dieser Falle. Vielleicht weil sie ihren Stumpfsinn nicht durch vorgespielte Geistreichigkeit tarnen wollen, die sie dann verwenden, um Verbotsanträge vor Gericht bringen zu können. Die einfachen Gemüter erklären dann eben brav, dass sie sich »selbstverständlich« von »Diskriminierung, Benachteiligung oder sexistischer Darstellung« distanzierten. Anschließend tanzen und singen sie weiter zu »Layla«. Und kein Staat hält sie zurück.

Aber woke Sittenpolizisten wollen das Ständchen stören. Und da es für ein Verbot hinten und vorne nicht reicht – noch gilt die Freiheit der Kunst –, wird die faschistische Kamarilla zusammengetrommelt. Sie versucht es mit lausigen Tricks, indem sie darauf verweist, das Heeresmusikkorps sei aus Steuern finanziert. Warum das Artikel 5 außer Kraft setzen sollte, kann ich nicht sagen. Was aber sicher ist: Die Mannen um Oberstleutnant Terhardt spielten für eine Gage, der Auftritt »«wurde also nicht aus Steuermitteln finanziert.«

Die Musikanten des Bundeswehrverbandes erwiesen sich als raffinierte Soldaten und nutzten wie alle Schwächeren eine Kriegslist. Um sich den Häschern zu entziehen wehrten sie die Angriffe mit dem Hinweis: »Wir haben das Lied nur instrumental gespielt. Keiner von uns hat den Text gesungen.« Man kann das Lachen der Soldaten bis hierher hören.

Aber die Bundeswehr bewies auch wirklichen Mut. Mut, der in diesen Tagen in Deutschland rar geworden ist. Nach weiteren Attacken aus dem links-grünen Lager hieß es lediglich: »Die Leiter der Musikeinheiten des Militärmusikdienstes der Bundeswehr sind in ihrer Programmauswahl grundsätzlich frei.«

Welche Zeiten! Die Bundeswehr muss linke und grüne Berufsideologen auf die Freiheit der Künste verweisen. Und anders als die meisten Universitäten und Verlage in Deutschland, die sich den woken Meinungsterroristen praktisch durchweg vorauseilend unterwerfen, beweist die Bundeswehr, dass sie Artikel 5 aktiv verteidigt. Aber dafür ist sie ja auch da. Die Bundeswehr. Allerdings auf ganz andere Arten und Weisen, wie sie sich ihre Gründer 1955 gedacht haben mögen.

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[zum Weiterlesen: Siege und Niederlagen]

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Kommentare zum Artikel

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Gravatar: Croata

Mit TransLayla wäre es kein Problem gewesen. Die Flagge steht schon da.

Gravatar: Ekkehardt Fritz Beyer

... „Dass die Bundeswehr modern aufgestellt ist und durchaus kann, wenn man sie lässt, zeigt sie in Olpe. Sie verteidigt Artikel 5 des Grundgesetzes. Die Freiheit der Kunst.“ ...

Ja mei: „In Würzburg wurde er von einem Volksfest verbannt, beim CSD in Stutgart schallte er plötzlich beim SPD-Umzugswagen aus den Boxen.“
https://www.radiowmw.de/artikel/aerger-um-song-layla-bei-der-spd-1383770.html

Sollte das der ´Ampel` nicht Grund genug dafür liefern, die Bundeswehr – aber auch die CDU – unverzüglich verbieten???

Gravatar: Hajo

Von der Logik her dürfte es immer schwerer werden ihren Ausführungen zu folgen, denn Blaskapellen und Miltitärorchester müssen doch nicht zwangsläufig zur Kulturlosigkeit führen, denn Musik jeglicher Art ist Kultur und was kann die Tuba dafür, wenn im Spielenden zwei Welten leben und er sich am Ende für eine entscheidet und vielleicht noch nicht einmal weiß, warum er das tut.

Alle Handlungen und Ereignisse sind eben vom jeweiligen Zeitgeist erfaßt und meiner Auffassung nach lieber ein ordentliches Platzkonzert, was ja nicht allein die Domäne der Bundeswehr sein muß, denn deren Sinn kann man mittlerweile auch hinterfragen, aber dennoch steckt in den meisten noch der alte Geist der Traditionen und dann lieber "Alte Kameraden" oder eine schöne Schlagerschnulze, als die neueste Zumutung von seltsamen Musikklängen und Texten, die alte Gewohnheiten überdecken sollen bis hin zu den Nacktaufführungen auf deutschen Straßen unter der neuen Regenbogenflagge, was so sinnentleert ist wie es schlimmer nicht geht und am Ende garantiert, daß wir in einer völlig verquerten Welt erwachen.

Das allerdings ist gefährlicher denn je, denn wer die Grundordnung stört oder verändern will, der hat finstere Absichten und dafür stehen die Roten und Grünen und das sieht man doch überall, die machen auch vor Bayreuth nicht mehr halt und muten den Zuschauern allerlei Unsinn zu und dabei soll es sich noch um Kultur handeln, dann ist es besser man läd sich über You tube Rienzi des alten Formats herunter um nicht ganz geistig abzutorkeln, was diese Bande ja seit Jahren versucht, uns den inneren Kompaß wegzunehmen und das im Zeichen des Fortschritts, wo man nur noch staunen kann.

Im Moment sind sie doch schon dabei erneut einen rechten Popanz aufzubauen um die zu erwartende Widerstandswelle schon vorsorglich zu diskreditieren und gesten konnte man ein interessantes Statement eines eingesetzten General Oberst vernehmen, das ist der Erwählte für die unterstützende Sicherheit nach innen, indem er von Übungen mit seinen Mannen gegen Terrorismus sprach und der Polizei den Vortritt gelassen hat um nur unterstüzend einzugreifen, sollte Bedarf bestehen und nun sollte man wissen, wer mit den Terroristen eigentlich gemeint ist.

Sind diese Terroristen allgemeiner Natur oder könnten die neuen Terroristen diejenigen sein, die sich gegen die ganze schädliche Entwicklung wehren und dabei schon als Demonstranten so gesehen werden und diese Frage wäre weit wichtiger, als sich um belanglose Dinge zu kümmern, denn da werden im Hintergrund schon die Weichen zur Niederschlagung jeglicher Opposition gestellt und die Leute machen sich noch Gedanken über
ein bescheuertes Lied ohne Mehrwert, wo doch die Gefahren weit höher sind, wenn es um die Verteidigung der inneren Freiheit geht, die im Ernstfall verhindert werden soll, was jetzt schon ersichtlich ist.

Gravatar: Tracie

Nun, Layla zu verteidigen ist wahrhaft keine Heldentat.
Wie wäre es, wenn mehr Menschen ihn hier, unseren
mutigen, tapferen Islamaufklärer Stürzenberger unter-
stützen und fördern.

https://www.youtube.com/watch?v=McJFsMCUN7c

Ja, hier mitmachen, oder spenden, zumindest dieses
Video teilen.

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