Nina Hagen und die Solidarität unter Frauen

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Nina Hagen und die Solidarität unter Frauen
Datum: 21.03.2010, 12:54

Ich weiß, dass so manchem spontan einfällt: Gut, dass sie das Kind nicht bekommen hat damals, um Himmels willen. Darum geht es hier aber gar nicht. Ich sehe immer wieder weit weniger schräge Frauen mit ihren Kindern, bei denen mir der Gedanke kommt, ob sie sich und ihren Kindern einen Gefallen getan haben. Es bleibt aber eine höchst subjektive und auch völlig unfaire Beurteilung.

Es geht darum, dass eine junge Frau von ihrer eigenen Mutter gedrängt wird, ein Kind nicht zu bekommen, welches sie gerne gehabt hätte. Und dass dies leider ganz oft der Normalfall ist.

Wie viele Kinder hätten wir wohl mehr in Deutschland, wenn die erste Reaktion von Freund, Mann, Mutter, Freundin usw. nicht wäre „Oh Gott!“ sonder „Oh schön!“. Wie viele Kinder mehr, wenn es nicht immer nur darum ginge aufzuzählen, was gerade an der Situation ungünstig ist. Als ob es den einzig wahren, günstigen Moment jemals uneingeschränkt gäbe. Stattdessen wird heute in Deutschland statistisch jedes sechste Kind noch vor der Geburt getötet.

Und jetzt also auch Nina Hagen, eine unangepasste, schrille, seltsame und ich schätze doch sehr emanzipierte Frau und Mutter. Eine Frau, die ich eher in der Reihe jener erwartet hätte, die sich damals 1971 für die berühmte Aktion des Magazins Stern hergegeben haben, um offen zu bekennen „Wir haben abgetrieben“. (Auch wenn längst nicht alle der beteiligten Frauen damals tatsächlich eine Abtreibung hatten vornehmen lassen, aber das nur am Rande, es ging ja schließlich um mehr, ums Prinzip, was zählen da ein paar läppische Fakten).

Wo bleibt also der Aufschrei der feministischen Schwestern, der solidarischen Frauen in der deutschen Medienlandschaft? Hier wurde einer prominenten Frau Unrecht angetan. Gewalt! Irgendwelche wärmenden Worte am Horizont? Weit gefehlt. Für ein Burnout unter Karrierefrauen ist derzeit mehr Aufmerksamkeit zu holen. Solidarität kann man in Deutschland als Frau nur dann im öffentlichen Raum erwarten, wenn man gegen seinen Willen gezwungen wird ein Kind zu bekommen. Aber Abtreibung? Ist doch schon quasi Frauenrecht. Eine Wohltat, die wir uns hart erkämpft haben.

Blöd nur, wenn die Frauen damit gar nicht glücklich sind. Und schade, dass das Augenmerk gerade auch in der Frauenbewegung bis heute zu sehr auf dem Aspekt ruht: Wie befreie ich mich vom Kind und der Fessel der Mutterschaft anstatt sich damit zu befassen, wie ich als Frau meine volle Weiblichkeit ausleben kann -  ja, ja mit Kind und ja, ja sogar mit Mann.

Sven von Storch

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