Kein Recht auf Kinder

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Kein Recht auf Kinder
Datum: 04.05.2011, 08:24

Angesichts fortschreitender medizinischer Möglichkeiten auf allen Gebieten, nicht nur der Reproduktionsmedizin, haben wir uns bereits an den Gedanken gewöhnt, dass alles möglich ist. Das alles möglich sein muss. Endziel Unsterblichkeit. Wir werden immer älter, wir können immer mehr Krankheiten heilen oder gar verhindern, wir können bis ins unnatürlich hohe Alter Kinder bekommen. Was möglich sein könnte, soll gefälligst auch gemacht werden  und wird inzwischen eingefordert.

Nur über den Preis sprechen wir nicht.

Da haben wir zum einen den finanziellen Aspekt, der nicht unerheblich ist, denn moderne Medizin ist nicht billig. Auch Reproduktionsmedizin ist nicht billig – deswegen ist es ein riesiges Geschäft. Man darf ja nicht vergessen, dass hinter der Lobby der PID-Befürworter ein riesiger Pharmaapparat steht, der damit Geld verdient, dass Eltern um jeden Preis Kinder wollen. Wir führen die Debatte also nicht auf der rein menschlichen Seite, auf dem mitfühlenden Weg mit verzweifelten Eltern sondern ganz klar unter finanziellen Aspekten. Es sind nicht alles Gutmenschen, die den Eltern helfen wollen, Kinder zu bekommen. Es sind Geschäftsleute, die damit ihr Geld verdienen und zwar nicht wenig. Es darf also ruhig bezweifelt werden, ob alles, was medizinisch gemacht wird, tatsächlich dem Wohl der Menschen dient, oder oft nichts anderes als Profitgier ist. Gleiche Situation haben wir übrigens auch in Bereichen der Abtreibungs- und Verhütungsindustrie, wo es ebenfalls nicht rein um das Wohl der Menschen und die Selbstverwirklichung von Frauen geht, sondern tatsächlich erhebliche Summen im Umlauf sind, an denen nicht zuletzt sogar angeblich neutrale Beratungs-Organisationen wie Pro Familia ganz gut verdienen.

Und dann haben wir zum anderen den ethischen Aspekt. Wer PID zulässt, erlaubt nicht nur, dass ein gesunder Mensch lebt, sondern dass dafür andere Menschen sterben müssen. Ja Menschen. Mehrere Menschen. Nicht Zellhaufen. Denn auf der Zeitleiste des Lebens ist es völlig unerheblich, ob ein Mensch sich gerade im Stadium eines Vier-Zellers, eines dreimonatigen Embryos, eines Neugeborenen oder eines 99- jährigen befindet, der im Sterben liegt. Er ist und bleibt von Anfang an Mensch und selbst über den Tod hinaus schützen wir noch gesetzlich die Ruhe und das Ansehen der Toten. Nur beim Beginn des Lebens ducken wir uns gerade gepflegt weg und suchen händeringend nach neuen Definitionen des Menschseins, weil das bisher gültige nicht mehr in das medizinisch geforderte passt. Wenn wir also über PID sprechen, dann sprechen wir nicht nur darüber, dass wir einigen Eltern den Wunsch nach einem gesunden Kind ermöglichen, sondern auch darüber, dass wir dafür in Kauf nehmen, dass die aussortierten Kinder getötet werden. Geopfert für das eine Kind. Nein, es ist nicht Sache der Eltern, darüber zu entscheiden, ob sie vielleicht drei Kinder opfern wollen, um eines zu bekommen. Wir würden so einen Gedanken niemals zulassen bei geborenen Kindern. Deswegen schützt das Gesetz ja auch Kinder gegen die Gewalt der Eltern. Denn das Lebensrecht der Kinder darf ja nicht von der Gnade oder der Großzügigkeit der Eltern abhängen, sondern ist Ihnen als Mensch mit eigener Würde von Staatswegen garantiert. Ich würde auch sagen, von Gott. Für Atheisten mag unser Grundgesetz aber vielleicht genügen.
Ich kenne auch die Argumente der Befürworter: „Ist doch besser, man tötet im Reagenzglas, als später im vierten oder fünften Monat mit einer Abtreibung, da ist doch das Leid der Eltern dann viel größer“. Das Leid der Eltern? Was ist mit dem Kind? Das stirbt. Und ist lieber früher Töten als später Töten ethisch verantwortungsbewusster? Gar nicht töten, fällt mir da spontan ein. Auch hier mein Hinweis auf die geborenen Menschen: Machen wir da einen Unterschied, wie alt das Opfer ist? Ist es weniger verwerflich einen Säugling zu töten, als einen Erwachsenen? Die Antwort spar ich mir.

Ich weiß, es ist ein Luxusproblem für mich als vierfache Mutter darüber zu urteilen, ob jemand anderes ein Kind bekommen darf oder nicht. Dafür kenne ich zu viele Eltern, die verzweifelt versucht haben, eigene Kinder zu bekommen, und es nicht geschafft haben. Ich kenne Ehen die wegen dieses emotionalen Stresses geschieden wurden und die innerlichen Achterbahnfahrten der schwangeren Mütter, wenn die künstliche Befruchtung wieder erfolglos war und sie nach wenigen Wochen das Kind wieder verloren haben. Es sind Dramen, die sich da abspielen und die meisten von uns werden in ihrem Bekanntenkreis ein Paar kennen, das ungewollt kinderlos ist.

Und nun kommen wir also zur Gretchenfrage: Haben diese Eltern ein Recht auf ein Kind? Können wir Ihnen diesen Herzenswunsch unter Hinweis auf die gesetzliche Lage verwehren? Ist das nicht unmenschlich?  Oh ja, im Einzelfall wird es mit Sicherheit als unmenschlich empfunden. Nun ist dies aber keine Debatte, die man vom Einzelfall her führen kann. Gesetze werden nicht für Individuen gemacht, sie werden für die Masse gemacht. Ich fürchte, es wird sich kein einziges Gesetz in Deutschland finden, für das es nicht den dramatischen Einzelfall als Gegenbeispiel gibt. Es liegt in der Natur der Gesetzgebung, dass sie allgemein sein muss, um den größtmöglichen gemeinsamen Nenner zu finden. Dabei fallen immer und überall Einzelschicksale durch das Raster. Das ist nicht schön, aber nötig, um die Grundfesten unserer Gesellschaft zu bewahren.

Es ist dieser Glaube an die Allmacht der Medizin, der uns nicht mehr wahrhaben lässt, dass es manchmal eben nicht sein soll. Aus welchen Gründen auch immer. Früher nannte man das natürliche Selektion. Wir weigern uns aber heute, unser Schicksal weiter hinzunehmen. Will ein Blinder wieder sehen können? Natürlich. Will ein Lahmer wieder gehen könne? Ja sicher. Aber wir können nicht alles möglich machen. Wir haben kein Recht auf ein gesundes leben und auch kein Recht auf Kinder. Wir wissen bis heute nicht, warum bei der Befruchtung der Einzelle, dieses eine besondere Spermium das Rennen gewinnt. Oder warum manchmal keines das Rennen gewinnt. Die Natur ist nach wie vor viel klüger als wir und beschreitet Wege, die wir noch nicht begreifen.

Nun sagen uns die Wissenschaftler, wir haben eine Lösung. Wir machen es möglich! Der Preis spielt keine Rolle. Wenn aber der Preis ein Menschenleben ist, dann ist er immer zu hoch.

Sven von Storch

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