Kein Recht auf Essengehen

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Kein Recht auf Essengehen
Datum: 17.02.2010, 11:46

Spontan fällt mir da immer John F. Kennedy ein mit seinem berühmten Zitat: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, frage danach, was du für dein Land tun kannst“. Ein Gedanke, der immer weiter in den Hintergrund gedrängt wird in Deutschland, wenn nicht sogar gleich mit Unverständnis quittiert wird.

Vor ein paar Tagen ein Bericht im Radio. Der Familienvater Samir darf berichten, wie schlimm es so ist, mit Hartz IV zu leben. „Seit fünf Jahren bringt er seine Familie mit Hartz IV durch“ erklärt bedeutungsschwanger die Moderatorin.

Spontan fällt mir ein: Wir bringen dich und deine Familie durch Samir. Wir alle zusammen. Und das ist auch in Ordnung, denn wir erwarten die gleiche Hilfe, wenn wir in Not geraten auch von dir. Und dann weiter im Bericht, was so alles nicht möglich sei mit dem kleinen Budget: Essengehen, könne man sich nicht leisten, Kino auch nicht, oder mal Markenklamotten für die Kinder, auch nicht drin. Mir kommen gleich die Tränen.

 

Ich stelle fest, mir muss es als Kind auch ganz furchtbar gegangen sein, gut dass es mir aber keiner erklärt hatte:

Meine Eltern haben beide gearbeitet, Vollzeit, um unsere Familie zu ernähren.

Markenklamotten konnten wir uns grundsätzlich nicht leisten.

Essen gehen war etwas Seltenes, Besonderes.

Wir waren meistens im Camping-Urlaub, alles andere wäre zu teuer gewesen für unsere vierköpfige Familie.

MacDonalds gab es aus Prinzip nicht.

Anstatt Kino hatten wir ein Theater-Abo.

Für den Klavierunterricht von mir und meinem Bruder hat es trotzdem gereicht.

 

Es gibt kein Recht auf „Essengehen“. Es ist extrem ärgerlich in dieser ganzen Debatte, dass vergessen wird, dass es einen sehr großen Anteil in unserer Bevölkerung gibt, der sich all das auch nicht leisten kann. Da arbeiten die Eltern hart und trotzdem reicht es nicht für Markenklamotten, Essengehen oder Kino.

Das ist so und hat nichts mit Hartz IV zu tun, sondern mit dem Leben, wie es ist. Und deswegen ist es zwar nicht schön, wenn Kinder von Hartz IV Empfängern sich einiges nicht leisten können, sie sind aber nicht allein sondern in bester Gesellschaft, denn auch Kinder, deren Eltern arbeiten, können sich Vieles nicht leisten.

Wir leisten uns in unserer Gesellschaft zu viele Menschen, denen der Leistungsgedanke schon in der zweiten oder gar dritten Generation abhanden gekommen ist und haben deswegen für diejenigen zu wenig, die es tatsächlich brauchen könnten: Alleinerziehende Mütter zum Beispiel.

Wir sprechen zu viel über das, was wir alles brauchen und wollen und zu wenig über das, was wir alles dafür tun müssen. Jeder Einzelne, in Eigenverantwortung für sein Leben. Leistung ist nichts Schlechtes, sie ist der Motor unserer Gesellschaft. Verzicht und Entbehrung sind auch nichts Schlechtes, sie lehren unsere Kinder, dass es nicht einfach ist im Leben und dass man manchmal hart arbeiten muss, für das, was man sich wünscht.

Ich habe Hochachtung vor all den Familien, die hart arbeiten, um ihren Kindern eine gute Zukunft zu ermöglichen. Hochachtung vor denen, die sich auch mit geringen Mitteln um Vieles kümmern, die lieber selbst verzichten, dafür ihren Kindern eine Freude machen und nicht darauf warten, dass der Staat es schon richtet.

Sven von Storch

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