Burka-Verbot ist ein doppeltes Gefängnis
Burka-Verbot ist ein doppeltes Gefängnis
Datum: 17.09.2010, 10:21
Glaubt denn wirklich irgendjemand, dass all diese Frauen jetzt plötzlich OHNE Burka auf der Straße spazieren? Nein. Sie gehen jetzt gar nicht mehr raus. Sie dürfen jetzt vielleicht gar nicht mehr raus. Die gutgemeinte Hilfestellung, um ihnen zu mehr Rechten zu verhelfen, kehrt sich somit ins Gegenteil. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass die Männer aus diesen muslimischen Gesellschaften, die ihre Frauen nur in Ganzkörperverschleierung bislang aus dem Haus ließen, sich jetzt plötzlich den Gesetzen der westlich säkularen Staaten beugen. Sie haben es doch auch bisher nicht getan und die Rechte ihrer Frauen mit Füßen getreten. Ein Gesetz dagegen zu machen ist nahezu lächerlich, denn es wird diese Frauen nicht erreichen. Jetzt wird sie vielleicht niemand mehr erreichen. Ja sicher, sie werden aus dem Straßenbild verschwinden. Das mag dem ein oder anderen gefallen. Aber es bedeutet für diese Frauen, dass sie jetzt in einem doppelten Gefängnis leben. Unter der Burka und hinter den Mauern ihrer Wohnung.
Vor drei Jahren bin ich einer Gruppe komplett verschleierter Frauen begegnet. In einem Freizeitpark. 32 Grad im Schatten, mit Horden von Kindern. Ich habe sie angestarrt, sie hatten Spaß. In der Damentoilette hatte ich die Gelegenheit, sie ohne Burka zu betrachten. Es waren junge Frauen, sie waren geschminkt, sie waren bildschön und sie hatten einen guten Tag, auch wenn sie mir bei der Hitze unter den bodenlangen schwarzen Gewändern leid taten.
Was man nicht vergessen darf: Bislang konnten sie noch das Haus verlassen und sich in die Gesellschaft begeben. Sie konnten Kontakt zu anderen Frauen suchen, sie konnten sich Hilfe holen. Es ist doch alt bekannt, dass schon früher die angeblichen Nähkurse, die für türkische Frauen angeboten wurden, oftmals getarnte Deutschkurse waren. Denn zum Nähen durften sie raus. Zum Deutschlernen nicht. Wenn man also nicht auf die Einsicht ihrer Männer hoffen kann, dann muß man doch andere Brücken bauen, als Kleiderordnungen. Anstatt die Brücken alle einzureißen, auf denen diese Frauen bislang Hilfe bekommen konnten. Jetzt dürfen sie vielleicht nicht einmal mehr zum Bäcker nach nebenan.
Und es gibt noch einen Grund, warum ein Burka-Verbot ein falsches Signal ist, das auch Christen, Juden, Hindus und sonstige Religionsgemeinschaften aufhorchen lassen sollte. Es ist ein Gesetz, dass ein religiöses Symbol aus der Öffentlichkeit verbannt. Wir öffnen gerade die Büchse der Pandora und applaudieren uns selber zu ob unserer fortschrittlichen Denkweise. Was wird denn als nächstes verboten? In Großbritannien gibt es eine Fluggesellschaft, die ihren Stewardessen verbietet, Kreuze um den Hals zu tragen, um keinen Fluggast unnötig mit einem religiösen Symbol zu belästigen. Was ist mit einer Soutane? Was ist mit Ordensschwestern? Dürfen die dann auch nicht mehr in der Ordenstracht in die Öffentlichkeit? Wie sieht es mit einer Kippa aus? Ein Affront? Muß sich der Dalai Lama demnächst bei Frankreich-Besuchen warm anziehen? Wo ist die Grenze? Ich finde, es gibt ganz andere Kleider, die in meinen Augen wirklich verboten aussehen, darf ich aber tragen, ist nur Mode und nicht religiös. Das kann nicht unser Weg sein.
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