Stein statt Jörges

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Stein statt Jörges
Datum: 02.09.2011, 11:07

Seit 25 Jahren übt die Junge Freiheit das „Abenteuer Meinungsfreiheit“ (Gernot Facius). Wer sich über die Geschichte der konservativen Wochenzeitung sowie ihre maßgeblichen Autoren informierten möchte, kann jetzt zu der Festschrift „Der Freiheit eine Gasse. 25 Jahre Junge Freiheit“ greifen. Es ist insbesondere dem Fleiß des stellvertretenden Chefredakteurs Thorsten Thaler zu verdanken, dass hier ein beeindruckendes Stück deutscher Zeitungsgeschichte auf rund 350 Seiten vorgelegt wurde. Nach äußerst bescheidenen Anfängen als von Schülern und Studenten im Zweimonatstakt herausgegebene Zeitschrift, die zunächst im beschaulichen Freiburg im Breisgau erschien, hat es die JF geschafft, einen festen Stamm an Lesern und Abonnenten an sich zu binden (Druckauflage von knapp 30.000 Exemplaren) und ein Netzwerk von namhaften Autoren für sich zu gewinnen. Zahlreiche Edelfedern der früher konservativer ausgerichteten FAZ oder Welt schreiben heute für die JF. Nicht zu vergessen ist selbstverständlich auch der Anteil der über zwei Dutzend festangestellten Mitarbeiter von Verlag und Redaktion, denen man heute sogar ein Gehalt zahlen kann. Denn in den Anfängen der Zeitung wollten ihre Macher nicht nur aus Idealismus der Freiheit eine Gasse schlagen, sondern handelten in wirtschaftlicher Hinsicht selbstausbeuterisch.   

Besonderen Anteil am publizistischen Erfolg der JF haben die beiden „Starautoren“ Thorsten Hinz und „Pankraz“ Günter Zehm. Michael Paulwitz und Karlheinz Weißmann schreiben ebenfalls bereits seit langem kontinuierlich für das Organ. Ohne den anderen bekannten Namen wie Alain de Benoist, Karl Feldmeyer, Wilhelm Hankel oder Klaus Peter Krause zu nahe treten zu wollen: Viele Leser werden insbesondere auch die Beiträge von Peter Scholl-Latour schätzen, der im Mai 2000 der JF sein erstes Interview gab. Scholl-Latour, der 2008 den Gerhard-Löwenthal-Ehrenpreis erhielt, urteilte über die von Chefredakteur Dieter Stein verantwortete Publikation: „Ihre Zeitung bedeutet für mich, dass es in der Medienlandschaft noch unabhängige Geister gibt und Journalisten, die das Risiko eingehen, gegen den Strom zu schwimmen.“ 

Es ist und bleibt ein Skandal, dass die JF vom Verfassungsschutz NRW zeitweise als rechtsextrem eingestuft wurde und dass diverse linke Gewalttaten gegen Personen und Sachen im Umfeld der JF auch von den sogenannten „Liberalen“ stets mit klammheimlicher Freude geduldet und registriert wurden. Man stelle sich den Aufschrei der selbsternannten Anständigen vor, wenn „Rechte“ die Druckerei der taz anzünden oder Anschläge auf Autos von taz-Redakteuren verüben würden. Das Geschrei wäre sicherlich groß. Stein und Co. haben sich von dieser politischen Einäugigkeit aber nie beirren lassen.  

Dass die linke Hetze sich durchaus geschäftsschädigend auswirken konnte, belegt ein willkürlich herausgegriffenes Datum aus der Chronik „Angriff auf die Pressefreiheit“. Am 6. Juni 1996 sendeten die ARD-Tagesthemen einen Beitrag, der die FAZ bezichtigte, Werbung von „rechtsextremen Verlagen“ zu schalten, darunter Werbeanzeigen der Jungen Freiheit. Belastet wurde die JF durch ein ebenfalls in den Tagesthemen gesendetes Interview mit dem Chef des NRW-Verfassungsschutzes Fritz-Achim Baumann, der auch die FAZ für ihre Anzeigenpolitik kritisierte. Die Konsequenz dieses skandalösen Eingriffs in die Pressefreiheit: Seit besagter Tagesthemen-Sendung verweigerte die selbsternannte „Zeitung für Deutschland“ die Schaltung von Werbeanzeigen der JF im redaktionellen Teil ihres Blattes. Wahrlich kein Ruhmesblatt für Deutschlands einzig verbliebene noch halbwegs konservative Tageszeitung und ein völlig unnötiger Kotau vor der politischen Korrektheit.  

In einem Interview mit Chefredakteur Dieter Stein weist dieser zu Recht auf die völlig unverhältnismäßige Protegierung linker Blätter hin – weil die Mehrheit der Journalisten und der Zeitgeist eben auch links ticken. Dies verführt die JF aber nicht dazu, selber Politik zu machen. Die Zeitung verfehlte ihre Aufgabe, so Stein, wenn sie sich einer bestimmten – eventuell neu zu gründenden – Partei verschreiben würde. Denn dann wäre die Möglichkeit zur unabhängigen Berichterstattung rasch gefährdet.  

Die JF, die sich den Werten Nation, Freiheitlichkeit, Konservatismus und Christentum verpflichtet weiß, hat längst ihren festen Platz in der deutschen Medienlandschaft gefunden. Nicht zuletzt durch  zahlreiche Veranstaltungen ist die Bindung der Zeitung an ihre Leser eng. Doch in den öffentlich-rechtlichen Medien findet ein Blatt wie die JF längst nicht so statt wie beispielsweise die linke taz. Wäre es angesichts der neuen Talkshow-Flut in der ARD nicht einmal eine gute Idee, Dieter Stein zu Anne Will oder Günther Jauch einzuladen? 

Der Freiheit eine Gasse. 25 Jahre Junge Freiheit. Eine deutsche Zeitungsgeschichte. Junge Freiheit Verlag: Berlin 2011. 359 Seiten. 29 Euro. ISBN 978-3-929886-36-8.

 

Sven von Storch

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